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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Frankreich

Neudrucke klassischer Ausgaben

MiNr. 4ND
Neudruck YT 4d

1851 – problemlose Präsentation

      Als 1851 in London eine internationale Briefmarkenausstellung stattfand, beteiligte sich Frankreich mit Bögen der ersten Ausgabe. Das war nicht schwierig, schliesslich handelte es sich um postgültige Marken der aktuellen Werte. Wahrscheinlich waren sie nicht gummiert, aber ansonsten mit den im Alltag verwendeten Marken identisch. Hofinger schreibt dazu „Die Austellungsdrucke für die Londoner Ausstellung 1851 liegen völlig im Rahmen der bedarfsmässigen Ausgabe, sie sind nur besonders sorgfältig auf sehr gutes Papier gedruckt, aber keinesfalls zu den Neudrucken zu zählen, wie dies fälschlicherweise manchmal geschieht.“

 

1862 – peinliche Defizite

      Etwas anders stellte sich die Situation dar, als der inzwischen weltberühmte Sir Rowland Hill 1862 bei der französischen Postverwaltung um Übersendung französischer Marken für eine internationale Sammlung bat, die er aufbaute. Die Administration des Postes konnte diesen Wunsch nicht ohne Weiteres erfüllen, da man keine Belegstücke der ersten Ausgabe aufbewahrt hatte.
      Die Lösung war naheliegend: Da man die Druckstöcke dieser ersten Ausgabe noch hatte, wurden Neudrucke dieser Marken hergestellt.

      Soweit die Kurzfassung der Geschichte dieser Neudrucke. Die entscheidenden Informationen dabei sind: Es wurden die Originalplatten verwendet, so dass man einen echten Neudruck, nicht einen Nachdruck, herstellen konnte, und es waren noch nicht einmal 15 Jahre seit Ausgabe der Originale vergangen, was bedeutet, dass sich die Druckstöcke noch in sehr gutem Zustand befanden.

 

Der Unterschied zwischen Urdrucken (1849) und Neudrucken (1862)

      Beim 2. Lübecker Neudruck von 1859 haben wir gesehen, dass Druckstöcke, die man nach achtzig Jahren aus dem Archiv holt, eine Reinigung erfordern, wobei sich manchmal auch (in Lübeck allerdings absichtlich) kleine Änderungen im Markenbild ergeben. Dieses Kriterium haben wir bei den französischen Neudrucken nicht. Bei den württembergischen Neudrucken hatte man das „richtige“ Druckmaterial, aber das originale Papier stand nicht mehr zur Verfügung. Das Papier hilft uns auch bei Frankreich: 1862 druckte man auf dem zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Papier der Ausgabe Empire Dentelé, und so kommen wir – nach Michel – endlich weiter: Dort heisst es zu den Neudrucken der ersten Ceres-Ausgabe „weißes Papier, glatter, gelblichweißer Gummi (bei den Originalen gelblich und brüchig)“. Der Yvert Spécialisé hält sich zu diesem Thema bedeckt; dort finden wir die Bemerkung „Les réimpressions sont assez difficiles à différencier des timbres originaux; les variations de dimensions parfois données comme différentes ne sont pas un moyen probant.“ (Die Neudrucke sind ziemlich schwierig von den Originalen zu unterscheiden; die manchmal genannten Grössenunterschiede sind kein brauchbares Kriterium.) Die Angabe, was ein halbwegs verlässliches Unterscheidungsmerkmal ist, bleibt der Yvert allerdings schuldig.

      Ohrt führt ebenfalls den bei den Neudrucken glatten und weissen Gummi auf, der sich markant vom gelblichen, brüchigen Gummi der Originale unterscheidet. Da die Neudrucke frankaturgültig waren, ist dieses Kriterium bei postalisch verwendeten Neudrucken nicht anwendbar; in diesem Fall bleiben die Farben (und damit der fast unverzichtbare Vergleich mit einem Original). Ohrt schreibt dazu:
      „Die ältesten französischen Neudrucke sind im allgemeinen schwer zu erkennen, nämlich fast nur an der Nuance, welche den zur Zeit des Neudrucks (1862) gebräuchlichen Postwertzeichen entsprach und meistens lebhafter bezw. heller als die als die alten Originale der neugedruckten Marken war …“.
      Die Farben werden dann im Detail bei den einzelnen Wertstufen beschrieben, bei der Ceres zu 10 Centimes von 1849 heisst es etwa „zu hell: lehmfarben (Original olivbraun)“, bei der 15-Centimes-Marke „grasgrün (Original sattes tiefgrün)“.

      In seiner Monographie nennt Hofinger ebenfalls den Gummi und schreibt „Die Farben sind die gleichen wie bei der laufenden Serie“. Es gibt bei den einzelnen Wertstufen noch detaillierte Angaben; beim 15-Centimes-Wert z. B. „Er ist besonders leicht an den hellen Gesichtspartien und den Eckmustern um das Medaillon zu erkennen“. Hofinger nennt auch immer wieder die diskreten Grössenunterschiede, die durch unterschiedliche Papierschrumpfung im Vergleich zu den Originalen bedingt seien, die bei Yvert aber (s. o.) als nicht brauchbare Merkmale eingestuft werden.

      Auch bei Schloss findet man als Kriterien die klareren Farben, das weniger stark getönte Papier (vgl. Michel) und den feineren, weissen Gummi. Schloss gibt ebenfalls Grössenunterschiede zu den Originalen an, was wir heute wohl vernachlässigen dürfen.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 2. September 2013, letzte Bearbeitung am 2. September 2013.


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