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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Antichi Stati Italiani/Altitalien

Welche Gebiete gehören zu „Altitalien“?

      Die Geschichte der altitalienischen Marken ist die Geschichte eines Befreiungs- und Unabhängigkeitskampfes, der innerhalb weniger Jahrzehnte, eigentlich nur Jahre, aus einer Reihe lose auf der Halbinsel verstreuter Herzogtümer und Königreiche, die teilweise unter der Kontrolle nicht-italienischer Mächte standen, den Staat Italien werden liess.

      Das Königreich Sardinien-Piemont war der – sicher nicht immer ganz selbstlose – „Motor“ der italienischen Einigungsbewegung. Lesen Sie bitte zunächst die Seite über Lombardei-Venetien; die Informationen dort sind die Grundlage für das Verständnis dessen, was mit den anderen vormals eigenständigen Gebieten passiert ist.

      Die Abbildungen auf dieser Seite haben lediglich exemplarischen Charakter, sie sollen Ihnen das typische Bild der jeweiligen Marken zeigen. Auf detaillierte Angaben zu Katalog-Nummern, Farben etc. habe ich daher verzichtet. Die Abbildungen sind zueinander massstäblich.
 


Lombardo-Veneto (Lombardei-Venetien)

      Die ziemlich komplexe Geschichte dieses Gebietes ist auf einer eigenen Seite beschrieben.


Modena

Modena Modena

      Herzogtum (Ducato di Modena; Bezeichnung auf den Marken Poste Estensi nach dem Namen der Herrscherfamilie, „Este“, abgeleitet von der Stadt Este in Venetien). Erste eigene Marken am 1. 6. 1852. Provinzen Modena, Reggio, Lunigiana, Garfagnana, Frignano und Guastalla. 11. 6. 1859 „Provisorische Regierung“ (Marken jetzt bezeichnet Provincie Modonesi), am 18. 3. 1860 (nach Volksabstimmungen am 11. und 12.) Anschluss an Sardinien.


Napoli (Neapel)

Neapel Neapel Neapel

      Königreich (Regno delle due Sicilie domini al di qua del faro Napoli), erste eigene Marken 1. 1. 1858. Provinzen Abruzzi e Molise, Basilicata, Calabria, Campania und Puglia. Besetzung durch Garibaldi 1860, im selben Jahr Kriegserklärung durch den König von Sardinien-Piemont (1860 Ausgaben für „Province Napoletane“ ohne Landesbezeichnung mit Bild von Vittorio Emanuele II.), 1861 Anschluss an das Königreich Italien.
      In diesem Gebiet gibt es zahlreiche Fälschungen zum Schaden der Post.


Parma

Parma Parma Parma

      Herzogtum (Ducato di Parma), erste eigene Marken 1. 6. 1852. Provinzen Parma, Piacenza, Borgo S. Donnino, Valditaro und Lunigiana. Im Zuge des 2. Unabhängigkeitskrieges am 1. März 1859 Rücktritt der für den minderjährigen Thronfolger Roberto I regierenden Herzogin Maria Luisa und Bildung einer „Regierungskommission“, die umgehend vom Volk durch eine „Provisorische Regierung“ abgelöst wurde. Anschliessend heftiges Hin und Her, wobei auch die Herzogin kurzzeitig (4. 3. – 9. 6. 1859) wieder einmal die Regierungsgewalt innehatte. Am 18. 3. 1860, nach Volksabstimmungen, dann komplette Übernahme des Herzogtums durch das Königreich Sardinien-Piemont.


Romagne (Romagna)

Romagne Romagne

      Geschichtlich wie philatelistisch hochinteressantes Gebiet; hier gibt es überhaupt nur eine „Provisorische Regierung“ (Governo provvisorio delle Romagne). 1859 vom Kirchenstaat (s. u.) als „Römische Gebiete“ abgespalten, eigene Marken (ein Schaltersatz mit neun Werten) bzw. eigene Posthoheit vom 1. 9. 1859 bis 29. 2. 1860 (6 Monate!), gehörte nach Volksabstimmungen im März 1860 zum Königreich Sardinien bzw. (ab 17. 3. 1861) Italien.


Sardegna (Sardinien)

Sardinien Sardinien Sardinien

      Königreich (Regno di Sardegna), erste eigene Marken 1. 1. 1851. Keine Gebietsbezeichnung, Bild des Königs im Prägedruck. Provinzen Isola di Sardegna, Liguria, Piemonte. Die Provinzen Nizza (Contea) und Savoia wurden gemäss vertraglichen Vereinbarungen am 15. 6. 1860 an Frankreich abgetreten. Seit 1859 (2. Unabhängigkeitskrieg) beinhaltete das Königreich die Lombardei (ausser Mantova und den zugehörigen Provinzen), seit 1860 die vormaligen Herzogtümer Modena und Parma sowie die aus dem Kirchenstaat abgespaltene Romagne und das ehemalige Grossherzogtum Toscana, ausserdem das ehemalige Königreich Sardinien selbst und das Königreich beider Sizilien. Am 17. März 1861 erfolgte die Proklamation des „Königreich Italien“ (Regno d’Italia).


Sicilia (Sizilien)

Sizilien Sizilien

      Königreich (Regno delle due Sicilie domini al di là del faro Sicilia), erste eigene Marken 1. 1. 1859. Provinzen Caltanisetta, Catania, Girgenti (ora Agregentino), Messina, Noto, Palermo und Trapani. Am 14. 5. 1860 erklärte sich Garibaldi, per Erlass und im Namen von König Vittorio Emanuele II., zum „Diktator von Sizilien“. Am 21. 10. 1860 wählte die Bevölkerung in einer Volksabstimmung den Anschluss an das Königreich Sardinien. (Hier, wie schon bei Neapel, habe ich, wie Geschichtskenner schnell merken werden, nichts über die wechselvolle Beziehung zwischen Garibaldi und Vittorio Emanuele II. bzw. dessen Ministerpräsidenten Graf von Cavour geschrieben – das würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Mehr dazu lesen Sie bei → Wikipedia.)
      Nur ein Schaltersatz mit sieben Werten, jedoch philatelistisch wegen der Farb- und Papierunterschiede sehr interessant; die sieben Wertstufen ergeben im Sassone 14, im Vaccari 31 Hauptnummern mit jeweils vielen Untertypen.


Stato Pontificio (Kirchenstaat)

Kirchenstaat Kirchenstaat Kirchenstaat

      Selbstständig seit dem Wiener Kongress mit den Enklaven Benevento und Pontecorvo im Königreich Neapel, erste eigene Marken 1. 1. 1852. Marken ohne Gebietsbezeichnung, Motiv war das päpstliche Wappen. Provinzen Lazio, Marche, Romagne und Umbria. Im Zuge des 2. Unabhängigkeitskrieges 1859 Abspaltung der Romagne (s. o.), 1860 Annektierung der Enklaven Benevento (25. 10.) und Pontecorvo (8. 12.) durch Sardinien-Piemont, Territorium dadurch seit 1851 von über 40 000 auf nur noch 11 000 Quadratkilometer reduziert („Patrimonio di San Pietro“). 1870 vom Königreich Italien annektiert. (Ab 11. 2. 1929 als „Vatikanstaat“ wieder selbstständig.)


Toscana (Toskana)

Toskana Toskana Toskana

      Grossherzogtum (Granducato di Toscana), erste eigene Marken am 1. 4. 1851. Provinzen Arezzo, Firenze, Grosseto, Livorno, Lucca, Pisa und Siena. Grossherzog Leopoldo II. di Lorena trat am 27. 4. 1859 zurück und setzte eine „Provisorische Regierung“ ein, die jedoch nur bis zum 10. 5. amtierte. Dem König von Sardinien, Vittorio Emanuele II., wurde die Diktatur über die Toscana angetragen, die er ablehnte, statt dessen akzeptierte er ein „Protektorat“. In einer Volksabstimmung am 11. und 12. 3. 1860 kam das Grossherzogtum vollständig zum Königreich Sardinien.
      Die 60 Crazie und 3 Lire der Toscana sind die teuersten Marken der „Antichi Stati“ und gehören zu den ganz grossen philatelistischen Raritäten überhaupt.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 1. Januar 2016.


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