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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Gedanken zum 5. Geburtstag dieser Website am 12. 6. 2010

Wie wird man zum Hermeskopf-Sammler?

      Vorwort zu dieser Seite: Zum Jahreswechsel 2007 / 2008 habe ich erstmals erwähnt, dass mich ein ganz neues Gebiet faszinierte, in dem es mir allerdings so schwer fiel wie noch nie, mich einzuarbeiten und mindestens einen Überblick zu gewinnen. Jahrelang habe ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, nun hingehalten – heute kann ich Ihnen dieses Gebiet zwar immer noch nicht präsentieren, aber wenigstens das Geheimnis lüften, worum es eigentlich geht: Die griechischen Hermesköpfe.
      Diese Seite sollte eigentlich Bestandteil der geplanten neuen Sektion „Griechenland – Hermesköpfe“ werden, aber sie ist genauso gut als sehr persönlicher Beitrag zum Geburtstag dieser Website geeignet. Ich habe von Anfang an kurze Notizen dazu gemacht, wie ich mich diesem Gebiet genähert habe; vielleicht erkennen Sie darin ja auch eigene Erfahrungen wieder, und vielleicht hilft dieser Beitrag auch ein wenig, die Scheu vor dem Einstieg in ein neues Gebiet abzubauen. Hier nun also mein „Mini-Blog“ – es beginnt im Oktober 2007.


      Natürlich war mir die Bezeichnung Hermesköpfe schon lange bekannt – sie gehören zu den bekanntesten klassischen Ausgaben Europas. Dass es grosse und kleine Hermesköpfe gibt, hatte ich auch schon einmal gehört, aber das war dann auch schon alles, was ich über diese Marken wusste.
      Irgendwann hatte ich bei Häger unter dem Stichwort „Griechenland“ nachgelesen; dort heisst es unter anderem „Große Schwierigkeiten bereiten die Marken Mi 1–92, was nur andeutungsweise aus den Anmerkungen im Michel-Katalog hervorgeht. Es bedarf jahrelanger Studien der Marken und Literatur, um die verschiedenen Drucke und Papierarten einwandfrei identifizieren zu können.“
      Nicht gerade ermutigend – andererseits sind es natürlich gerade solche Ausgaben, die philatelistisch interessant sind …

      Irgendwann wurde ich dann angelockt: Zwei Steckkarten voll mit Hermesköpfen bei einer Auktion liessen einen günstigen und vermeintlich einfachen Einstieg in das Gebiet erwarten – letzteres war allerdings eine Fehleinschätzung, wie ich bald merkte.

      Noch vor Abgabe eines Gebots auf diese Sammellose merkte ich beim Betrachten der Abbildungen, wo mein Fehler lag:
      Da waren nun fast 100 Hermesköpfe, unsortiert, nicht katalogisiert – und ich hatte, gegen jahrelange Gewohnheit, noch nicht einen Band spezieller Literatur. Sollte ich da wirklich mitbieten? Zunächst schaute ich die einzige in meiner Bibliothek verfügbare Literatur zum Thema durch, einen zwei Jahre alten Michel Südeuropa und das Kohl-Handbuch.

      Das Kohl-Handbuch legte ich sehr schnell zur Seite – klarer wurde da nichts, nur unübersichtlicher. Im Michel sollte das doch besser strukturiert stehen?
      Tatsächlich werden die Hermesköpfe dort auf gerade einmal dreieinhalb Seiten abgehandelt, aber langsam dämmerte mir, auf was ich mich einlassen wollte: Pariser Druck, erster Athener Druck in grober und feiner Ausführung, Athener Buchdruck von gereinigten Platten, von Platten in neuer Zurichtung, auf dünnem Transparentpapier, Kontrollziffern dünn, mangelhaft oder plump – danke, Herr Häger, für die Vorwarnung!

      Allmählich begriff ich auch, warum meine Google-Suchen nach den Begriffen Hermesköpfe, Hermes heads und Hermès grosse tête bzw. petite tête bis auf aktuelle Auktionsangebote (fast) ergebnislos verlaufen waren – bisher hat sich erst ein Philatelist getraut, eine Übersicht über dieses komplexe Gebiet ins Web zu stellen (1).

      Nach Häger sollte ich ja wohl einige Jahre für die Beschäftigung mit diesen Ausgaben einplanen, also: Schritt für Schritt weiter. Zunächst folgten nach diesem ernüchternden Erstkontakt mit der Welt der Hermesköpfe umfassende Bestellungen in philatelistischen Antiquariaten. In dem Bewusstsein, wieviel konzentriertes Wissen nun in der Post auf dem Weg zu mir war, begann ich, mich besser zu fühlen. Trotzdem: Sollte ich auf die unkatalogisierten Marken auf den Steckkarten bieten?

Sammellos 1 Sammellos 2
Die Objekte meiner Begierde. Ist so etwas ein kluger Kauf zum Einstieg?
(Abb.: Auktionshaus Høiland, Kopenhagen)

      Der nächste Schritt machte dann das Konzept vom günstigen Einstieg schnell zunichte, schien mir aber absolut notwendig: Der Erwerb von eindeutig katalogisierten und zugeordneten Einzelstücken. Die Überlegung dahinter: Mit solchen Referenzstücken könnte ich mich dann auch den unkatalogisierten Sammlungen zuwenden. Ich kann stundenlang im Michel über den Beschreibungen der Unterschiede zwischen einer 10 I und einer 10 II brüten – die eigene Anschauung und den damit möglichen direkten Vergleich zwischen den beiden Versionen ersetzt das nicht.

      Etwa zu diesem Zeitpunkt hatte ich die kühne Idee, die Hermesköpfe auf meiner Website mit aufzunehmen, und begann mit dem Schreiben dieser Seite. Aktuell (12. 10. 2007) habe ich noch zwei Tage Zeit, um auf die oben gezeigten Sammellose zu bieten. Noch bin ich unschlüssig. Ab jetzt geht meine persönliche Geschichte der Hermesköpfe streng chronologisch weiter:

14. 10. 2007
Die Entscheidung ist gefallen: Ich werde nicht auf die 100 unsortierten Hermesköpfe bieten. So weit bin ich einfach noch nicht; mir fehlt ganz einfach das Wissen, das man braucht, um mit einer solchen Kollektion etwas anfangen zu können. Ich habe stattdessen heute bei einer Online-Auktion etliche schöne, präzise katalogisierte Einzelstücke erworben. Jetzt besitze ich als Hermes-Anfänger sogar schon einen Literatur-bekannten Kontrollziffer-Fehler!
 
18. 10. 2007
Die erste Büchersendung ist eingetroffen. Hilfe naht; wie heisst es in der Einleitung bei Behrens: „Diese Arbeit ist nicht für den Spezialisten gedacht; es ist vielmehr für die Bedürfnisse des normalen Griechenlandsammlers konzipiert, der mit dem Michel-Katalog in der Hand mehr oder weniger hilflos vor seinen großen Hermesköpfen sitzt.“
Da hat jemand das Problem erkannt und bietet eine gute Übersicht zur Klassifizierung. Die Arbeit von Spink und Truman ist ebenso hilfreich. Langsam bekomme ich den Eindruck, dass man das Gebiet irgendwann tatsächlich verstehen kann …
 
20. 10. 2007
Ein wichtiger Hinweis von Herrn Hertsch (Fa. → Zumstein): Der aktuell beste Katalog sei der von Vlastos. Den Namen hatte ich noch nie gehört, aber Herr Hertsch gab mir gleich noch die Adresse der → Website. Die Katalogbestellung per E-Mail ging natürlich sofort ab.
Ausserdem habe ich, da ich nun schon mit etwas Literatur zum Thema ausgerüstet bin, heute doch ein unkatalogisiertes Lot gekauft:
Sammellos 5 Lepta
Die Beschreibung des Verkäufers: 1868–72. 7x5L. with control no. Very fine used. Type?
Ich bin sehr gespannt, was da kommen wird …
(Abb.: Auktionshaus Høiland, Kopenhagen)

 
29. 10. 2007
Die Irritation nimmt zu …
Nachdem ich im Angebot eines renommierten Briefmarkenhauses einen nicht korrekt katalogisierten Hermeskopf fand, entdeckte ich jetzt die nächste eindeutig falsche Zuordnung bei einem Online-Auktionshaus.
Das macht mich nicht etwa stolz (ich bin ja nun wahrhaftig kein Experte – ich beginne erst, mich einzuarbeiten), sondern eigentlich nur unsicher:
Kann mein Konzept, die oben erwähnten „präzise katalogisierten Einzelstücke“ zu erwerben, funktionieren, wenn selbst Profis Fehler machen, die so eklatant sind, dass sie sogar einem Hermeskopf-Anfänger wie mir auffallen?
 
21. 11. 2007
Der letzte Monat war ergiebig: Ich habe einige Marken erworben, Literatur zu Fälschungen gefunden und auch das Problem der landeseigenen Spezialkataloge gelöst. Vlastos hat auf meine E-Mail-Anfrage nie geantwortet (schlechter Service!), aber ich habe inzwischen sowohl den Vlastos- wie den Hermes-Katalog bei → Vera Trinder bestellt.
Bei → Karamitsos habe ich ein umfangreiches Literaturangebot entdeckt, das ich mir noch sehr genau anschauen werde; es gibt da einige Titel, die interessant klingen.
 
25. 11. 2007
Die Bücher von Louis Basel habe ich direkt beim Autor bestellt und in diesem einen sehr netten Menschen kennengelernt, der gerne bereit ist, einen Anfänger an seinem umfangreichen Wissen teilhaben zu lassen. Gut, wenn man einen Spezialisten kennt …
 
6. 12. 2007
Eine wichtige Büchersendung ist eingetroffen, die Kataloge von Vlastos und Hermes. Unmittelbare Konsequenz: Ich werde nicht nach Michel sammeln, sondern mich am Hermes-Katalog orientieren.
 
20. 12. 2007
Mit dem Hermes-Katalog geht die Arbeit an den Webseiten jetzt endlich voran. Ausserdem hat mein gutes altes Apple PowerBook nach über vier Jahren jetzt einen Nachfolger bekommen, ein MacBook Pro. Eine nette Spielerei ist die eingebaute Kamera, mit der ich Ihnen jetzt den Autor bei der Arbeit am Computer präsentieren kann (Abb.).

 
24. 12. 2007
Die Struktur der Webseiten steht; leider gibt es erst zu drei der dreizehn Ausgaben der grossen Hermesköpfe auch Inhalte – die meisten Marken mit eindeutiger Zuordnung fehlen mir noch. Karamitsos hat Anfang Januar eine Auktion; da werden sich sicher einige Lücken füllen lassen. Bei Rauhut gibt es Ende Januar einige Kontrollziffer-Varianten zu günstigen Ausrufpreisen; auch diese Auktion werde ich im Auge behalten.
 
28. 12. 2008
Wäre diese Seite ein Film, hätten Sie jetzt ein Abblenden, dann ein Aufblenden und den Untertitel „Ein Jahr später …“ gesehen.
In Anbetracht der riesigen Probleme, die ich mit den Hermesköpfen habe, war ich sehr dankbar, dass ich Weihnachten 2007 eine Nr. 2 der Niederlande geschenkt bekam, die es mir erlaubte, mich guten Gewissens erst einmal einem völlig anderen Gebiet zuzuwenden. Das Ergebnis war die Sektion Niederlande dieser Website, die Anfang Juni fertig wurde.
Irgendwie kam ich dann zu Spanien, und viel neue Literatur kam in meine Bibliothek.
 

Manchmal hasst man das, was man doch liebt.
Karat: Über sieben Brücken musst Du gehn (DDR 1978)

Allmählich glaube ich, dass ich die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Hermesköpfen ganz bewusst vermeide. Psychologisch interessant: Ein Philatelist scheut vor einem Sammelgebiet zurück, das ihn eigentlich doch fasziniert. Versagensangst, also das Gefühl, das einfach nie in den Griff zu bekommen?
Ein Vorsatz für das neue Jahr: Ein Ausweichen gibt es nicht mehr, ich packe das jetzt an. (Aus gleicher Quelle wie im letzten Jahr die Niederlande-Marke bekam ich Weihnachten 2008 einige Hermesköpfe. Als hätte mein Sammlerfreund etwas geahnt – merci, Hartmut, jetzt hast Du mich endgültig an die Arbeit getrieben!) Spätestens Ende 2009 kommen die Hermesköpfe auf diese Site, und bis dahin werden alle anderen Themen zurückgestellt. Die Literatur-Gebiete Portugal und Norwegen sind in Arbeit und werden abgeschlossen, aber ab dann gibt es nur noch Hermesköpfe. Warten wir einmal ab, ob das funktioniert – man weiss ja, wie das mit Vorsätzen zum Jahreswechsel so ist …
 
18. 1. 2009
Nein, nicht Hermes – ich werde mich an der derzeit aktuellsten Klassifizierung orientieren, und das ist die von Herrn Tseriotis, die auch in Karamitsos’ „Hellas“-Katalog verwendet wird. Unmittelbare Konsequenz: Ein grosser Teil der bisher geschriebenen Seiten und die gesamte Struktur dieser Sektion müssen geändert werden. Viel Arbeit …
Auf der Seite mit dem Katalognummern-Vergleich lasse ich die Hermes-Klassifizierung noch stehen (die Arbeit habe ich mir dann nicht umsonst gemacht, und so sehr anders ist sie nicht), aber in Zukunft wird nur noch der Hellas-Katalog verwendet.
Aktuell habe ich einige Gebote auf Hermesköpfe bei diversen Auktionen platziert; ich bin gespannt, was ich bekommen werde.
 
24. 1. 2009
Die Auktionen verliefen erfolgreich: Bei → Veuskens konnte ich in der 63. Auktion eine Hermeskopf-Sammlung aus prominentem Vorbesitz (Nachlass von → Gerhard Langemeyer) günstig erwerben, und in der 84. Auktion von → Philacol fanden etliche schöne Einzelstücke und Belege den Weg in meine Sammlung. Ende Januar/Anfang Februar stehen noch Auktionen bei Rauhut und Karamitsos auf dem Programm.
 
7. 2. 2009
Die bei Veuskens ersteigerten Marken sind nicht in erhofftem Masse klassifiziert. Einige haben mit Bleistift geschriebene Nummern auf der Rückseite, da muss ich allerdings noch überprüfen, ob diese sich nicht vielleicht sogar noch auf das Kohl-Handbuch beziehen. Trotzdem: Eine schöne Sammlung.
 
Bei Rauhut habe ich die Gebotsabgabe verpasst, konnte aber, was mich interessierte, im Rücklosverkauf erwerben; Glück gehört zum Sammeln nun einmal dazu. (Es waren zwei prachtvolle ungebrauchte/postfrische Bogenteile zu 32 bzw. 40 Stück; s. Abb. – erstaunlich, dass sie ausser mir offenbar niemand haben wollte!)
 
Bei der heute stattfindenden Auktion bei → Karamitsos habe ich auf einige Stücke geboten. Etwas enttäuscht war ich vom Literaturangebot dieses Hauses: Acht Titel hatte ich aus der Literaturliste in den „Warenkorb“ gelegt, aber als ich die Bestellung abschliessen wollte, erschien bei allen acht der Vermerk „No certain availability. Proceed with your order to be notified if it is available.“ So hatte ich mir das nicht vorgestellt … Es bleibt also nur, weiterhin regelmässig alle grossen Antiquariate zu besuchen und nach Hermeskopf-Literatur Ausschau zu halten.
 
Weitere Neuigkeiten aus meiner persönlichen Hermes-Welt: Inzwischen habe ich einen Aufnahmeantrag an die → Hellenic Philotelic Society geschickt; die Philotelia muss man lesen, wenn man klassische griechische Ausgaben sammelt. Von → Philabooks kam in dieser Woche der Band von Asimakopulos über die Plattenfehler der grossen Hermesköpfe. Auch die Arbeit an der Website geht weiter: Fertig sind jetzt die Seiten über die Pariser und ersten Athener Drucke und eine Seite über die Kontrollzeichen.
 
1. 1. 2010
Beim Erstellen der Seiten zum Jahreswechsel ist mir aufgefallen, dass schon wieder fast ein Jahr vergangen ist, seit ich in Sachen Hermesköpfe aktiv war. Vielleicht schaffe ich es ja, zum Jahreswechsel 2010 / 2011 die neue Sektion fertigzustellen.
 
15. 4. 2010
Und wieder sind einige schöne Stücke einer Karamitsos-Auktion bei mir gelandet. Allmählich wird aus meinem Hermeskopf-Kompilat eine Sammlung …
Diese Seite werde ich wohl nicht in der Hermeskopf-Sektion einstellen, sondern als persönlichen Kommentar zum 5. Geburtstag der Site im Juni veröffentlichen.
 

Fussnoten:

  1. Diese eine Website zum Thema gehört zum Besten, was mir in Sachen Philatelie auf dem Web bisher begegnet ist. → The Large Hermes Head Stamps of Greece von Louis Basel ist eine Fundgrube an umfassend recherchierten Informationen. (Der Autor hat selbst zwei Bücher über die Hermesköpfe geschrieben.) Diese Site sollten Sie unbedingt besuchen!

Literatur:


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Copyright © 2010 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2010, letzte Bearbeitung am 12. Juni 2010.


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