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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Kap der Guten Hoffnung

Die „Kap-Dreiecke“ – Die Drucke von Perkins Bacon & Co.

Motiv und Form der Marke

      Die von Charles Davidson Bell (damals Surveyor General, Generalgouverneur, der Kap-Kolonie) entworfene und von W. Humphrys gestochene Marke zeigt die allegorische Figur der Hope. Glaube, Hoffnung und Liebe sind die drei christlichen Tugenden, und die Hoffnung wurde häufig mit dem Symbol eines Ankers dargestellt. Nicht nur die Hope, auch der Anker hat am Kap der Guten Hoffnung eine lange heraldische Tradition.

      Die Stamp Commission hatte 1852 angeregt, für die Marken die Dreiecksform zu verwenden, damit die mehrheitlich des Lesens nicht kundigen Postarbeiter wegen dieser speziellen Form auf den ersten Blick die ankommende von der abgehenden Post unterscheiden konnten.


Die Ausgabe von 1853

      Der Auftrag für den Druck der ersten Kap-Marken ging an die Londoner Firma Perkins Bacon & Co. (PB), damals eine der besten Adressen in diesem Gewerbe: PB hatte 1840 schon die erste Briefmarke der Welt, die Penny Black, gedruckt. (1)

      Am 1. September 1853 erschienen die ersten, im Stichtiefdruck (recess print) auf bläulichem Papier hergestellten Marken zu 1 Penny (rot) und 4 Pence (blau). Es gibt zwei verschiedene Tönungen dieses Papiers, ein kräftigeres und ein blasseres Blau.
      Die Blautönungen des Papiers kamen übrigens durch chemische Reaktionen mit der zum Druck verwendeten Farbe zustande; man kennt dieses Phänomen auch von frühen Ausgaben des Mutterlandes.

      Der 1-Penny-Wert war für Zeitungen bestimmt, 4 Pence war die Portostufe für Briefe pro angefangene halbe Unze. Beide Marken waren ausschliesslich für die Verwendung im Inland bestimmt.

      Das Wasserzeichen aller Kap-Dreiecke (mit Ausnahme der woodblocks, die kein Wasserzeichen haben, und des Probedrucks SG 22/MiNr. I) ist ein Anker, der senkrecht und waagerecht stehend vorkommt. Alle Kap-Dreiecke waren bis zum 1. Oktober 1900 frankaturgültig – immerhin 47 Jahre lang!

Anordnung der Kap-Dreiecke im Bogen bei Perkins Bacon und De La Rue

      Die Marken wurden in Bögen zu 240 Stück gedruckt, die in 15 Reihen zu je 16 Marken (in 8 Quadraten) angeordnet waren (Abb. links).
      Diese Bogenanordnung finden wir auch bei den Drucken von De La Rue, während die Ausgabe von Solomon & Co. in Bögen mit 4 Reihen zu je 16 Marken (8 Quadraten) gedruckt wurden.

Ungewöhnlich geschnittener Viererstreifen der Kap-Dreiecke

      Auch solche Streifen gibt es; ein Stück in dieser ungewöhnlichen Anordnung wurde im Mai 2005 bei → Feldman in Zürich versteigert.

Stellung der Kap-Dreiecke im Bogen

      Im Bogen waren die Marken so angeordnet, dass sich Cape of Good Hope, Postage und die Wertstufe von zwei benachbarten Marken immer direkt gegenüberstanden. Es gibt eine Ausnahme bei den woodblocks: Ein einziges gestempeltes Paar (SG 14 f) ist bekannt, bei dem Postage an Four Pence grenzt.

      Nankivell gibt als Auflage dieser ersten Ausgabe an:

1 Penny: 1 970 000 Stück
4 Pence: 440 000 Stück

Die Ausgabe von 1855/58

      Die Werte zu 1 Penny und 4 Pence wurden in den folgenden Jahren auf hellerem, nicht mehr bläulichem, Papier gedruckt. 1855 erschien die 4 Pence auf weissem Papier. 1857 wurde die 1-Penny-Marke auf weissem (Michel) bzw. cremefarbenem (SG) Papier gedruckt; ein markanter Farbton der 1 Penny, die Variante in rosa, kam 1858 heraus.

      Am 18. 2. 1858 wurde die Serie um 2 Wertstufen ergänzt: Neu gab es jetzt eine 6-Pence-Marke in lila, die sowohl auf leicht bläulichem wie auf weissem Papier gedruckt wurde, und einen 1-Shilling-Wert (= 12 Pence) in gelbgrün (es gibt eine wesentlich teurere Variante in dunkelgrün), der nur auf weissem Papier vorkommt. 6 Pence war der Tarif pro halbe Unze für Briefe nach Grossbritannien, 1 Shilling die entsprechende Portostufe für Auslandsbriefe (das Mutterland der Kap-Kolonie zählte nicht als „Ausland“).

      Für diese Ausgabe nennt Nankivell folgende Auflagen:

1 Penny: 3 880 000 Stück
4 Pence: 6 470 000 Stück
6 Pence: 920 000 Stück
1 Shilling: 380 160 Stück

      Eine oft nicht beachtete Besonderheit gibt es bei allen Ausgaben der Kap-Dreiecke von Perkins Bacon und De La Rue: Von allen vier Wertstufen existieren zwei unterschiedliche Prägestempel, in der englischen Literatur als Die A und Die B bezeichnet.

      Kataloge differenzieren nicht zwischen diesen beiden Typen, da es in der Preisnotierung keinen Unterschied gibt, und auch in Händlerangeboten finden Sie fast nie den Vermerk, welchem Typ die Marke zuzuordnen ist. Die Unterschiede im Markenbild sind, wie es in der Werbung einer deutschen Weinbrand-Marke immer so schön hiess, „nicht riesig, aber fein“; Sie finden eine detaillierte Darstellung auf einer eigenen Seite.


Fussnoten:

  1. Zur Zeit der Penny Black, 1840, hiess die Firma allerdings noch Perkins, Bacon & Petch, erst 1852 (nach einer → anderen Quelle erst 1887) erfolgte die Namensänderung in Perkins Bacon & Co.

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Literatur:


Copyright © 2005 – 2013 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 30. Oktober 2005, letzte Bearbeitung am 11. Januar 2013.


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