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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Brasilien

Ochsen, Katzen und Ziegen: Terminologie der frühen klassischen Ausgaben

      Als Brasilien 1843 als drittes Land der Welt (1) Briefmarken ausgab, entschied man sich für ein sehr schlichtes Motiv: Eine Zahl mit der Wertangabe bildet das Markenbild, sonst: Nichts. Es gibt keinen Hinweis auf die Währung, vor allem fehlt auf diesen Marken jeder Hinweis auf das Land, das sie ausgegeben hat.

      Wegen dieses Motivs, der Wertziffer in einem grossen Oval, bekamen diese Marken den Namen „Ochsenaugen“. Diese Bezeichnung ist international gebräuchlich: In ihrem Heimatland heissen sie „olhos de boi“ (2), im Englischen sind sie als „bull’s eyes“ bekannt.

      Ziegen und Katzen gaben den folgenden Ausgaben den deutschen Namen (Ausgabe 1844/1846 „Ziegenaugen“, Ausgabe 1849, evtl. mit Einbezug der Ausgabe 1854/1861, „Katzenaugen“).
      Die „Ziegenaugen“ finden Sie im Englischen nur selten als „goat’s eyes“ (z. B. bei → Linn’s). In der brasilianischen Literatur sind sie als „inclinados“, bei unseren angelsächsischen Sammlerfreunden mehrheitlich als „slanted numerals“ bekannt, beide Bezeichnungen heben also auf die kursive Darstellung der Wertziffer ab.

Brasilien, Ausgabe 1844/1846, so genannte „Ziegenaugen“
„Inclinados“, „slanted numerals“ oder „Ziegenaugen“ – gemeint ist immer diese Ausgabe

      Die Bezeichnung „cat’s eyes“ wird im Englischen eher selten (→ Beispiel) verwendet, ausserdem ist damit nicht unbedingt dieselbe Ausgabe wie im Deutschen gemeint (s. u.). Im Portugiesischen werden die „Katzenaugen“ auch, um sie von den vorhergehenden „inclinados“ zu unterscheiden, als „verticais“ bezeichnet.

      Alle diese Ausgaben wurden in Stichtiefdruck in Schwarz auf leicht getöntem Papier gedruckt. 1854/1861 erschienen vier weitere Werte, die erstmals farbigen Druck brachten, diese sind als „coloridos“ bekannt, werden aber meist noch zu den „Katzenaugen“ gerechnet.

Brasiliens erste Ausgaben im Grössenvergleich: Ochsenaugen, Ziegenaugen und Katzenaugen
Grössenvergleich der ersten Ausgaben Brasiliens
Oben: „Ochsenauge“
Unten, von links nach rechts:
„Ziegenauge“ und „Katzenaugen“ („verticais“ und „coloridos“);
im gleichen Massstab eine 1-Franken- und eine 1-Euro-Münze

      Sie sollten noch wissen, dass die hier beschriebene Terminologie im deutschsprachigen Raum üblich ist, aber keineswegs generell verwendet wird. Wenn Sie aus dem (gedruckten oder Internet-)Katalog eines Händlers in Übersee bestellen, passen Sie bitte auf, dass Sie auch wirklich die Marken bekommen, die Sie meinen. Wenn in einem Angebot z. B. steht „Ausgabe 1846“, ist die Sache klar.
      Es kann aber auch passieren, dass Ihnen „snake’s eyes“ („Schlangenaugen“) angeboten werden. Das ist dann die Stanley-Gibbons-Terminologie, nach der nur die „coloridos“ als „Katzenaugen“ bezeichnet werden. Eine Übersicht über die verschiedenen Nomenklaturen finden Sie in den Büchern von Maassen/Wittig.
      „Der interessierte Sammler wird sich letztlich sowieso daran gewöhnen, die Serien nach den Ausgabedaten zu klassifizieren und weniger nach philatelistischen Traditionsnamen.“ (Maassen/Wittig 1982)


Fussnoten:

  1. Die → ArGe Brasilien im BDPh behauptet zwar, Brasilien sei das zweite Land gewesen (und steht mit dieser Meinung nicht allein), aber es war trotzdem das dritte. Mehr dazu auf einer anderen Seite.
  2. Falls Sie, wie ich, des Portugiesischen nicht mächtig sind: Es gibt ein gutes → Wörterbuch auf dem Web.

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 11. Dezember 2015.


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