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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Gedanken zum Jahreswechsel 2010/2011

Jetzt hat es mich gepackt – Der Weg zur Postgeschichte


Brief von Bordeaux (F) nach Yverdon (CH); 1823
 

      Dass ich besonderen Respekt, schon Hochachtung, vor Philatelisten habe, die sich dem Studium der Postgeschichte verschrieben haben, habe ich schon vor mehr als drei Jahren auf einer Seite zum Thema Postgeschichte dargelegt und begründet. Für mich, so dachte ich damals, ist das aber eher nicht das richtige Gebiet: Das Literaturstudium ist sehr zeitaufwändig (und bedingt erhebliche Investitionen in einen Bibliotheks-Grundstock), und die Einarbeitung in ein ganz neues Feld der Philatelie bedeutet darüber hinaus erst einmal wieder die Auswahl einer Region und Epoche ebenso wie die intensive Beobachtung eines für mich bis dahin neuen Marktes. Fazit: Ausserordentlich interessant – vielleicht ein schönes Projekt für den Ruhestand?

      Nun hat es mich doch, salopp gesagt, „voll erwischt“: Die Bibliothek ist im Aufbau, die Sammlung 200 Jahre alter Belege wächst stetig, und inzwischen bin ich Mitglied im → DASV.
      Wie kam es überhaupt dazu, wie und warum habe ich meine Gebiete ausgesucht, wie gehe ich bei der Beschaffung von Literatur und Belegen vor? Wenn Sie das interessiert (und vielleicht selbst motiviert, sich diesem faszinierenden Gebiet zu widmen), sollten Sie weiterlesen.

 

Der Weg zur Postgeschichte


Inlandsbrief von Pau nach Paris (F); 1828
 

      Interessant fand ich Postgeschichte und Vormarkenzeit immer schon. Die erste Analyse eines markenlosen Briefes habe ich auf dieser Site vor knapp vier Jahren vorgestellt; dabei ging es um einen Brief von Buenos Aires nach Köln.

      Dieser Brief war unproblematisch; gut eineinhalb Jahre später kam ich dann aber an meine Grenzen, als ich versuchte, die Stempel und den genauen Laufweg eines frankierten Briefs von Spanien nach Frankreich im Detail zu verstehen.

      Heute kann ich rückblickend sagen, dass es tatsächlich dieser Beleg war, der den Anstoss gab, dass sich mein eher oberflächliches Interesse an Postgeschichte langsam, aber sicher in echte Begeisterung für dieses Gebiet verwandelte. Diese Entwicklung passierte eher unbewusst; man wacht nicht morgens auf und sagt sich „Ab heute sammle ich postgeschichtliche Belege“.
      Der erste Schritt bestand darin, dass ich bei meinen schon existierenden Sammelgebieten zunehmend nach ganzen Briefen statt nur nach losen Marken Ausschau hielt. Es dauerte dann noch etwas länger, bis ich begann, gezielt nach bestimmten Belegen aus der Vormarkenzeit zu suchen. Diese Entwicklung fand ihren vorläufigen Höhepunkt bei der Sindelfinger Briefmarkenmesse 2010, die ich mit drei losen Marken, aber gut zwei Dutzend Altbriefen verliess.

 

Was und wann? Die Entscheidung für Gebiet und Epoche


Brief von Paris (F) nach Brüssel (NL); 1821
rückseitig Langstempel „Frankryk / over Bergen“
 

      Spanien als Gebiet war quasi gesetzt; damit hatte es angefangen, und dazu erwarb ich gezielt die ersten weiteren Briefe. Neben Belegen des Postverkehrs zwischen Spanien und Frankreich kamen nach und nach auch Inlandsbriefe aus der Vormarkenzeit und Briefe von und aus anderen Destinationen dazu. Natürlich gehören die Bereiche Transitpost und Armeepost (Frankreich in Spanien!) dazu.

      Die zeitliche Grenze habe ich für mich – was offenbar, wie ich inzwischen festgestellt habe, viele Sammler tun – mit der Gründung des Weltpostvereins gesetzt. Die Epoche bis dahin war geprägt durch eine Vielzahl von Postverträgen, die zwischen selbstständigen Postgebieten abgeschlossen wurden (dazu unten mehr).

      Ich begann dann zunehmend, auch Belege aus und nach Frankreich mit aufzunehmen, und damit etablierte sich das zweite Gebiet. Das ist genug! Schon der Verkehr von („outgoing mail“) und nach („incoming mail“) nur zwei Ländern bedeutet eine Vielzahl von Postverträgen, Tarifen, Tax- und Zustellvermerken, Ankunfts- und Transitsempeln, mit denen sich der Sammler auseinandersetzen muss. Um das Ganze einigermassen überschaubar zu halten, berücksichtige ich die Belege zum Postverkehr mit den Kolonien (im Moment) bei beiden Ländern noch nicht.

 

Literatur zur Postgeschichte


Brief von Cadiz (E) nach Marseille (F); 1755
 

      Die Literatur zum Thema ist eine fast unendliche Geschichte, und es ist praktisch unmöglich, eine kurze, allgemein gültige Einführung zu geben. Sie werden sich sicher die Bücher von Dr. J. Helbig beschaffen, James van der Lindens Marques de Passage dürfte sich in den meisten Bibliotheken von Altbriefsammlern finden, und in Deutschland gehört Deutsche Vorphilatelie von Feuser/Münzberg sicher ebenso zur Grundausstattung wie Winklers Les Marques Postales de la Suisse in der Schweiz oder die Bücher von Vollmeier in Italien.

      Konkret heisst das, dass Sie sich um die spezielle Literatur zu Ihren jeweiligen Gebieten aktiv bemühen und ein wenig suchen müssen. Bei der Postgeschichte, die ja ihrer Natur nach, wenn Sie von einem Land ausgehen, eine beliebig grosse Zahl anderer Länder berührt, kann das sehr schnell einige Meter im Bücherregal füllen (dafür wird Ihr Konto aber auch, zur Kompensation, entsprechend schnell leer). Ich habe beispielsweise vier Monographien zur britischen Postgeschichte (ohne Kolonien natürlich), da ich Tarife, Postorte und Stempel der britischen Inseln kennen muss, um meine Frankreich/Spanien-Belege von und nach Grossbritannien richtig einordnen zu können. Hinweise darauf, was es überhaupt gibt, finden Sie teilweise bei den entsprechenden → Arbeitsgemeinschaften im BDPh; sehr empfehlenswert ist auch (wie immer, wenn es um Literatur geht) ein Besuch auf der Website von → Philabooks.
      Eine Website muss man ausserdem nennen, wenn es um Postgeschichte, hier um die schwer zu beschaffenden Texte von Postverträgen, Verordnungen etc. geht: Der Deutsche Albriefsammler-Verein e. V. hat mit dem → Projekt Postverträge eine bemerkenswerte Initiative ins Leben gerufen. Auf dieser Website können Sie knapp 2000 Dokumente (Stand Ende 2010) herunterladen – kostenlos, auch für Nicht-Mitglieder! Dieses Projekt war für mich ein wesentlicher Grund, Mitglied des DASV zu werden, um diese vorbildliche Einrichtung wenigstens in bescheidenem Umfang mit zu fördern.

 

Die Beschaffung von Belegen


Brief von Santander (E) über Bayonne und Calais (F) nach London (GB); 1830
 

      Marken, Blocks, Markenheftchen und Ganzsachen zu einem bestimmten Land sind einfach zu finden: Sie schauen in die entsprechende Rubrik eines Auktionskatalogs oder in den entsprechend beschrifteten Karton auf einer Briefmarkenbörse und finden Alles, was der Verkäufer dazu im Angebot hat.
      Altbriefe aus dem jeweiligen Land finden Sie genauso leicht, aber was ist
– mit Briefen in das Land oder
– solchen, die einen Transitstempel Ihres Sammelgebietes tragen und damit in Ihre Sammlung passen, die aber von einem ganz anderen Land in ein anderes als das gesuchte Land gelaufen sind?

      Im Internet-Zeitalter ist das dank Online-Auktionskatalogen zum Glück auch kein grosses Problem mehr. Betrachten wir den ersten Fall: Sie suchen als Frankreich-Sammler einen Brief, der aus irgendeinem Land nach Frankreich geschickt wurde. Sie finden solche Belege entweder sowohl beim Aufgabeland wie auch bei Frankreich, dort dann oft mit dem Vermerk „incoming mail“ (siehe Abb. unten), oder über die Stichwort-Suchfunktion. Letztere kommt auch im zweiten Fall zum Einsatz, um etwa einen Brief von England über Frankreich nach Spanien zu finden, weil diese Suche auch den Halbsatz „mit Transitstempel aus Spanien“ zurückliefert.


„Incoming Mail“ nach Spanien in einem Online-Auktionskatalog
(→ Gärtner, 16. Auktion, 22. – 25.11.2010)
 

      Generell ist es nicht schwer, Altbriefe zu finden; sie sind heute fester Bestandteil der Philatelie (1) und bei jeder Auktion und Börse durchaus preiswert vertreten. Spezialitäten können überall zu finden sein (einer meiner schönsten Belege ist ein Brief vom Quartiermeister der 42nd Royal Highlanders in Gibraltar, der 1830 über Spanien und Frankreich nach Schottland lief; er stammt aus einem grossen Karton, den ich bei einer Briefmarkenbörse durchgesehen habe), aber echte Raritäten werden heute auch als solche erkannt und sind entsprechend nicht billig zu haben. Im Moment investiere ich erst einmal mehr in die Literatur; besondere Belege kommen später einmal …

(Alle auf dieser Seite abgebildeten Briefe stammen aus der Sammlung des Autors.)


Fussnoten:

  1. Das war keineswegs immer so; lesen Sie dazu bitte die Geschichte der Herren Grobe und Köhler auf der Seite „Was ist ‚Vorphilatelie‘?“.

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Copyright © 2010 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 15. November 2010, letzte Bearbeitung am 15. November 2010.


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