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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Kataloge – Klassik-Spezialkataloge im Vergleich

      Klassik sammeln liegt im Trend. „Steht der Philatelie eine Klassik-Renaissance bevor?“ war die Überschrift eines Artikels in der „Philatelie“ im Oktober 2007, in dem der neue Michel Klassik-Katalog Europa vorgestellt wurde.

      Natürlich habe ich ihn sofort bestellt und diese Neuerscheinung zum Anlass genommen, die drei speziellen Klassik-Kataloge, die es nun gibt, einander gegenüber zu stellen. Ähnlich wie bei meinem „Vergleichstest“ von vier spezialisierten Länderkatalogen werde ich Ihnen die Kataloge zunächst in einem kurzen tabellarischen Überblick vorstellen und dann auf die drei Bände einzeln eingehen.

Die drei Kataloge im Vergleich

      Die drei „Testkandidaten“:

  • James E. Kloetzel (Hrsgb.): Scott 2008 Classic Specialized Catalogue: Stamps and Covers of the World Including U.S. 1840–1940 (British Commonwealth to 1952). Scott Publishing Co., Sidney, OH, 2007 (Inzwischen werden die Scott-Kataloge von Amos Advantage herausgegeben.)
  • Yvert & Tellier Classiques du Monde 1840–1940. Editions Yvert & Tellier, Amiens 2004
  • Michel Klassik-Katalog Europa 1840–1900. Schwaneberger Verlag GmbH, Unterschleißheim 2007

      Hier der Vergleich der Kataloge:

  Michel Scott Yvert & Tellier
Allgemeine Angaben
Erscheinungsweise bisher erst eine Ausgabe (2007) erstmals 1995, seit 1998 jährlich bisher erst zwei Ausgaben (2005/2010)
Abbildungen farbig,
50% der Originalgrösse
farbig,
70% der Originalgrösse
farbig,
75% der Originalgrösse
Umfang 680 Seiten 1154 Seiten 1077 Seiten
Einband/Papier broschiert,
dünnes Papier
Kunstleder,
Hochglanzpapier
kartoniert,
graues Papier
Werbung im Katalog < 10 Seiten ca. 15 Seiten, dazu
kleinere Einschaltungen
ca. 15 Seiten
Preis € 98,– US$ 129,99 € 79,–
Verlags-Informationen → ja → ja (Ausgabe 2016) → ja (Ausgabe 2010)
 
  Michel Scott Yvert & Tellier
Inhalt
Bewertungen für
** / * / gest. / Brief
(x) / x / x / x (x) / x / x / (x) (x) / x / x / —
Bewertungen für
grössere Einheiten
x x Viererblocks (teilweise)
Literaturhinweise wenig nein nein
Besonderheiten Stempel (deutsche Gebiete) Einführung Gradierung und Gummierung bei klassischen Ausgaben
Angabe (in Klammern): teilweise

 

Die Kataloge im Detail

Michel Klassik-Katalog Europa

      Der Michel-Katalog unterscheidet sich von den beiden anderen Klassik-Katalogen in zwei wesentlichen Punkten: Er enthält nur europäische Marken, und er setzt das Ende der Klassik rund 40 Jahre eher an als Scott und Yvert.
      Letzteres ist sicher richtig (wie ich schon an anderer Stelle ausgeführt habe); vernünftigerweise hat die Redaktion aber keinen harten Schnitt im Jahr 1900 gemacht, sondern z. B. die Ausgaben der deutschen Auslandspostämter und Kolonien vollständig mit aufgenommen.
      Die Abbildungen sind mit 50% der Originalgrösse zu klein, um wirklich etwas erkennen zu können; zur Katalogisierung wichtige Unterschiede sind allerdings in grossen Skizzen hervorgehoben (z. B. Dänemark Nr. 16–31 Rahmentypen, Grossbritannien Nr. 65 I und II).
      Der wichtigste Unterschied zur Behandlung der jeweiligen Gebiete in den entsprechenden Europa-Katalogen ist die in diesem Klassik-Katalog deutlich erweiterte Katalogisierung. (Dem Altdeutschland-Sammler wird das weniger auffallen, da er diese Angaben im Deutschland-Spezial Band 1 auch findet.) Ich zeige Ihnen dies exemplarisch anhand der Seiten über die erste Ausgabe Griechenlands (grosse Hermesköpfe, Pariser Druck 1861):

Michel Europa-Katalog Michel Klassik-Katalog
Michel Südeuropa 2005/2006 (Europa-Katalog Band 2)
(Grosses Bild)
Michel Klassik-Katalog Europa 1840–1900
(Grosses Bild)

      In Anbetracht des stolzen Preises (man vergisst im Euro-Zeitalter leicht, dass wir hier von einem Katalog reden, der fast 200 Mark in alter Währung kostet!) stört allerdings wieder einmal die „billige“ Aufmachung. Für diesen Preis sollte statt der Broschur auch ein ordentlich gebundenes, mindestens kartoniertes Buch machbar sein.

      Der Deutschland-Teil nimmt 279 Seiten (über 40%) dieses Katalogs ein. Der Klassik-Europa-Katalog ist damit für Sammler ideal, die neben Altdeutschland noch andere klassische europäische Ausgaben sammeln – diese können sich in Zukunft die Anschaffung des Deutschland-Spezial Band 1 sparen. Ich gehöre z. B. ganz sicher zur Zielgruppe dieses Katalogs und werde ihm auch in Zukunft treu bleiben; trotz der Spezialkataloge „meiner“ Gebiete (AFA, Edifil, NVPH, Sassone, Zumstein) habe ich immer noch gerne die Michel-Katalogisierung, da der Handel im deutschsprachigen Raum sich nun einmal am Michel orientiert.

 


 

Scott Classic Specialized Catalogue

      Dass der Scott-Katalog der mit Abstand umfangreichste der drei Kandidaten ist, verdankt er der sehr grosszügigen Auslegung des Begriffs „classic“. 1940, beim Commonwealth sogar 1952, hat nichts mehr mit Klassik zu tun! Dem Katalog merkt man die Entwicklung an; war die erste Ausgabe noch ein relativ billig gemachter Band (Abb. unten), ist dieser Katalog heute derjenige unter den dreien, den man am liebsten zur Hand nimmt, weil man für einen angemessenen Preis ein „richtiges“ Buch bekommt.

Scott Classic Specialized Catalogue 1995
So fing das an …

      Im Scott gibt es eine reich illustrierte Einleitung zum Thema Qualtät bei klassischen Marken. Den Begriff specialized dürfen Sie allerdings nicht überbewerten, einen Spezialkatalog kann der Scott nicht ersetzen.

 


 

Yvert & Tellier

      Örtlich (weltweit) und zeitlich (die ersten 100 Jahre) ist der Yvert & Tellier mit dem Scott-Katalog vergleichbar. Der erste Eindruck ist für das Auge nicht angenehm: Schwarzer Druck auf grauem Papier. Das erweckt den Eindruck, ein fehlgeleiteter Website-Designer (→ „low contrast between text and background“) versuche sich jetzt in den Printmedien. Es ist einfach schlechter lesbar als schwarz auf weiss!
      Inhaltlich bietet dieser Katalog nichts Aufregendes, weder positiv noch negativ. Man muss ihn nicht haben …

 


 

Fazit

      Um es vorweg zu nehmen (und damit vielleicht Illusionen bei den Käufern zu zerstören): Einen spezialisierten Länderkatalog können alle drei nicht ersetzen. Das beste Kapitel im Michel ist Deutschland, was nicht verwundert, da dies praktisch die entsprechenden Teile aus dem Deutschland-Spezial Band 1 sind.
      Im Michel findet man aber wenigstens noch gelegentlich Literaturhinweise, die ich in den anderen Katalogen vermisse. Scott und Yvert sind einfach Zusammenfassungen der ersten 100 Jahre aus den Standardkatalogen; der Begriff specialized im Titel des Scott-Katalogs ist nicht gerechtfertigt.
      Der Michel verliert dafür Punkte wegen der zu kleinen Bilder und der billigen Ausführung oder, wenn Sie das so sehen wollen, wegen des hohen Preises – es läuft in beiden Richtungen auf dasselbe heraus: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist grenzwertig.

      Trotzdem werde ich beim Michel bleiben, weil er für mich ideal ist: Er fasst das, was mich aus dem Deutschland-Spezial Band 1 und zwei, drei Europa-Katalogen interessiert, in einem Band zusammen, und dann ist auch der Preis zu verschmerzen.
      Der Scott reicht mir sicher wieder für die nächsten gut zehn Jahre, der Yvert wahrscheinlich noch länger. Diese Kataloge brauche ich höchstens als Querverweise bei ausländischen Händler-Angeboten und Auktionskatalogen, um eine Ausgabe nach den Katalognummern einordnen zu können, nicht, um wirklich (spezialisiert) danach zu sammeln.

      Sieger nach Punkten ist also der Michel Klassik-Katalog Europa – aber es gibt noch genug, was man verbessern kann.

 


 

Nachtrag im Juli 2013

      Wirklich überzeugend fand man bei Michel und YT den eingangs erwähnten Trend zur Klassik wohl nicht: Der hier vorgestellte, 2008 erschienene Klassik-Katalog des Michel-Verlags ist derzeit noch unverändert im Angebot; von einer aktualisierten Neuauflage ist nicht die Rede. Bei Yvert & Tellier gab es vom Katalog Classiques du Monde 2010 eine Neuauflage; hier kann man immerhin einen Trend erkennen, der sich dann logisch in einer 2015 erscheinenden Neuauflage fortsetzen sollte. (Die würde ich dann wieder kaufen.)
      Lediglich bei Scott bleibt man dem Thema treu – wenn auch mit der oben kritisierten, sehr weiten Auslegung des Begriffs „Klassik“: Am 4. November 2013 wird die → Ausgabe 2014 erscheinen.
      Scott spricht damit noch den grossen Kreis der Sammler von Ausgaben des britischen Commonwealth an; Michel und Yvert haben offenbar die Zahl der Klassik-Sammler überschätzt. Wenn das so ist, wäre es schade!


Copyright © 2007 – 2013 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 8. Dezember 2007, letzte Bearbeitung am 20. Juli 2013.


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