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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Belgien

Medaillons Ausgabe 1858/1861 (MiNr. 6–9)

      Bei dieser Ausgabe der Medaillons, die auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt wurde, unterscheidet man zwei Drucke, üblicherweise als „Platte I“ und „Platte II“ bezeichnet:
      Die Drucke der ersten Platte (I) von 1858 zeigen die petits médaillons, die 1861 angefertigten Drucke der zweiten Platte (II) die grands médaillons. Die Unterschiede (s. Grafik) sind nicht sehr gross, aber die grossen Medaillons wirken schlanker (sie sind höher und schmaler als die kleinen).

Medaillons 1858/1861

 

      Der Unterschied wird deutlich, wenn man die beiden Typen direkt vergleicht:

MiNr. 8I MiNr. 8II
MiNr. 8I
petit médaillon
MiNr. 8II
grand médaillon

 

      Mit der Ausgabe von 1861 erschien zum ersten Mal die Wertstufe 1 Centime; die MiNr. 6 gibt es also nur in der Version grand médaillon (MiNr. 6II). Diese Portostufe wurde für den Inlandsversand von Zeitungen und Drucksachen gebraucht.

 

Wie kam es zu diesen Grössenunterschieden?

      Sie finden die Erklärung im COB, jedoch nur auf niederländisch oder französisch. Suchen Sie einen deutschen Text, müssen Sie weit zurückgehen. Die ausführlichste Erklärung liefert das Kohl-Handbuch:

Infolge dieses verschiedenen Plattenumfanges wurden die Lieferungsbögen für No. 9I – 11I in anderer Richtung zu Druckbögen zerschnitten, wie für No. 9II – 11II, nämlich für die Platten zu 200 so, daß die Gewebebahn des Papiers senkr. zur Platten(Marken)-Höhe lag; daher zog sich hier das Pap. beim Tiefdruck in der Längsachse des Markenbildes zusammen und dehnte sich in der Breite des Markenbildes aus, so daß deren Mitteloval breit gezogen wurde. Für die Platten zu 300 dagegen schnitt man die Druckbögen so, daß Gewebebahn und Markenhöhe zusammenfielen; daher dehnte sich das Pap. umgekehrt in der Längsachse der Marken aus und zog sich in der Querachse der Marken zusammen; das Mitteloval erscheint daher bei ihnen schmal. Es liegt hier also der merkwürdige Fall vor, daß Marken verschiedener Platten einen durchgehenden Unterschied zeigen, den die Druckformen selbst garnicht aufweisen, weswegen die Bezeichnung desselben als Type I und II auch völlig falsch und irreführend ist.

Kohl-Handbuch 1926

      Korrekt wäre also, statt von „Platte I und II“ vom „1. und 2. Druck“ dieser Marken zu sprechen, da der entscheidende Unterschied, Marken-(bzw. Medaillon-)Grösse, durch die verschiedenen Druckbögen (200 vs. 300) zustande kam. Der COB vermeidet übrigens – im Gegensatz zum Michel –, von zwei Platten zu sprechen, und gibt lediglich unterschiedliche Formate für die beiden Ausgaben an.
      (Dafür ist der COB in der Nummerierung inkonsequent, indem er den früheren Ausgaben [1858] die A-Nummern und den späteren [1861] die Hauptnummern ohne Zusatzbezeichnung zuordnet.)

 

Hinweis:

      Die Nomenklatur und die Masse, die ich oben genannt habe, finden Sie im belgischen COB so nicht. Die petits médaillons von 1858 heissen dort (flämisch/französisch) „rond medaillon/médaillons arrondis“, die grands médaillons von 1861 „langwerpig medaillon/médaillons allongées“. Gemessen wird dort nicht das Medaillon, sondern der gesamte Bildrahmen. Die Nummerierung ist ebenfalls eine komplett andere als im Michel. (Die hier verwendeten Begriffe „grands“ und „petits médaillons“ finden sich bereits im Catalogue Willy Balasse.)


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 12. Januar 2013, letzte Bearbeitung am 12. Januar 2013.


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