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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Grossbritannien

„Jumbled-letters“-Stempel

      Ich war ein wenig irritiert, als ich diesen Brief im Angebot eines britischen auf Postgeschichte spezialisierten Händlers entdeckte:

      Die Beschreibung lautete
„1737 Entire from London to Venice showing manuscript charge obliterated by London SMALL JUMBLED LETTERS IN CIRCLE, L. 1079b. This is done to obscure the rate from Foreign Postmasters. ‚Fo To‘ Franco Tutto ‚Paid in Full‘.“
      „Jumbled letters“? Der Stempel zeigt in der Tat ein Gewirr von Buchstaben. Aber: Welcher Katalog ist „L.“? Und überhaupt: „Obscure the rate from foreign postmasters“ – warum?

      Nach einem regen E-Mail-Austausch mit dem Händler (merci, Martin Townsend!) kamen sowohl dieser Brief wie zwei neue Bücher zu mir, und jetzt sehe ich etwas klarer. „L.“ bezeichnet nicht einen Katalog, sondern die Nummer des Stempels bei Jay. Dort wird aus dem General Survey of the Post Office von 1682 zitiert, und in diesem mehr als 300 Jahre alten Werk (das dank der Postal History Society heute allen Postgeschichtlern zur Verfügung steht) findet man die Hintergründe zu diesem, heute würde man sagen, Killer-Stempel.

      Bei Gardiner heisst es im Kapitel „How the Forrain Office is or ought to bee managed for the advantage of it“ (S. 32)
„The like method ought to be observ’d in receiving money here for the franque letters sent outwards, which are all past unto the Forrain Postmasters, under the heads of single, double, and ounces; so that if a treble letter doth weigh but ¾ of an ounce, it ought to passe unto them for a double letter only; although the sender from hence shall have paid the port of a treble one. For this end there is a stamp constantly applied to the part of the letter where the port is exprest to have been paid, to obscure the notice from the Forrain Postmasters abroad.“

      Im Klartext: Wir kassieren zwar den vollen Tarif von unseren Bürgern, aber das müssen die „Forrainers“ ja nicht wissen. Denen erzählen wir, der Tarif sei geringer gewesen, und um damit durchzukommen, machen wir den Gebührenvermerk unleserlich.
      Nicht die gerne zitierte „feine englische Art“ …


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 6. Oktober 2021, letzte Bearbeitung am 6. Oktober 2021.


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