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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Altdeutschland

Bergedorf: Land mit einem Schaltersatz

      Mit dieser Überschrift leitet Doberer in seinem Buch „Philatelie für Kenner“ das Kapitel über Bergedorf ein. Der Satz kann leicht missverstanden werden: Wer auf das schnelle Füllen von Lücken in seinem Album aus ist, wird erfreut feststellen, dass es tatsächlich nur fünf Marken mit Hauptnummern im Michel-Katalog gibt (es sind sechs, wenn man die 2. Auflage der Nr. 1, die 1 b, als eigenständige Ausgabe wertet). Ungebraucht sind sie alle ausgesprochen preiswert, und so kann man mit wenig Aufwand das Gebiet Bergedorf „abhaken“.

      Erstaunlicherweise gibt es aber auch noch Leute wie mich, die sich seit über zwanzig Jahren mit Bergedorf beschäftigen, immer wieder auf Unklarheiten in der Literatur stossen und ebenso immer wieder neue Marken in ihre Sammlung aufnehmen. Vielleicht habe ich einfach in zwanzig Jahren noch nicht gelernt, diese sechs Marken zu unterscheiden? Ich kann Ihnen versichern, dass das nicht der Grund ist, warum Bergedorf einen Sammler ein Leben lang beschäftigen kann. Mit einer Bemerkung aus einem anderen Buch kommen wir der Sache eher auf den Grund:

Bergedorf est un territoire pour ceux qui s’occupent scientifiquement de la philatélie.

      „Bergedorf ist ein Gebiet für diejenigen, die sich wissenschaftlich mit Philatelie beschäftigen“ schreibt Schloss in der Einleitung zu „Bergedorf“ in seinem Standardwerk über Neudrucke klassischer Marken, und damit sind wir bei genau dem, was Bergedorf so interessant macht:

      Von kaum einem anderen Land gibt es derart viele Probedrucke, Neudrucke, Neudrucke der Probedrucke und Essais wie von Bergedorf. Dazu kommt noch, dass Originale und Neudrucke wegen der Anordnung der Marken im Bogen all die philatelistisch interessanten Kombinationen wie waagerechte und senkrechte Paare mit Zwischensteg und Kehrdrucke mit Zwischensteg erlauben, und schliesslich und endlich gibt es noch das weite Feld von Bergedorf-Stempeln auf Marken anderer Gebiete. Sie sehen: Dieser Hamburger Vorort kann tatsächlich ein Sammlerleben ausfüllen!

      Leider gibt es auch von wohl keinem anderen Gebiet so viele falsche Stempel wie von Bergedorf; die Michel-Preisnotierungen (2005) im Verhältnis „gestempelt“ zu „ungebraucht“ liegen zwischen 8:1 und 83:1, und da eben die ungebrauchten Marken so billig sind, ist die Versuchung für mehr oder weniger talentierte Bastler mit kleinen Gummistempeln sehr gross.
      Es heisst, Corot habe etwa 3000 Werke geschaffen, von denen sich 5000 allein in Sammlungen in den USA befinden (1). Von Bergedorf dürfte es einige tausend (wenn überhaupt) gestempelte Marken geben, von denen sich heute einige zehntausend in den Alben gutgläubiger Sammler befinden. Also: Bei allen gestempelten Marken von Bergedorf ist äusserste Vorsicht geboten!

      Der belgische Briefmarkenhändler Moens ist für einen grossen Teil der fast nicht mehr zu übersehenden Neudruck-Flut bei Bergedorf verantwortlich, aber auch das Amt Bergedorf ist nicht ganz unschuldig: Man verkauft keinen Originalstein an einen Händler …
      Sie finden dazu auf der Seite über den früher so genannten „Moens’schen Korrekturabzug“ weitere Informationen.


Fussnoten:

  1. Frank Arnau: Kunst der Fälscher – Fälscher der Kunst. 2. Auflage, Econ Verlag, Düsseldorf und Wien 1969

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 12. Juni 2005.


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