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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Kap der Guten Hoffnung

Die „Kap-Dreiecke“ – Einleitung

Kap der Guten Hoffnung / Cape of Good Hope: Kap-Dreieck (cape triangle) 4 Pence blau SG Nr. 4
Kap der Guten Hoffnung
Ausgabe 1853, Stanley Gibbons Nr. 4

      Ähnlich wie die „Ochsenaugen“ gehören auch die so genannten Kap-Dreiecke (cape triangles in ihrer Muttersprache) zu den Ausgaben, von denen wohl jeder Philatelist schon einmal gehört und irgendwo eine Abbildung gesehen hat.

      Neben der ungewöhnlichen Form – es waren die ersten dreieckigen Marken der Welt – spricht die schlichte Gestaltung dieser Marken den Betrachter an; Häger schreibt, dass sie „zu den grafisch gelungensten Marken aller Zeiten“ gehören.

Dreiecksmarke Privat-Circular-Post Frankfurt 1887

      Die Kopie, sagt man, sei die höchste Form der Anerkennung. In diesem Sinn hat die Privatpostanstalt Privat-Circular-Post in Frankfurt im Jahr 1887 den „Kap-Dreiecken“ ihre Reverenz erwiesen (MiNr. 29B).


Kurze Geschichte der Kap-Dreiecke

      Der südwestlichste Zipfel Afrikas, das Kap der Guten Hoffnung („Cape of Good Hope“), korrekter die Kapkolonie, ging am 8. Januar 1806 von niederländischem in britischen Besitz über und wurde britische Kolonie. 1910 ging die Kapkolonie als Kapprovinz in der neu gegründeten Südafrikanischen Union auf.

      Als am 1. September 1853 die ersten Marken in den Wertstufen 1 Pence (rot) und 4 Pence (blau) erschienen, wollte man diese Ausgaben der Kolonie schon rein optisch deutlich von den Marken des Mutterlandes unterscheiden; das Ergebnis war die ungewöhnliche dreieckige Form.
      Auch die 1858 erschienenen zusätzlichen Wertstufen (6 Pence lila und 1 Schilling gelbgrün) und alle weiteren Drucke behielten diese Form, erst 1864 erschienen am Kap Marken in konventioneller Rechteck-Form.


Die „Kap-Holzschnitte“

      Ich will der Vorstellung der einzelnen Ausgaben nicht vorgreifen, aber den Begriff „Kap-Holzschnitte“ („woodblocks“) hört man im Zusammenhang mit diesen Marken immer wieder einmal, so dass ich mit dieser Legende gleich in der Einleitung aufräumen möchte.

      Was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung?

      Im Jahr 1861 wurde der Vorrat an Marken am Kap knapp, und es war unklar, ob aus London rechtzeitig eine neue Lieferung eintreffen würde. In dieser Situation entschloss man sich zu einer Notmassnahme („Aushilfsausgabe“; Stanley Gibbons benutzt den Begriff „provisional issue“): Ein örtlicher Drucker wurde beauftragt, Marken in den meist gebrauchten Wertstufen 1 und 4 Pence herzustellen.

      In der grafischen Gestaltung reichten diese Marken nicht an die Qualität der ursprünglichen Ausgabe heran. Die etwas grobschlächtige Ausführung der Hope, der allegorischen Darstellung der Hoffnung, führte irgendwann in Philatelisten-Kreisen zu dem Gerücht, dass diese Marken von Holzschnitten hergestellt wurden. Dies ist nicht richtig, aber die Bezeichnung Kap-Holzschnitte hat sich gehalten. Obwohl sachlich falsch, dient der vor allem im Englischen noch häufig verwendete Begriff wood-blocks (mit oder ohne Bindstrich) heute zur eindeutigen Bezeichnung dieser Ausgabe. (Mehr über diese Marken auf einer eigenen Seite.)


BONC

Cartoon: BONC!

      BONC? Haben Sie dabei eher Assoziationen aus dem Bereich der Comics und Cartoons?
      Der Begriff BONC wird Ihnen früher oder später begegnen, wenn Sie sich mit Kap-Dreiecken beschäftigen, aber selbst das mit 23 000 Einträgen wohl umfassendste philatelistische Lexikon auf dem Web, → AskPhil, liefert Ihnen dazu keine Erklärung.
      Keine Sorge – diese Website lässt Sie nicht im Stich!
 
      (Nachtrag 30. 6. 2006: Ich habe BONC als Vorschlag für einen neuen Eintrag an AskPhil gemeldet – gute philatelistische Websites sollte man unterstützen!)

      Was also ist ein BONC? Der Begriff steht für Barred Oval Numeral Cancel, „ovaler Nummern-Strichstempel“. Diese Stempelform wurde erst 1864 eingeführt und ersetzte die bisherigen dreieckigen Stempel; einen BONC finden Sie also erst auf den späten Drucken der Kap-Dreiecke. Bei Jurgens sind diese Stempel im Detail beschrieben, allerdings nicht mit dieser Abkürzung, sondern als Oval Bar Numeral Defacer; die Monographien von Frescura/Nethersole und Goldblatt verwenden dagegen den Begriff BONC.


Katalogisierung der Kap-Dreiecke

      Als ehemalige britische Kolonie wird das Gebiet Kap der Guten Hoffnung im britischen Stanley Gibbons-Katalog (SG) am umfassendsten behandelt. Wie bei SG üblich, erhält – ausser Farbvarianten – jede sonst irgendwie geänderte Ausgabe eine eigene Nummer; die Kap-Dreiecke erreichen im SG damit 22 Hauptnummern (wobei es die Nummern 15 bis 17 allerdings nicht mehr gibt).
      Ganz anders wird das im deutschen Michel-Katalog gehandhabt, dem gerade einmal sechs Hauptnummern reichen, um alle Ausgaben der Kap-Dreiecke zu erfassen. Die Drucke von Perkins Bacon und De La Rue werden mit römischen Zahlen (I und II), die Papiervarianten mit Grossbuchstaben vom Ende des Alphabets (w, x, y) unterschieden – bei SG reicht das jeweils für eine eigene Nummer.

      Selbst die im Michel lediglich in einer Fussnote erwähnten privaten Durchstiche haben bei SG eigene Nummern, und der im Michel mit römischer „I“ geführte seltene Probedruck mit der Wasserzeichen-Variante Krone CC statt Anker rundet bei SG mit der letzten Hauptnummer, eben der 22, die Ausgaben der cape triangles ab.

      Im deutschsprachigen Raum werden gelegentlich die Michel-Nummern verwendet, der Rest der Welt sammelt Kap-Dreiecke allerdings nach Stanley Gibbons.


Kap-Dreiecke sammeln

      Auf der Seite über Literatur zu den Kap-Dreiecken zeige ich Ihnen die Auktionskataloge zu zwei grossen Sammlungen. Die Fülle des in diesen beiden Sammlungen gezeigten Materials ist überwältigend. Grosse und grösste Raritäten werden in hervorragender Abbildungsqualität gezeigt, und als „durchschnittlicher“ Sammler kann man von solchen Kollektionen leicht entmutigt werden – das bringe ich doch sowieso nie zusammen!

      Spass machen die Kap-Dreiecke aber auch, wenn man keine tief fünstelligen Beträge anlegen kann.

      Wenn Sie sich beim Aufbau einer Sammlung zunächst auf die „Standard“-Ausgaben, also die Drucke von Perkins Bacon & Co. und De La Rue, beschränken und auf die woodblocks (s. o.), grössere Einheiten und Briefe verzichten, und wenn Sie ausserdem die Jagd nach den Farbvarianten zunächst einmal auf die häufigsten Typen beschränken, lässt sich mit vertretbarem Aufwand schon eine schöne Grundstock-Sammlung zusammen stellen.
      Bei fast allen Werten sind die ungebrauchten Marken wesentlich teurer als gestempelte Exemplare, Nankivell schrieb vor rund 100 Jahren „Fortunately for the young collector, used copies of several of these grand old stamps may still be had for a few shillings; unused copies are gone beyond the reach of all but the wealthy“.
      (Zum Glück für den beginnenden Sammler sind gebrauchte Exemplare von einigen dieser grossartigen alten Marken immer noch für ein paar Shilling zu haben, ungebrauchte Stücke liegen nur noch für die Reichen im Bereich des Möglichen.)
      Die Preise schwanken nach Michel zwischen ca. € 50,– (4 Pence 1853 auf weissem Papier) und € 200 000,– (Farbfehldruck der woodblocks). Bei Auktionen kann man also durchaus mit etwas Glück für wenig Geld eine der schönsten klassischen Marken finden.

MiNr. 2I

      Wie bei allen klassischen Ausgaben bestimmt die Qualität den Preis. Für dieses schmalrandige Stück (immerhin sind alle drei Ränder sichtbar – ein wichtiges Kriterium bei den Kap-Dreiecken) im Zustand feinst habe ich gerade einmal € 25,– bezahlt. Einzelne Werte der Kap-Dreiecke liegen damit eher in der Reichweite eines „normalen“ Sammlers als z. B. die Cantonals der Schweiz.


Literatur:


Links zu den Kap-Dreiecken:


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Copyright © 2005–2007 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 30. Oktober 2005, letzte Bearbeitung am 2. September 2007.


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