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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Ohne Auktionen geht es (fast) nicht

      Vom Start dieser Website im Jahr 2005 bis Anfang 2020 gab es hier eine Seite mit dem Titel „Soll man klassische Marken auf Internet-Auktionen kaufen?“.
      Da sich die Struktur des Briefmarkenhandels in diesen eineinhalb Jahrzehnten erheblich verändert hat, habe ich die zwei Seiten zu diesem Thema komplett gestrichen und stattdessen diese kleine Einführung in das Auktionsgeschäft geschrieben.

      Ich bin in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen, in der es bis zu meinem 18. Lebensjahr noch zwei Briefmarkenfachgeschäfte in der Innenstadt gab – heute, ausser vielleicht in London oder New York, nicht mehr vorstellbar.
      Schaut man sich die Händlerliste auf der → Website des SBHV, des Schweizer Briefmarken-Händler-Verbands, an, findet man nur noch wenige Ladengeschäfte, dafür deutlich mehr Auktionsfirmen und Versandhändler. Der Handel in reinen Internet-Auktionshäusern (Delcampe, Ebay, Ricardo) kommt noch dazu; diese sind logischerweise nicht in Händler-Organisationen vertreten.

 

Internet-Auktionshäuser

      Über die Problematik der als Originale oder mit dem (dümmlichen – verfängt aber manchmal trotzdem) Hinweis „Ich bin kein Experte, daher ohne Obligo“ angebotenen Fälschungen/Neudrucke/Nachdrucke vor allem bei Ebay ist schon so viel geschrieben worden, dass ich diesem Thema hier keinen Beitrag mehr widmen muss. Exemplarisch empfehle ich → diese Seite im Diskussionsforum des BDPh.

 

Versandhandel

      Unproblematisch, solange Sie bei einem renommierten Anbieter kaufen. Schauen Sie sich im Internet auf jeden Fall das Impressum an: Finden Sie als „Kontakt“ dort nur ein Postfach oder eine Mobiltelefonnummer aus irgendeinem weit östlich liegenden Land – lassen Sie es! Geiz ist geil, und deshalb können manche Sammler den vermeintlich günstigen, natürlich nur gegen Vorkasse bestellbaren, „Angeboten“ nicht widerstehen. (Selbst in Modellbahn-Foren werden solche Fälle diskutiert.) In diesem Fall gilt leider: Selbst schuld!

      Hier muss ich einen kurzen Absatz aus der Ur-Version dieser Seite von 2005 zitieren:

      Alle diese Probleme sind übrigens keineswegs erst im Internet-Zeitalter aufgetreten; raten Sie doch einmal, wann dieser Text geschrieben wurde:

      „Es kann daher immer wieder nur betont werden: Bei allen Käufen wende man sich nur an solche Bezugsquellen, die volle Gewähr hinsichtlich Beschaffenheit und Echtheit der gelieferten Postwertzeichen zu bieten imstande sind.“

      Eine zeitlos gültige Regel – Sie finden sie in „Gebrüder Senfs Illustriertem Leitfaden der Briefmarkenkunde“ aus dem Jahr 1921!

 

Auktionen

      Wenn Sie ein eher wenig populäres Gebiet sammeln oder Ihre Sammlung einen Umfang an Vollständigkeit und Spezialisierung erreicht hat, bei dem Sie nur noch nach ganz besonderen Stücken suchen, kommen Sie um den Einkauf bei Auktionen nicht herum.
      Manche Sammler haben hier eine Hemmschwelle zu überwinden. Aus vielen Filmen kennt man die Szenen, bei denen ein dezentes Zurechtrücken des Krawattenknotens oder ein Zupfen am Ohr plötzlich zu einem tausend Franken (oder in diesen Filmen eher zehntausend Dollar) höheren Gebot führt. Vergessen Sie solche Geschichten; Sie müssen nicht persönlich vor Ort bei einer solchen sogenannten „Saalauktion“ anwesend sein. Ich biete und kaufe seit mehr als zwanzig Jahren auf Auktionen, aber persönlich anwesend war ich noch nie.
      Gedruckten Katalogen liegen Gebots-Formulare bei, auf denen Sie zu jedem Los Ihr Höchstgebot, dazu einerseits einen Gesamtbetrag, den Sie nicht überschreiten wollen, andererseits aber auch eine äusserste Summe, bis zu der Sie gehen wollen, eintragen können. Damit kommen wir zum ersten Punkt beim Thema Auktionen:

Kataloge / Wo wird was versteigert?

      In Fachzeitschriften finden Sie Anzeigen von Auktionshäusern, oft mit Hinweisen auf besonders attraktive/besondere/seltene Marken und Belege, die in der nächsten Auktion angeboten werden. Den Katalog können Sie dann direkt bei der Firma anfordern.
      Früher habe ich das auch gemacht, aber das Thema hat sich – für mich – erledigt. Ich bin, soviel Persönliches darf ich hier verraten, kein „Grüner“, aber auf gedruckte Kataloge verzichte ich seit Jahren. Auf Hochglanzpapier teuer und aufwändig hergestellte Kataloge, die spätestens nach Ende der Auktion ins Altpapier wandern, sind einfach nicht mehr zeitgemäss. Schon vor fast zehn Jahren habe ich unter dem Titel Online-Auktionskataloge – besser als gedruckte Kataloge? die Vorteile von Internet-Angeboten sowohl für die Auktionshäuser wie für die Kunden dargelegt. Die damals eher als Anhang erwähnte Website → Philasearch ist inzwischen meine Standard-Adresse für Auktionskäufe; die Websites einzelner Auktionshäuser besuche ich fast nie mehr.

      Wie ich schon damals schrieb: Philasearch ist grossartig. Wenn Sie einen Suchbegriff oder eine Katalognummer eingeben oder über die „Gebietssuche“ gehen, bekommen Sie alles angezeigt, was Ihr Suchkriterium erfüllt – und da finden Sie dann Angebote von Auktionshäusern, deren Kataloge Sie sicher niemals angefordert hätten, weil Sie von diesen Firmen noch nie gehört haben.

Wie hoch muss ich bieten?

      Das ist die Kernfrage bei allen Auktionen, auf die es keine allgemeingültige Antwort gibt. Ich kenne einen Sammler, der grundsätzlich nur den Ausrufpreis oder höchstens eine Steigerungsstufe darüber bietet. Dieses Vorgehen ist überraschend häufig erfolgreich, funktioniert aber nicht bei sehr speziellen Stücken.
      Es kann helfen, sich auf der Website des jeweiligen Auktionshauses anhand des Archivs der früheren Auktionen (soweit vorhanden) einen Eindruck vom bei dieser Firma üblichen Verhältnis zwischen Ausruf- und Zuschlagpreis zu verschaffen. Manche Auktionsfirmen setzen die Startpreise extrem niedrig an, so dass Sie, wenn Sie eine realistische Chance auf den Zuschlag haben wollen, ein Mehrfaches dieses Betrages bieten müssen. Bei einem bekannten Auktionshaus ist z. B. nach meinen Erfahrungen ein Gebot unter dem etwa Dreieinhalbfachen des Ausrufs so gut wie sinnlos, bei anderen Firmen haben Sie mit dem 1,5-fachen schon gute Erfolgsaussichten. Wie immer gilt: Sie müssen Ihre eigenen Erfahrungen machen.

Was kostet ein Auktionskauf insgesamt?

      Berücksichtigen Sie bei allen Auktionskäufen neben dem Zuschlag des Auktionshauses (dieser Betrag liegt zwischen 18 und 25 Prozent) noch Losgebühr, Versandkosten (Auktionshäuser versenden grundsätzlich versichert mit Tracking-Nummer; bei voluminösen Artikeln wie Literatur oder ganzen Sammlungen in Alben kann das teuer werden) sowie, je nach Sitz der Firma, noch Einfuhrzoll und Mehrwertsteuer. In Summe kann Sie das Los dann 30–40 % mehr als den Zuschlagpreis kosten.

Überraschungen beim Kauf

      Ich habe kürzlich – für einen Sammler, der sich auf das neu gekaufte Stück freut, gefühlt ewig, tatsächlich zweieinhalb Wochen – auf eine in Italien gekaufte Croce di Savoia gewartet. Das Problem lag weder bei der italienischen noch bei der schweizerischen Post, sondern beim Schweizer Zoll. Nachdem die Sendung dort eine Woche gelegen hatte (das heute übliche Tracking erlaubt eine exakte Bestimmung solcher Verzögerungen), erhielt ich einen Brief von der Post mit einem Formular zum „Kulturgütertransfergesetz“ (das auf einer UNESCO-Konvention von 1970 basiert), das ich zunächst ausfüllen und zurückschicken musste. Lästig, aber unvermeidlich!

 

Fazit

      Auktionskäufe sind für fortgeschrittene Sammler unverzichtbar – württembergische Probedrucke oder eine „Zürich 6“ bekommen Sie nicht beim Tauschtag Ihres örtlichen Vereins. Es war nie einfacher als heute, sich mit minimalem Aufwand einen Überblick über das (fast) weltweite Angebot zu verschaffen, aber behalten Sie Ihr Hobby-Budget im Auge!

 


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Copyright © 2020 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 11. Oktober 2020, letzte Bearbeitung am 11. Oktober 2020.


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