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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Brasilien

Die „Katzenaugen“ („Verticais“ und „Coloridos“)

„Verticais“

Brasilien „Katzenaugen“, „Verticais“, Ausgabe 1849/1850
„Katzenaugen“, Ausgabe 1849/1850, so genannte „Verticais“
(Grosses Bild)

      Brasiliens langlebigste Markenausgabe erschien 1849/1850. (Ich beziehe hier unter „Katzenaugen“ die Ausgabe von 1854/1861 mit ein, s. dazu auch „Terminologie der frühen klassischen Ausgaben“.)
      Obwohl diese Marken äusserlich nicht auffallend und auch nicht gerade besonders attraktiv sind, bieten die „Katzenaugen“ philatelistisch viel Interessantes.

      Das beginnt mit dem ersten Wert in der neuen Zeichnung (und gegenüber den Vorgängern weiter leicht verkleinertem Format): 1849 kam die neue Portostufe 20 Réis heraus; das dieser Ausgabe zu Grunde liegende Dekret Nr. 637 vom 27. 9. 1849 ist nach den Forschungen von Maassen/Wittig (sagte ich schon, dass dieses Buch Pflichtlektüre für alle Sammler dieser Ausgaben darstellt?) mehrfach falsch übersetzt und falsch verstanden worden.

      Das beginnt mit einer falschen Übersetzung im „Kohl-Briefmarkenhandbuch“, in dem es dazu heisst „Außer dem Porto für nicht freigemachte Briefe zahlen die Empfänger in ihren Häusern für jeden (Brief) 20 Reis mehr. Es wird also 20-Reis-Marken geben, die ausschliesslich bestimmt sein sollen, diesen Portozuschlag zu bezahlen. Diese Marken sollen im Schatzamte, bevor sie der Post übergeben werden, durch 2 kreuzförmige Striche entwertet werden.“
      Maassen/Wittig zitieren weiterhin den Michel Südamerika-Katalog, Ausgabe 1981/82, mit der Anmerkung „Nr. 12 (= 20 Reis) erschien am 23. 8. 1850 als Portomarke für Briefzustellung in die Wohnung; Entwertung durch Federstrich, ab 1866 auch als Freimarke verwendet.“

      Die Autoren erklären dann im Detail, belegt durch die Literatur und durch vorliegende Stücke dieser Marke, dass die Daten falsch sind (Ausgabe bereits 1849, Verwendung als Freimarke bereits 1862/1863) und dass es sich um eine Zustellmarke ausschliesslich für unfrankierte Sendungen aus dem Ausland gehandelt hat. Diese gut belegten Erkenntnisse publizierten Maassen/Wittig 1982, und nun schauen wir in den Michel Südamerika-Katalog 2005, der Ende 2004 erschien. Was steht dort?
      „MiNr. 12 erschien im September 1849 als Gebührenmarke für Briefzustellung in die Wohnung. Entwertung durch Federstrich, ab 1866 auch als Freimarke verwendet.“
      Es muss für engagierte Philatelisten schon frustrierend sein, wenn die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten von einer renommierten Katalog-Redaktion so geflissentlich ignoriert werden …

      Auf jeden Fall ist diese 20-Réis-Marke sowohl als „Zustellmarke“ wie auch als normale Briefmarke verwendet worden; in der ersten Funktion stellt sie wahrscheinlich die erste „Vorausentwertung“ der Postgeschichte dar.

      Obwohl der 20-Réis-Wert sicher schon 1849 verwendet wurde, erschienen alle übrigen Werte der „Verticais“ erst am 1. Januar 1850. Leider kann ich hier keine so einfache Übersicht über die verwendeten Druckplatten geben wie bei den vorherigen Ausgaben, da diese Marken von einer Unzahl verschiedener Kupfer- und später Stahlplatten gedruckt wurden; beim 10-Réis-Wert etwa wurden sechs verschiedene Platten verwendet. Eine umfassende Dokumentation über die einzelnen Typen liegt bisher nicht vor; hier eröffnet sich dem forschenden Philatelisten noch ein weites Feld.

      Einfacher wird es dafür bei dem für diese Ausgabe verwendeten Papier: Es gibt nur zwei Papiersorten, anfangs ein grau getöntes, transparentes Papier, später (ab 1855/1856) ein stärkeres, gelbliches Papier. Auf der ersten Papiersorte können daher sowohl Drucke von Kupfer- wie von Stahlplatten vorkommen.


 

„Coloridos“

Brasilien „Katzenaugen“, „Coloridos“
„Katzenaugen“, Ausgabe 1854/1861, so genannte „Coloridos“
(Grosses Bild)

      Zunächst eine wichtige Korrektur eines Druckfehlers im Michel Südamerika 2005, um Irrtümern vorzubeugen: Dort steht bei dieser Ausgabe „Stdr.“, also „Steindruck“, richtig wäre „StTdr.“, also „Stichtiefdruck“. Die Werte zu 10 und 30 Réis wurden sogar von den gleichen Platten gedruckt wie die schwarzen Marken der vorherigen Ausgabe!

      Unter den vier Werten dieser Ausgabe sind die niedrigen Wertstufen zu 10 und 30 Réis, die ab 27. 2. 1854 verwendet wurden, die postgeschichtlich interessanteren. (Die am 9. 6. 1861 verausgabten hohen Werte waren Anpassungen an neue Tarifstufen im Auslandsverkehr.) Die Marken zu 10 und 30 Réis waren nicht, wie man zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch fälschlich annahm, Probedrucke, sondern Zeitungsmarken. Eine ausführliche Beschreibung der Hintergründe dieser Ausgabe finden Sie bei Maassen/Wittig. Für den Sammler ist es noch wichtig, zu wissen, dass die Verwendung dieser Marken als „normale“ Freimarken postamtlich nicht beanstandet wurde, solche Verwendungen sind bereits ab 1857 bekannt.

      Während Kloke im „Kohl-Handbuch“ 1926 noch drei Farbtöne der 10- und 30-Réis-Werte unterscheidet (blau, stahlblau, tiefblau/dunkelstahlblau) und darauf hinweist, dass zahlreiche Tönungen existieren, werden im RHM- und Michel-Katalog nur noch „blau“ und „stahlblau“ genannt.


Literatur:


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Copyright © 2005 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 12. Juni 2005.


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