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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Halbe Marke – doppelte Freude
Über teilbare und geteilte Marken

Geteilte Marken – geteiltes Interesse! Der Standpunkt ist zweifellos berechtigt, denn den Halbierungen haftet doch immer ein gewisser Zweifel des wirklichen Bedarfes an.

Sipmann und Boßhard, 1926

      Da finden Sie in Opas Sammlung ein Briefstück oder einen Brief, auf dem nicht eine ganze Marke, sondern nur die Hälfte oder ein Drittel, vielleicht auch zusammen mit anderen Marken, aufgeklebt ist. Jetzt muss zunächst die Frage geklärt werden, ob es sich um eine teilbare oder eine geteilte Marke handelt.

 


 

Teilbare Marken

Doppelgenf; Fournier-Facsimile

      Teilbare Marken, Ausgaben also, bei denen eine Trennung postamtlich vorgesehen war, kennen wir schon aus der Frühzeit der Philatelie; das früheste Beispiel ist die Doppelgenf (links; Facsimile von Fournier), die ungeteilt für das Kantonsporto, halbiert für das Ortsporto verwendet wurde.

Mecklenburg-Schwerin MiNr. 5b

      Im Gebiet Altdeutschland gab es teilbare Marken in Braunschweig und Mecklenburg-Schwerin (1).
 
Links: Mecklenburg-Schwerin MiNr. 5b
Komplette Marke 4/4 Schilling
 
Unten: Portogerechte Verwendung der gleichen Marke vertikal halbiert
auf Ortsbrief (Portostufe 1/2 Schilling)

Mecklenburg-Schwerin MiNr. 5b halbiert auf Ortsbrief
Braunschweig MiNr. 9 Braunschweig MiNr. 9
Links: Braunschweig MiNr. 9 halbiert (2/4 Gute Groschen) auf Brief
Rechts: Ausschnittvergrösserung
 
Spanien 1/4 c. 1872
(Abb. aus Tort Nicolau)

      In Spanien erschien erstmals 1872 eine teilbare Marke, bei deren Entwurf man sich ganz offenbar an der oben gezeigten Marke aus Braunschweig orientiert hatte.
      Es gab drei Ausgaben dieser Marke: Neben der links gezeigten ersten Version erschien 1873, als Spanien nach der Abdankung von Amadeo I. Republik wurde, eine Marke, bei der die Krone durch eine Mauerkrone ersetzt wurde, die die Herrschaft des Volkes symbolisieren sollte. Nach der Wiedereinsetzung der Monarchie gab es 1877 eine Ausgabe mit einer leicht geänderten Krone in grüner Farbe, die immerhin rund 43 Jahre lang, bis zum Mai 1920, gültig blieb.

 


 

Geteilte Marken

      Es kam gelegentlich vor, dass Marken, die eigentlich nicht für eine Teilung vorgesehen waren, halbiert oder gedrittelt verwendet wurden; selbst Sechstel und Achtel kamen vor. Hier spricht man – zur Unterscheidung von teilbaren Marken – von geteilten Marken.

Schema: Typen geteilter Marken
Mögliche Varianten geteilter Marken (nach Heering)

      Solchen Marken haftet häufig das Odium des Machwerks an; viele derartige Ausgaben sind wohl eher aus philatelistischem Interesse denn aus echtem postalischem Bedarf entstanden.

Mischfrankatur mit zwei Halbierungen Eine sehr ungewöhnliche Mischfrankatur auf Brief mit zwei Halbierungen, von denen eine sogar ein Ganzsachenausschnitt ist!
Eine einzelne 2-Pf.-Marke hätte zur Frankatur dieses Ortsbriefes gereicht; warum sollte man statt einer zwei halbe verwenden? Dieser Beleg ist sicher philatelistisch motiviert.
Bei der Danziger Stadt-Brief Spedition Hansa, von der dieser Beleg stammt, heisst es im Michel ausdrücklich „Halbierungen und Ganzsachenausschnitte auf Brief sind stets philatelistisch beeinflusst“; offenbar waren in Danzig einige besonders rege Philatelisten am Werk.

      Ein wirklicher Bedarf liegt dann vor, wenn eine Marke geteilt wurde, um die entsprechende anteilige (halbe, Drittel) Wertstufe zu bilden, wenn für diese keine passende Marke zur Verfügung stand, und wenn diese Teilung von der Post offiziell genehmigt war.

      Bekannte Beispiele sind in der Schweiz die Strubel-Halbierungen, z. B. 2½ Marken zu 2 Rappen, um die Portostufe 5 Rappen zu bilden. Briefe mit halbierten Strubeln sind im Zumstein mit bis zu 25 000,– Franken notiert. 1862 betrug das Porto für Drucksachen nach Italien 3 Rappen – aber es gab diese Wertstufe gar nicht. Die Lösung: Die Verwendung der 2-Rappen-Marke grau mit anhängender Halbierung wurde damals amtlich angeordnet (Zumstein: Fr. 16 000,– auf Drucksache).
      In Genf wurden halbierte 5-Rappen-Strubel für Drucksachen zwischen Mai 1861 und Oktober 1862 im normalen Postverkehr unbeanstandet verwendet:

Strubel-Halbierung auf Brief
Zumstein Nr. 22 SF a (22G diagonal halbiert)

      Altdeutschland kennt Halbierungen in den Gebieten Baden, Bayern, Braunschweig, Hannover, Preussen, Schleswig-Holstein, Thurn und Taxis und Württemberg.
      Sammler des Gebietes Deutsches Reich kennen die Syke-Halbierungen: In dem damals zur Provinz Hannover gehörenden kleinen Ort Syke, ca. 25 km südlich von Bremen gelegen, wurden verschiedene Werte der Brustschild- und Pfennig-Ausgaben für Dienstpost im Ortsverkehr halbiert verwendet; der Michel nennt hier Briefbewertungen bis zu € 70 000,–!

Syke-Halbierung
Syke-Halbierung
(Abb.: → Württembergisches Auktionshaus, Stuttgart, in der 99. Auktion am 16. / 17. 3. 2007 für € 35 000,– verkauft)

      Eine bekannte Halbierung mit Überdruck ist das berüchtigte Vineta-Provisorium (das Sipmann/Boßhard als gute Philatelisten „absichtlich weggelassen“ haben).
      Im Gebiet Deutsche Kolonien findet man etliche Halbierungen teilweise sehr zweifelhaften philatelistischen Charakters: Das Longji-Provisorium in Kamerun, die Ponape-Ausgaben der Karolinen und die Halbierungen der Marshall-Inseln. Details finden Sie im Michel, bei Häger und in der speziellen Literatur zu diesen Gebieten.

      Berühmt für die zahlreichen Halbierungen (und noch kleinere Teilungen bis zu Sechsteln) ist der Kirchenstaat. Auf nicht weniger als sechs Seiten listet der Sassone (2006) allein die Francobolli Frazionati, die geteilten Marken, der ersten Ausgabe, wobei sogar separate Bewertungen für linkes, mittleres und rechtes Drittel vertikal gedrittelter Marken angegeben werden.

      Es gibt noch viele weitere Länder und Gebiete, in denen geteilte Marken vorkommen, etwa Belgien, Bulgarien, Frankreich, Österreich, Rumänien, Slowenien und Ungarn in Europa oder Dänisch-Westindien (dazu gibt es eine eigene Seite), Kap der Guten Hoffnung und USA in Übersee (beide Auflistungen sind nicht vollständig).

 

Hinweise für Sammler

      Wegen der besonderen Natur dieser Marken ist es eigentlich logisch, aber der Vollständigkeit halber erwähne ich es trotzdem:
      Natürlich werden geteilte Marken und Teilstücke teilbarer Marken nur gebraucht gesammelt, und zwar nie als lose Marke, sondern auf Briefstück (mit über die Teilung gehendem Stempel) oder auf Brief (wodurch sich die korrekte Portostufe, die ja erst Grund für die Teilung war, belegen lässt).

      Teilbare Marken sind als solche im Katalog gekennzeichnet, und Spezialkataloge führen auch geteilte Marken auf. Spezielle Literatur zu diesem Thema ist rar: Das älteste Spezialwerk ist das Buch von Genth Übersicht über die in den Jahren 1840–1911 ausgegebenen und verwendeten geteilten Marken (Kassel 1911; der Titel fehlt mir noch). Der hier zitierte Sonderdruck von Sipmann/Boßhard erschien ca. 1935, und aus neuerer Zeit gibt es die Monographie von Rohlfs Die Hannover-Halbierungen, geteilte Briefmarken des Königreiches Hannover als Hilfsfrankatur, die 1983 erschien.


Fussnoten:

  1. Ein Artikel in der DBZ zum 150-jährigen Jubiläum der Marken von Mecklenburg-Schwerin informiert ausführlich über die Hintergründe der Ausgabe der teilbaren Marke:
    Horst-Dietrich Fromm: „Gekrönte Stierköpfe“ von der deutschen Ostseeküste. 150 Jahre Freimarken und Franco-Couverts in Mecklenburg-Schwerin. DBZ/SE 13/2006, S. 8–12

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 9. Juli 2006, letzte Bearbeitung am 6. Januar 2013.


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