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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Altdeutschland

Bergedorf: Die Neudrucke

Neudrucke der Bergedorfer Briefmarken

      Der an anderer Stelle vorgestellte Herr Moens war nicht nur im Besitz sämtlicher Restbestände der Bergedorfer Marken, sondern auch des zu ihrem Druck verwendeten Ursteins. Moens war engagierter Philatelist, aber eben auch Händler, und man muss ja leben …
      Auch der grösste Markenbestand geht einmal zu Ende, und der Hamburger Händler Goldner – übrigens auch eine bekannte Grösse im Neudruck-Geschäft, Helgoland-Sammler kennen den Namen –, der von Moens Marken bezog, beklagte sich irgendwann, dass die langsam steigenden Preise der Bergedorf-Marken es nicht mehr erlaubten, sie mit in die bei Schülern beliebten Marken-Tütchen zu packen. (Doberer erzählt die Geschichte; als ich sie zum ersten Mal las, erwachte in mir der Wunsch nach einer Zeitmaschine – einmal zurück ins Jahr 1873 und „Kiloware“ kaufen!)

      Moens begann wahrscheinlich um 1869, mit dem vorhandenen Urstein Neudrucke zu produzieren. Das „Erstlingswerk“ war der legendäre „Moens’sche Korrekturabzug“, es folgte ein heute extrem hoch gehandelter Karton mit Abschlägen aller Werte und eines Essais, und ab 1872 erschienen vier Auflagen des Bergedorfer Schaltersatzes. Moens druckte nicht immer alle Wertstufen, es gibt folgende Neudrucke:

  MiNr. 1872 1874 1887 1888
½ Schilling 1 X X
1 Schilling 2 X X X
1½ Schillinge(1) 3 X X
3 Schillinge 4 X X X
4 Schillinge 5 X X X

      Noch in den achtziger Jahren gab es eine solche Übersicht und viele weitere Informationen übrigens auch im Michel „Deutschland-Spezial“; heute wird diese ganze interessante Geschichte auf drei Zeilen abgehandelt und ansonsten auf einen 2002 in der Michel-Rundschau erschienenen Artikel verwiesen. Die Michel-Redaktion bezeichnet alle diese Moens’schen Druckerzeugnisse übrigens nicht als Neudrucke, sondern als Nachdrucke. Warum?

      Ehrlich gesagt: Ich weiss es nicht. Zweifellos stand für alle Ausgaben der Urstein zur Verfügung, von dem dann Drucksteine erzeugt wurden. Diese zeigen in der Tat teilweise kleine Abweichungen im Markenbild – die Unterschiede der einzelnen Umdrucktypen finden Sie für einige dieser Neudrucke auf separaten Seiten – und es wurde auch ein nicht immer dem Original entsprechendes Papier verwendet, aber ersteres kommt auch bei „Originalausgaben“ vor (sonst könnte man keine Ausgabe einer staatlichen Postverwaltung plattieren) und letzteres ist für die Einordnung Nachdruck/Neudruck irrelevant: Die Druckstöckel wurden vom Urstein abgenommen, und daher sind es meiner bescheidenen Meinung nach Neudrucke, weshalb ich mir erlaube, abweichend vom Michel, hier diesen Begriff zu verwenden. (Auch bei Müller-Mark und Grobe werden diese Marken als Neudrucke bezeichnet.)

      Andererseits heisst es zu den neuen Drucken der Probedrucke im Michel „Deutschland Spezial“ 1981 Neudrucke wurden von I und IV im Juni 1867 von neuen Platten angefertigt“, und auch 2005 liest man von „Neudrucken“ dieser Probedrucke. Hier wird der „Neudruck“-Status dieser Marken also nicht in Frage gestellt. Irgendwie ist das nicht konsequent, wenn man die Michel-Definition für Neudrucke kennt …
      (s. dazu auch „Neudrucke – Nachdrucke – Fälschungen“)


Fussnoten:

  1. „Schillinge“ bei der MiNr. 3 ist ein verlässliches Erkennungszeichen der Neudrucke, die alle diese Wertbezeichnung tragen; die Originale haben demgegenüber die Wertangabe „1½ Schilling“.

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 12. Juni 2005.


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