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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Frankreich

Einführung in die Altbriefkunde: Geschichte • Kalender • Währung • Ortsnamen

Geschichte

      Schauen wir statt auf die Postgeschichte auf die Geschichte Frankreichs, stellen wir sehr schnell fest, dass hier eine gründliche Einarbeitung nötig ist, wenn wir unsere Briefe im historischen Kontext verstehen wollen. (Dass eine gewisse Kenntnis der französischen Geschichte generell nützlich sein kann, habe ich bereits festgestellt, als ich im Alter von etwa zwölf Jahren Dumas’ Graf von Monte Christo zum ersten Mal gelesen habe: Wer nicht weiss, was sich 1815 ereignete, wird kaum verstehen, warum Edmond Dantès überhaupt im Château d’If gelandet ist. Damals gab es noch keine Wikipedia, aber ich hatte zum Glück einen in europäischer Geschichte sehr bewanderten Vater und für weitergehende Recherchen noch den Brockhaus im Regal.) Dass Sie einen Brief in Ihrer Sammlung haben, der nicht im November, sondern im Brumaire eines Jahres geschrieben wurde, und dass dieser Brief nicht an Monsieur XYZ, sondern an Citoyen XYZ adressiert ist, lässt sich noch leicht nachvollziehen – da war doch mal diese Revolution …
      Wenn Sie aber einen französischen Armeepost-Brief finden, der von einer 1823 in Spanien stationierten Einheit stammt, sind Sie ja vielleicht doch etwas ratlos, wenn Sie die Frage beantworten wollen, was bitte die dort damals eigentlich gemacht hat. (Die Antwort finden Sie → hier.) Also: Neben der postgeschichtlichen Literatur gehört eine gute Übersicht zur französischen Geschichte in die Bibliothek!


 

Kalender

      Die Zeit unmittelbar nach der französischen Revolution brachte unter anderem eine Kalenderreform, die eine Abkehr vom gregorianischen Kalender bedeutete: Zwischen Ende November 1793 und 1806 wurde das Jahr in 12 Monate zu je dreissig Tagen eingeteilt; die 7-Tage-Woche machte der Einteilung in Dekaden Platz. (Gleichzeitig wurde auch die Zeitrechnung auf ein „modernes“ dezimales System umgestellt). Dieser „Revolutionskalender“ ist recht komplex, und Sie finden ihn an anderer Stelle im Netz detailliert erklärt (s. „Links“ unten auf dieser Seite), so dass ich mir hier eine ausführliche Darstellung sparen kann.


 

Währung

      Auch hier können wir Alexandre Dumas als gut bekanntes Beispiel nehmen: In seinen Romanen bedienen sich die Akteure verschiedenster Münzen; da ist von Louis d’Or, Pistolen, Sous und Livres die Rede. Der Leser im 21. Jahrhundert wird meist darüber hinweglesen („na ja, das war eben damals irgendeine Währungseinheit“), der postgeschichtlich Interessierte wird das etwas genauer wissen wollen. Schauen wir uns ein Beispiel an:

Brief von Lille nach Antwerpen, 1679 Brief von Lille nach Antwerpen, 1679
Kaufmannsbrief von Lille nach Antwerpen, 1679. Taxvermerk „d8“.

      Acht denier war die Taxe für diesen Brief – eine Einheit, die Sie vielleicht eher von Damenstrümpfen als Mass für die Gewebedichte kennen. Der Ursprung des denier ist sehr alt: Der altrömische Denar stand hier Pate. Er ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass der Penny im alten englischen (nicht-dezimalen) Währungssystem mit „d“ abgekürzt wurde. Die Zuordnung ist einfach, wenn Sie das von Karl dem Grossen eingeführte System 1 – 12 – 20 und die übergeordneten Einheiten (sou, früher sol vom lateinischen solidus, und livre) kennen:

Währungsreform Karls des Grossen

      Auch nach der mit der französischen Revolution eingeführten Umstellung auf ein dezimales Währungssystem blieb die Einheit „Sou“ umgangssprachlich für 5 Centimes geläufig und findet sich im zeitgenössischen Französisch noch in umgangssprachlichen Redewendungen („propre comme un sou neuf“ [wie aus dem Ei gepellt], „le grippe-sou“ [der Pfennigfuchser]).

      Die nächsten übergeordneten Einheiten oberhalb des livre waren der Écu zu 3 livres (60 sous), der im Wert dem Reichstaler entsprach, und der 1640 eingeführte Louis d’Or, eine Goldmünze im Wert der spanischen Dublone (auch Pistole). Der Goldgehalt variierte erheblich; Details dazu finden Sie in der numismatischen Literatur.


 

Ortsnamen

      Eine weitere Folge der französischen Revolution war neben Kalender- und Währungsreform eine Änderung zahlreicher Ortsnamen.
      Um revolutionäres Bewusstsein zu demonstrieren, wurden Orte, deren Namen Bezüge auf den Adel oder auf religiöse Begriffe enthielt, umbenannt. Da wurde etwa aus Bourg-la-Reine ein demokratisches Bourg-l’Égalité und aus Saint-Germain-en-Laye ein säkularisiertes Montagne-du-Bon-Air.

Ortsname der Revolution
Ein typischer Brief aus der Revolutionszeit (1793):
Auch der Président du Directoire Executif war nur ein „Citoyen“, keine Exzellenz, und der Aufgabeort La Roche-Sauveur hiess vor der Revolution La Roche-Bernard. (Das Département Morbihan, zu dem der Ort gehört, trug damals die Nummer 54, heute 56.)

      War ein Ort damit nicht einverstanden, wurde er vom Revolutionsrat „zwangsbeglückt“; Marseille etwa, obwohl Ursprung der Marsellaise, wollte gern Marseille bleiben und wurde für diese Darstellung mangelnder revolutionärer Begeisterung mit der Umbenennung in Ville-sans-Nom (Stadt ohne Namen) bestraft. Die meisten dieser Umbenennungen wurden bereits sehr kurz nach der Gründung des ersten Kaiserreichs rückgängig gemacht.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 2. September 2013, letzte Bearbeitung am 2. September 2013.


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