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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Griechenland – Hermesköpfe

Einleitung

Griechenland
Griechenland
(Quelle: Lückes Atlas der Briefmarkengeographie, Leipzig 1920)

Kalender und Währung in Griechenland zur Zeit der Hermesköpfe

      Einen entsprechenden Hinweis gab es lange Zeit nur im Kohl-Handbuch. Im Michel ist diese Information erst im 2007 erschienenen Europa-Klassik-Katalog aufgenommen worden.

      Griechenland übernahm erst 1923 den gregorianischen Kalender. Die Differenz zum bis dahin gültigen julianischen Kalender betrug zum Zeitpunkt der Umstellung 13 Tage; auf Mittwoch, den 15. Februar 1923 folgte Donnerstag, der 1. März.
      Im 19. Jahrhundert hatte der Unterschied zwischen den beiden Kalendern noch 12 Tage betragen. Wir müssen also für eine nach unserem heutigen Verständnis korrekte Datierung (Stempel, offizielle Erlasse) in der uns interessierenden Ära immer 12 Tage addieren, um das gregorianische Datum zu erhalten.
      Aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichte ich auf diese Korrektur und gebe Daten so an, wie sie vorliegen. Wenn ich also beispielsweise als erstes Ausgabedatum der kleinen Hermesköpfe den 1. April 1886 nenne, war dies das in Griechenland gültige Datum; nach dem gregorianischen Kalender wäre es der 13. April gewesen.

      Die griechische Währung war seit 1832 bis zur Euro-Einführung am 1. 1. 2001 die Drachme (δραχμή) zu 100 Lepta (λεπτά; Singular: Lepton, λεπτόν). Ausgeschrieben in griechischen Grossbuchstaben finden Sie diese Bezeichnungen auf den kleinen Hermesköpfen:

Lepton Lepton Lepta Lepta Drachme Drachme

      Die Inschrift ΕΛΛ ΓΡΑΜΜ steht für ΕΛΛΗΝΙΚΟΝ ΓΡΑΜΜΑΤΟΣΗΜΟΝ (lateinische Transkription: ELL[enikon] GRAMM[atosemon], deutsch griechische Briefmarke).

 


Treppenfrankaturen

      Den Begriff Treppenfrankatur finden Sie im Lexikon von Grallert nicht; bei Häger wird diese besondere Art, Marken auf einen Umschlag zu kleben, nur für die Inflationszeit in Deutschland beschrieben, als die grosse Zahl erforderlicher Marken zu „Platzproblemen“ auf Briefkouverts führte. Auf Belegen oder Briefstücken mit Hermesköpfen sind Treppenfrankaturen aber, auch ohne Platznot, relativ häufig anzutreffen.
      Ich habe (unter Benutzung einer Grafik des → Florida Center for Instructional Technology) eine schöne Hermesmarke in drei Wertstufen kreiert, um Ihnen das Prinzip der Treppenfrankatur zu zeigen:

Normale Anordnung verschiedener Marken auf einem Brief Normale Anordnung von Marken auf einem Beleg
Üblicherweise werden bei einer Mehrfachfrankatur (Marken verschiedener Wertstufen, also keine Paare, Dreierstreifen o.ä.) die Marken säuberlich getrennt voneinander aufgeklebt.
Treppenfrankatur Treppenfrankatur
Die Marken werden teilweise überlappend geklebt.
Treppenfrankatur
 
Zwei Exemplare der Hellas Nr. 41c als Treppenfrankatur geklebt
(Den ganzen Brief finden Sie auf der Seite
Druck auf gemaschtem Papier 1871 – 1876)

 


Zur Terminologie der grossen Hermesköpfe

Muster für Terminologie

      Bei Behrens gibt es eine Abbildung, die wichtige Elemente der grossen Hermesköpfe zeigt. Da ich die gleiche Terminologie benutze, habe ich eine ähnliche Übersicht mit einer meiner Marken, der links abgebildeten 2 Lepta Hellas Nr. 10II, erstellt:

Hermeskopf-Terminologie
(Das „Eckfeld“ kennen Dänemark-Sammler als „Spandrille“)

 


Systematik und Katalogisierung

      Wenn man sich mit der Literatur zu den Hermesköpfen beschäftigt, bekommt man den Eindruck, dass jeder Autor, der eine Monographie darüber verfasst hat, das Bedürfnis hatte, eine eigene Klassifizierung zu entwickeln. So weit müssen wir gar nicht gehen; für den beginnenden Hermeskopf-Sammler stellt sich erst einmal die Frage nach dem Katalog, an dem er sich orientieren soll.

      Konkret heisst das: Wie soll man eine Hermeskopf-Sammlung anlegen? Nach Michel oder Scott? Nach den Hermes- oder Hellas-Länderkatalogen? Was sagen die Verfasser spezialisierter Artikel oder Bücher dazu?
      „There were many more distinct issues or printings of the early Greek stamps with the large Hermes head than the publishers of our standard catalogs have found it practicable to list or describe.“ heisst es bei Spink und Truman.
      (Es gab viel mehr verschiedene Ausgaben oder Drucke der frühen griechischen Marken mit dem grossen Hermeskopf, als die Herausgeber unserer Standardkataloge aufzuführen oder zu beschreiben für zweckmässig halten.)
      „Sie [diese Arbeit] folgt deshalb konsequent der dem Normalsammler geläufigen Michelnumerierung, obgleich diese bei der Einteilung einer Reihe von Marken auf Grund der Verkürzung wenig sinnvoll und teilweise geradezu falsch ist.“ schreibt Behrens.

      Trotz der speziellen Klassifizierung haben sich die Autoren in beiden Fällen dafür entschieden, ihre Erkenntnisse noch in den Rahmen der Standard-Kataloge „einzubauen“: Behrens korreliert seine Klassifizierung mit den Michel-Nummern, Spink und Truman orientieren sich am Scott-Katalog. Super-Spezialisten ignorieren allerdings den „Normalsammler“, wie Behrens ihn nennt: Der Michel-Katalog unterscheidet zum Beispiel vier Varianten des 20-Lepta-Wertes des groben Drucks der 1. Athener Ausgabe von 1861, der Hellas-Katalog kennt fünf – bei Photiadis sind es 21!

      Hatte ich (als Normalsammler) anfangs noch geplant, meine kleine Hermeskopf-Sammlung nach der Michel-Katalogisierung zu ordnen, habe ich mich nach eingehender Beschäftigung mit der Literatur und den Länderkatalogen entschieden, den Hellas-Katalog als Grundlage zu wählen.

Feldman    

      Die meines Wissens aktuellste Hermeskopf-Klassifizierung stammt von Michael Tseriotis; sie wurde erstmals auf dem Berner Symposium über die grossen Hermesköpfe 1991 präsentiert und einer breiteren Öffentlichkeit durch die Auktionskataloge von David Feldman (Beispiel links; mehr dazu bei der Literatur) bekannt. Inzwischen hat sie als Standard Eingang in den Hellas-Katalog gefunden.

      Grundsätzlich muss man bei den Hermesköpfen ein gewisses Mass an Unsicherheit in der Zuordnung einkalkulieren. Im Michel gibt es dazu den schönen Satz „Über die Zuordnung einzelner Marken zu den verschiedenen Ausgaben bestehen unterschiedliche Ansichten.“
      Behrens schreibt zu diesem Thema „Marken, bei denen man in der Bestimmung unsicher ist […], lege man vor der verbindlichen Erwerbung einem oder besser noch mehreren Experten vor. Man wird dabei die Erfahrung machen müssen, daß leider auch unter Experten die Bestimmung einzelner Marken gelegentlich umstritten ist.“
      Ich verwende zur Illustration auf dieser Website nur Marken, die von einem Experten eindeutig einer bestimmten Ausgabe zugeordnet wurden (Attest, Kurzbefund, spezialisierter Händler); die von mir selbst eingeordneten Stücke kann ich Ihnen nicht als Referenz präsentieren. Trotzdem kann ein anderer Experte die Marke durchaus anders einordnen – damit müssen sowohl meine Leser wie ich selbst wohl leben …

 


Links zur Website The Large Hermes Head Stamps of Greece

      Es gibt in dieser Sektion einige Links auf die hervorragende Website The Large Hermes Head Stamps of Greece von Louis Basel. Die Site existiert nach dem Tod von Louis Basel inzwischen nicht mehr; alle Links führen jetzt auf die letzte archivierte Version der Site in der → Wayback Machine.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 31. Dezember 2010, letzte Bearbeitung am 6. Dezember 2015.


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