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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Grossbritannien

Kurze Geschichte der Penny Black

Penny Black B–J Platte 5
 
Penny Black, B–J, Platte 5, 26. 4. 1841

Das Portrait der Königin


(Abb.: Titel des Buchs von Muir)

      Die im Rahmen des Wettbewerbs im Herbst 1839 eingereichten Entwürfe für die Labels, wie die Marken zunächst genannt wurden, fanden alle nicht die Zustimmung der Jury. Das Portrait der Königin, das schliesslich als Markenbild gewählt wurde, stammt von einer Medaille (s. Abb links), die William Wyon, „engraver to the Mint“, aus Anlass des ersten Besuchs von Queen Victoria als Regentin in der City of London am 9. November 1837, dem Lord Mayor’s Day, graviert hatte. Der Künstler Henry Corbould erstellte danach eine Zeichnung, die von Charles Heath (1) auf den Urstempel graviert wurde.

 

Der Druck

      Nach der Fertigstellung ging der Urstempel an die Firma Perkins, Bacon and Petch, die sich mit diesem Druck der ersten britischen Briefmarken für mehr als zwanzig Jahre als Lieferant sämtlicher Postwertzeichen des Empire etablierte. (Warum sie wegen einer Dummheit des Firmenchefs diesen Status 1861 verlor, ist bei den Ausgaben des Kaps der Guten Hoffnung im Detail beschrieben.)

 

Markenbild und Gebrauchsanweisung auf dem Bogen

      Perkins, Bacon and Petch brachten den Urstempel zunächst in die Endfassung für den Druck (s. Abb. links): Postage und One Penny wurden eingefügt und die vier Eckfelder freigemacht: Oben wurde eine Art Kreuzblume (cross pâté in der englischen Literatur) eingefügt (2), in die unteren Eckfelder kamen die Kennbuchstaben (s. dazu auch „Plattieren – Die Kunst der Bogenrekonstruktion“). Deren Sinn lag im erhöhtem Schutz vor Fälschungen: Man ging davon aus, dass ein Fälscher sich nicht die Mühe machen würde, Versionen mit verschiedenen Buchstaben herzustellen. Sollten also plötzlich in einem bestimmten Bezirk überproportional viele Marken mit beispielsweise E–G auftauchen, wäre das ein Hinweis darauf, dass in dieser Region eventuell ein Fälscher am Werk sein könnte.

      Das Papier mit dem Kronen-Wasserzeichen – eine weitere Sicherheitsmassnahme – wurde bei PB auch gummiert. Die Firma war darüber anfänglich nicht glücklich; obwohl diese Arbeit zusätzlich bezahlt wurde, war es nicht das Kerngeschäft einer Druckerei.
      Dieser Klebstoff auf der Basis von Kartoffelstärke sorgte noch für einige Unruhe: Obwohl man einen entsprechenden Hinweis von Anfang an auf die Bögen aufgedruckt hatte (s. u.), leckten manche Postkunden die Marken so energisch ab, dass die gesamte Klebemasse dabei an der Zunge des Briefschreibers verblieb. Erst gegen Ende der 1850er Jahre ging man dieses Problem an: Die Marken wurden doppelt gummiert, wobei die zweite Lage erst nach komplettem Trocknen der ersten aufgebracht wurde.

      Ein Bogen der Penny Black enthielt 240 Marken in zwanzig Reihen zu je 12 Spalten. Die grosse Zahl erklärt sich aus der englischen Währung: Das uns völlig logisch erscheinende Dezimalsystem – ein Pfund zu 100 Pence – wurde erst 1971 eingeführt, bis dahin galt das letztlich auf die Münzreform von Karl dem Grossen zurückgehende System ein Pfund = 20 Schilling zu je 12 Pence. (Siehe dazu auch die Einführung zu französischen Altbriefen.) Eine Reihe Penny Black mit 12 Marken kostete also einen Schilling, der komplette Bogen mit 240 Marken genau ein Pfund.

      Damit die Postkunden wussten, wie mit den neuartigen Marken umzugehen war, wurde auf jeden Bogen auf alle vier Ränder eine kurze „Gebrauchsanweisung“ gedruckt. Es hiess dort (zitiert nach Nissen)

Price 1d Per Label. 1s/- Per Row of 12. £1—,,—,, Per Sheet.
Place the Labels ABOVE the Address and towards the RIGHT HAND SIDE of the Letter.
In Wetting the back be careful not to remove the Cement.

      Die neuen Briefmarken (wir wollen die Two Pence Blue nicht vergessen) wurden ab 1. Mai 1840 verkauft und wurden ab 6. Mai offiziell verwendet. Frühverwendungen am 2. Mai sind bekannt, aber „offizieller“ Ersttag ist der 6. Diese ersten FDC der Philatelie sind heute rar und entsprechend sehr teuer:

Penny Black: FDC 6. Mai 1840
 
Ersttagsbrief der Penny Black: „MY 6 1840“
(Abb.: → Auktionshaus Gärtner, Los-Nr. 9225 der 22. Auktion, 8.–12. Mai 2012, Ausruf € 100 000,–)

 

Von der Penny Black zur Penny Red

      Der neue Einheitstarif von einem Penny brachte eine enorme Zunahme des Briefaufkommens, aber natürlich gab es einige Leute, denen auch das noch zu viel war: Warum einen Penny bezahlen, wenn es auch umsonst geht? Die rote Stempelfarbe – zu deren Herstellung es ein offizielles „Rezept“ vom 25. April 1840 gab, das allen Postämtern zugestellt wurde – wurde mit verschiedensten Methoden entfernt; beliebt war etwa, die Marke mit Fischleim anzustreichen, so dass der Stempel problemlos abgewaschen und die Marke erneut verwendet werden konnte.

      Solche Betrügereien erreichten ein derartiges Ausmass, dass man von Mai 1840 bis zum Jahresende umfangreiche Versuche mit verschiedenen Stempel- und Markenfarben anstellte. Dazu wurden Dreierstreifen oder Zwölferblöcke von Marken hergestellt, die ausschliesslich für solche Experimente verwendet wurden; bei diesen Testmarken fehlte die rechte obere Ecke, und sie wurden in allen möglichen Farben hergestellt, weshalb sie heute in der Philatelie unter dem Begriff Rainbow Trials (Regenbogen-Versuchsdrucke) bekannt sind. (Das Buch von Rowse zeigt auf dem Titel einen Zwölferblock blauer One-Penny-Marken.)
      Letztlich blieb nur Schwarz als verlässlich brauchbare Stempelfarbe, aber ein schwarzer Stempel auf einer schwarzen Marke ist nun einmal nicht gut erkennbar, und gerade bei nur schwachem Abschlag bestand auch dabei die Gefahr, dass die Marke zum Schaden der Post erneut verwendet wurde.

      Das Post Office sah nur eine, relativ radikale Lösung dieses Problems: Nach nur rund 9 Monaten war das Ende der Penny Black gekommen; sie wurde durch eine von denselben Platten gedruckte Marke in Rot ersetzt, auf der schwarze Stempel perfekt erkennbar waren; diese Penny Red kam am 10. Februar 1841 an die Schalter.
      Ein langes Leben war der ersten Briefmarke der Welt also nicht beschieden, aber auch nicht einmal ein Jahr reichte, um sie zu einer Legende in der Philatelie zu machen!


Fussnoten:

  1. Charles Heath hatte den offiziellen Auftrag bekommen; die Literatur geht allgemein davon aus, dass die Gravur, da ihm nachlassende Sehkraft zu schaffen machte, unter seiner Aufsicht tatsächlich von seinem Sohn Frederick ausgeführt wurde.
  2. Bei den in relativ kleiner Auflage gedruckten Dienstmarken findet man in den oberen Eckfeldern aller Marken im Bogen die Buchstaben V und R (für Victoria Regina).

Literatur:


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Copyright © 2012 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2012, letzte Bearbeitung am 12. Juni 2012.


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