Alle Inhalte dieser Site sind urheberrechtlich geschützt; Copyright © C. Ozdoba
Logo der Website „Klassische Philatelie“

 

Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Lexika und Handbücher – nicht nur für Anfänger

      Was, bitte, bedeutet Impuesto auf einer Marke? Wie definiert man einen Plattenfehler? Sind Ochsenaugen dasselbe wie Ochsenköpfe? Welche Marken werden mit den Städtenamen Neuenburg und Winterthur bezeichnet? Was ist gemeint, wenn von einem Egoutteur oder einem Rakel die Rede ist?
      Fragen über Fragen, wie sie sich dem Anfänger wie auch dem engagierten Philatelisten so oder ähnlich immer wieder stellen …

      Meine Empfehlung an alle Philatelisten, die diese dauernd auftauchenden unbekannten oder in ihrer Bedeutung unklaren Begriffe schnell und einfach erklärt haben möchten: Sie müssen nicht immer auf dem World Wide Web suchen (obwohl die Site, auf der Sie sich gerade befinden, versucht, einige immer wieder vorkommende Begriffe verständlich zu erklären), sie müssen auch nicht Mitglied in einem Internet-Forum werden, nur, um dort Ihre Frage zu stellen – Sie sollten ein Lexikon kaufen.

      Neben einem Spezialkatalog Ihres Sammelgebietes ist ein gutes philatelistisches Lexikon das wichtigste Buch für den Sammler-Alltag. Die Auswahl ist nicht gross, denn das Erstellen eines derartigen Werkes ist eine so ungeheuer komplexe Aufgabe, dass sich im Mittel nur einmal in jeder Generation ein Autor und ein Verleger finden, die zusammen mutig genug sind, ein solches Projekt anzugehen.

      Etwas anders aufgebaut als Lexika sind philatelistische Handbücher. Ihrer Natur nach sind sie eher Lehrbücher der Philatelie, die nicht alle vorkommenden Begriffe erklären, sondern wichtige Teilbereiche (z. B. Drucktechniken, Fälschungen) in ausführlichen Kapiteln beschreiben, die umfangreicher sind als blosse Lexikoneinträge. Handbücher enthalten zudem oft noch Kapitel mit Tipps für den Sammler, die man in einem Lexikon nur schlecht unterbringen kann (obwohl Sie durchaus Lexikon-Einträge zu Begriffen wie Pinzette oder Zähnungsschlüssel finden.)
      Die Grenzen zwischen beiden Formen der Nachschlagewerke sind manchmal fliessend; das Buch von Arnau etwa (s. u.) nennt sich „Lexikon“, ist aber seiner Natur nach eher ein Handbuch.

      Die Abbildungen auf dieser Seite sind zueinander massstäblich.

 


 

Lexika

Bungerz: Grosses Lexikon der Philatelie 1923

Alexander Bungerz:
Grosses Lexikon der Philatelie
Albert Kürzl Verlag, München 1923
 
      Mit heutigen Lexika kann man Bungerz’ Buch nicht vergleichen: Es ist eine Kombination aus Lexikon (mit allerdings erheblichen Defiziten; viele Begriffe, die man in einem solchen Buch erwartet, sind nicht enthalten), mehrsprachigem Wörterbuch und Motiv-Handbuch. Begriffe wie die eingangs erwähnten Egoutteur und Rakel finden Sie nicht, aber dafür z. B. komplette Übersichten der altdeutschen, dänischen und britischen Nummernstempel. Sehr viele Eigennamen und Ortsnamen sind aufgeführt, und viele Einträge beschreiben die Motive auf Marken.
      Es ist sicher nicht als Standard-Lexikon zu gebrauchen, andererseits finden Sie viele der darin enthaltenen Informationen nirgendwo sonst. Interessant sind auch die sehr umfangreichen Literaturhinweise zu vielen Einträgen.

 

Häger: Großes Lexikon der Philatelie 1973

Ullrich Häger:
Großes Lexikon der Philatelie
Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh, Berlin, München, Wien 1973
 
      Ein moderner Klassiker ist Ullrich Hägers 1973 erschienenes Großes Lexikon der Philatelie. Das Buch schloss damals eine lange bestehende Marktlücke; auf der → IBRA 1973 (Internationale Briefmarken-Ausstellung) erhielt es eine Goldmedaille. Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich, aber leicht zu finden. (Achten Sie darauf, dass der lose eingelegte Nachtrag enthalten ist.)

 

Häger: Großes Lexikon der Philatelie 1978 Häger: Kleines Lexikon der Philatelie 1978

Ullrich Häger:
Großes Lexikon der Philatelie in zwei Bänden
Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh 1978
Kleines Lexikon der Philatelie
Goldmann Ratgeber Nr. 10780, Wilhelm Goldmann Verlag, München 1978
 
      Im Jahre 1978 erschien eine erweiterte Ausgabe des „Großen Lexikons“, jetzt in zwei Bänden (links). Im selben Jahr gab es eine auf der ersten Auflage basierende Taschenbuchausgabe (rechts).
      Die zweibändige Ausgabe benutze ich nicht so gerne; der Verweis auf Stichwörter im jeweils anderen Band führt zu einem ständigen Wechsel zwischen den beiden Büchern und ist einfach unpraktisch.
      Auch diese Ausgaben sind antiquarisch leicht und für wenig Geld erhältlich; das Taschenbuch habe ich schon für € 0,95 angeboten gesehen!

 

Grallert: Lexikon der Philatelie

Wolfram Grallert:
Lexikon der Philatelie
Phil*Creativ GmbH, Schwalmtal 2000
 
      Das ist das Buch, das Sie einfach haben müssen:
      Grallerts Lexikon der Philatelie aus dem Jahr 2000 ist das aktuellste deutschsprachige Buch zum Thema und mit seinen 6 000 Stichwörtern eine Fundgrube. Für uns Philatelisten in der Schweiz wäre es noch schöner gewesen, wenn der Autor sich dem gesamten deutschsprachigen Raum verpflichtet gefühlt hätte; Sie finden „BDPh“ und „BPP“ (Bund Deutscher Philatelisten und Bund Philatelistischer Prüfer), aber das Stichwort „VSPhV“ sucht man vergebens; unter dem Stichwort „Museum für Kommunikation“ hätte auch Bern eine Erwähnung verdient.
      „Neuenburg“ und „Winterthur“ – um die am Anfang genannten Beispiele aufzugreifen – sind erklärt, aber das z. B. bei Häger aufgeführte Stichwort „Kleiner Adler“ gibt es hier nicht.
      Das Einzige, was ich inhaltlich an diesem Buch auszusetzen habe, ist die völlig unkritische Darstellung von Machwerken wie Kieta- und Vineta-Provisorium – da ist Häger philatelistisch besser. (Dass unter dem Stichwort „Fälschung“ das Strafgesetzbuch der DDR zitiert wird, die bei Erscheinen dieses Buches schon seit zehn Jahren nicht mehr existierte, regt eher zum Schmunzeln als zur Kritik an.) Trotzdem: Dieses Buch ist unverzichtbar und Pflichtlektüre für jeden Philatelisten!
      Es gibt zwei Versionen dieses Lexikons, eine gebundene Ausgabe und eine Paperback-Variante; der geringe Mehrpreis für die gebundene Ausgabe lohnt sich ganz sicher unter dem Gesichtspunkt, dass man mit diesem Band ein jahrelang gültiges Referenzwerk erwirbt.

 


 

Handbücher

Haas: Lehrbuch der Briefmarkenkunde 1906

Theodor Haas:
Lehrbuch der Briefmarkenkunde. Ein Hülfs- und Nachschlagebuch
Verlag von Gebrüder Senf, Leipzig 1906
 
      Das meines Wissens erste philatelistische Handbuch in deutscher Sprache ist das 1863 in Leipzig erschienene Handbuch für Briefmarkensammler. Das hier gezeigte Werk aus dem Jahr 1906 ist ein richtig „erwachsenes“ Lehrbuch, das ja auch schon das Wissen aus fünfzig Jahren Philatelie beinhaltet: Auf rund 580 Seiten bietet es einen umfassenden Überblick; die – übrigens mehrheitlich auch heute durchaus aktuellen – Texte werden mit ca. 1 300 Abbildungen illustriert. Es ist sicher kein Buch der Kategorie „muss man haben“, aber Spass macht es auch heute noch!

 

Heering: Philatelie – Spiel und Ernst 1963

Dr. Walther Heering:
Philatelie – Spiel und Ernst
Heering-Verlag, Seebruck am Chiemsee 1963
 
      Dieses Buch steht stellvertretend für viele ähnliche Publikationen: Philatelie – Spiel und Ernst ist eine Einführung in das gesamte Gebiet der Philatelie. In, um es zeitgenössisch auszudrücken, „launigem“ Stil beginnt Heering mit einem kurzen Abriss der Postgeschichte und erklärt sehr umfassend viele Begriffe rund um die Philatelie.
      Die Zielgruppe des 1963 in guter Ausstattung (solides, in Leinen gebundenes Buch) erschienenen Bandes war wohl das Bildungsbürgertum der Wirtschaftswunder-Generation; wer würde heute noch bei einem Lektor damit durchkommen, lateinische Zitate ohne deutsche Übersetzung in einem Einführungsbuch zu einem Hobby – pardon, Steckenpferd – aufzuführen? Immerhin hebt sich das Buch damit angenehm von den heute oft anzutreffenden Büchern „für Dummies“ ab; ich schätze es durchaus, wenn ein Autor auch bei einer Einführung seine Leser immer noch als intelligente Menschen behandelt.

 

Arnau: Lexikon der Philatelie 1973

Frank Arnau:
Lexikon der Philatelie
Lingen-Verlag, Köln o.J.
 
      Mehr ein Handbuch als ein Lexikon ist dieses Werk; der lexikalische Teil (Begriffsklärungen von A bis Z) nimmt mit rund 180 von 450 Seiten den kleineren Teil dieses Buches ein. Arnau, der nicht nur gute Kriminalromane, sondern z. B. mit „Kunst der Fälscher – Fälscher der Kunst“ auch ein sehr lesenswertes Buch über Fälschungen von Bildern und Plastiken geschrieben hat (ich zitiere es aus gegebenem Anlass in der Einführung zum Gebiet Bergedorf), ist es ein Anliegen, auch in der Philatelie die üblen Auswüchse der Über-Kommerzialisierung deutlich zu machen; er erklärt Auktionsterminologie und warnt seine Leser in deutlichen Worten vor Fälschungen und Verfälschungen. Jeder, der heute bei Internet-Auktionen kauft, wäre gut beraten, dieses Buch zu lesen!

 

Tröndle: Briefmarkenkunde

Ludwig Tröndle:
Briefmarkenkunde
Orbis Verlag für Publizistik GmbH, München 1992
 
      Die „Briefmarkenkunde“ erschien erstmals 1978, die hier gezeigte Ausgabe aus dem Jahr 1992 ist die letzte Auflage. Lange wurde darüber spekuliert, dass eine Neuauflage, dann von einem Autoren-Duo (Maassen/Tröndle), geplant sei. Diese Neubearbeitung gibt es, aber nicht als Buch: Seit Heft Nr. 350 (August 2006) erscheint Maassen/Tröndles „Briefmarkenkunde“ in der Philatelie, der Zeitschrift des → BDPh. Das Ganze ist eine sehr langfristige, über Jahre angelegte Aktion – ein Grund mehr, Mitglied des BDPh zu werden, damit Ihnen kein Heft dieser hervorragenden Fachzeitschrift entgeht!

      Auch dieses Buch gibt es nur noch antiquarisch, aber es ist leicht zu finden. Was Grallert für die philatelistischen Lexika ist – ein absolutes Muss –, ist die „Briefmarkenkunde“ bei den philatelistischen Handbüchern.
      Da Tröndle es versteht, Informationen zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken, ist das wirklich ein Buch, das man vom Anfang bis zum Ende durchlesen kann, und man wird dann erstaunt feststellen, was man alles gelernt hat. Von der frühen Postgeschichte über Drucktechniken bis zu Wasserzeichen, Ganzstücken und Fälschungen werden alle Aspekte der Philatelie beleuchtet. Suchen Sie nach diesem Buch – es lohnt sich!


Zurück zur Einleitung / zur Startseite.


Copyright © 2005–2006 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 18. Dezember 2005, letzte Bearbeitung am 2. August 2006.


Adresse dieser Seite: http://www.klassische-philatelie.ch/intro/intro_lex.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5