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Klassik erweitert – Grossbritannien ab 1952

Machin Definitives – Die Courvoisier-Drucke von 1997

      Wenn Sie nicht regelmässig Auktionsangebote zeitgenössischer britischer Briefmarken verfolgen, haben Sie die sehr speziellen Machin-Ausgaben, um die es hier geht, wahrscheinlich noch nie gesehen:
      Für den Stanley Gibbons Concise Catalogue sind sie zu speziell, und der SG Decimal Definitive Issues ist zu alt, um sie schon aufzuführen, denn diese 1997 entstandenen Drucke wurden der Öffentlichkeit erst anlässlich der STAMPEX im Frühjahr 2017 bekannt. Eine SG-Katalognummer haben sie daher noch nicht. Auch der Michel Grossbritannien-Spezialkatalog (Redaktionsschluss September 2016) kennt diese Marken noch nicht.

      Der einzige Katalog, in dem Sie diese Marken derzeit (November 2021) finden, ist Burgess’ Complete Machin Stamp Catalogue. Sie sind dort als „Undenominated Swiss Trial (1997)“ mit „ST“-Nummern (Swiss Trial) aufgeführt. Nach Burgess sollen sie in die nächste Auflage des SG Special Vol. 4 Part 2 aufgenommen werden.

      In der → Gärtner-Auktion im Oktober 2021 kamen vier Lose zur Versteigerung, in denen diese Marken angeboten wurden – verkauft wurde allerdings nur eines davon (raten Sie einmal, an wen …).
      Das ist erstaunlich, denn bei dem ersten mir bekannten Verkauf dieser Stücke (drei verschiedene Bögen in einem Los zusammengefasst, entsprechend den Gärtner-Losen 4327 und 4328 [Abb. links; grosses Bild] zu je € 1500,– Ausrufpreis) bei der Kelleher-Auktion im Oktober 2017 erzielte dieses Los einen Zuschlagpreis (ohne Aufgeld) von US$ 12 500,–. Den bei Burgess genannten Marktpreis („A set of these will typically sell for £150–£200“) halte ich für etwas sehr optimistisch.

      Was macht nun diese Markenbögen so besonders, ja einzigartig? Werfen wir einen Blick auf die Druck-Geschichte der Machins: Sie finden in den frühen Neunzigern in den Katalogen Offsetdruck, meist von Walsall und House of Questa. Mitte der Neunziger wurde beschlossen, die Marken zukünftig im Rastertiefdruck herzustellen. Damit war Questa „aus dem Rennen“, denn die Firma verfügte nicht über Rastertiefdruck-Kapazitäten. Da man aber gerne weiterhin bei entsprechenden Ausschreibungen der Post dabei sein wollte, suchte man professionelle Beratung und Unterstützung. Courvoisier in der Schweiz, die damals wohl beste Firma im Bereich des Rastertiefdrucks, erklärte sich dazu bereit, und so wurden – natürlich mit Einverständnis der Post – diese Bögen, teilweise in Anwesenheit von Questa-Mitarbeitern, bei Courvoisier gedruckt. (Diese Information stammt aus dem Kelleher-Auktionskatalog, in dem Sie auch weitere Details finden.)

      Es gab drei solcher Drucke, jeweils gummiert und gezähnt, aber ohne Werteindruck: dunkelgrün (wie bei der 2p.-Marke verwendet), hellgrau (wie bei 29p.) und feuerrot (wie bei der 1st-class-Marke). Die Echtheit dieser Bögen wurde von der Royal Philatelic Society London attestiert.

Links:
Ein kompletter Bogen im Feuerrot der 1st-class-Marke, jedoch ohne Werteindruck.
 
Unten:
Inschrift am Bogenrand:
printed by helio courvoisier s.a. la chaux-de-fonds switzerland

      Diese oben exemplarisch gezeigten und bei Kelleher im Detail beschriebenen Bögen waren jeweils komplette 100er-Bögen (10x10).

 

Probedrucke, die ich nicht einordnen kann

      Bei Gärtner gab es in derselben Auktion (s. Bild oben) auch drei Bögen zu je 100 Marken, welche die untere Hälfte eines 200er-Druckbogens (also 10x5 x2 mit Zwischensteg) darstellten. Diese Stücke, wie die oben gezeigten Bögen in Grau, Grün und Rot sind in der bei Kelleher aufgeführten Historie der Courvoisier-Marken nicht erwähnt, und ich finde sie in keinem Katalog, also auch nicht bei Burgess.

      Die Beschreibung bei Gärtner lautete „1997, imperforate proof in issued design on gummed paper, grey, without value, part of sheet with 100 (50+50) stamps divided by 5 horizontal gutters (folded). The 50 stamps on the left side with shaded bust, the other 50 stamps on the right side with unshaded bust ‚White Queen‘. VERY FINE CONDITION. EXTREMELY RARE AND ATTRACTIVE!“. Es gibt keine Inschrift am Bogenrand.

Oben: Untere Hälfte eines 200er-Druckbogens.
Unten: Ausschnittvergrösserung. Beachten Sie die Darstellung der Königin.

 

      Die Firma → Auction Galleries Hamburg bot in ihrer November-Auktion 2021 zwei waagerechte Paare aus diesen Bögen an, die ich beide im Nachverkauf günstig erwerben konnte. Offenbar sind diese Stücke also (im Moment noch) nicht sehr populär bei Sammlern, und man beginnt im Handel, diese schönen Zwischensteg-Bögen zu zerteilen.
      Die Beschreibung war fast identisch zu derjenigen bei Gärtner, hier für das Paar in Grau: „1997, imperforate proof in issued design without value on gummed paper, horiz. pair in grey shade but without colour of head (‚White Queen‘). EXTREMELY RARE AND ATTRACTIVE!“ Ich bin sehr gespannt, ob diese Drucke auch, wie die oben gezeigten Bögen, im nächsten Stanley Gibbons auftauchen werden.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 22. November 2021, letzte Bearbeitung am 22. November 2021.


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