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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Gedanken zum Jahreswechsel 2012/2013

Die Schweiz, die EU und DHL – Erfahrungen mit europäischen Auktionshäusern

      Die Schweiz ist nicht in der EU.
      Sie glauben, das sei eine belanglose Information? Banales Allgemeinwissen, mit dem man allenfalls bei Trivial Pursuit noch einen schnellen Punkt machen kann? Es wäre schön, wenn Sie Recht hätten …

      Diese Nicht-Mitgliedschaft schafft manchmal Probleme, wenn man mit einem Wohnsitz in der Schweiz in Deutschland einkauft. Als langjähriger Kunde diverser nicht in der Schweiz ansässiger Auktionshäuser und Händler habe ich einige Erfahrungen gemacht, die ich hier einmal mitteilen möchte. Ich würde mich freuen, wenn diese Seite bei möglichst vielen Auktionshäusern gelesen wird.

 

Sendungen bitte nur mit Rechnung

      Zu diesem Punkt muss ich fairerweise sagen, dass sich hier in den letzten Jahren sehr viel zum Besseren verändert hat. Worum geht es dabei?
      Die Schweiz erlaubt sich, bei der Wareneinfuhr Zoll zu erheben. Das tun andere Länder auch, beim Versand von einem EU-Land in ein anderes entfällt dies allerdings. Es ist also für den Versand in die Schweiz immer noch erforderlich, der Sendung eine detaillierte Rechnung beizulegen, damit bei der Einfuhr der fällige Zoll berechnet werden kann.

      Wird diese Rechnung vom Absender in Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden vergessen, hat der Empfänger in der Schweiz statt der erwarteten Sendung eine Karte wie diese im Briefkasten:

Karte Karte

      Dann darf ich also zunächst die Rechnung (die ich üblicherweise als PDF bekommen habe) ausdrucken, an die Post schicken und einige Tage warten, bis ich meine Sendung endlich erhalte. All diese Umstände nur, weil irgendjemand im Versand schlampig gearbeitet hat! Immerhin, wie oben gesagt: Das ist besser geworden und (mir) in den letzten ca. zwei Jahren nicht mehr passiert.

 

Ich finanziere nicht die Europäische Union – und deshalb zahle ich dort keine Mehrwertsteuer

      Der oben beschriebene Versand innerhalb der EU funktioniert so problemlos, weil die EU eine Zollunion ist. Die Schweiz erhebt allerdings bei der Wareneinfuhr aus dem Ausland (aus allen anderen Ländern) nicht nur Zoll, sondern auch Mehrwertsteuer (MWSt.; s. Link unten auf der Seite). Da ich diese also in meinem Land zahle, habe ich weder Grund noch Lust, sie zusätzlich in einem anderen Land zu bezahlen.

      Der Absender im EU-Land hat auch keinen Grund, Mehrwertsteuer von mir zu verlangen, wenn er mir etwas verkauft – bei Versand in ein Nicht-EU-Land muss er sie nämlich in seinem Land auch nicht abführen.
      Bei seriösen Händlern ist das überhaupt kein Problem; in den AGB (Allgemeinen Geschäftsbedingungen) wird allerdings nur relativ selten darauf hingewiesen, dass bei Versand in das Nicht-EU-Ausland die MWSt. entfällt. Ich habe mir angewöhnt, diesen Sachverhalt bei Fehlen eines solchen Hinweises vor einem Kauf durch eine kurze E-Mail-Anfrage zu klären. Wie gesagt: Ein Händler in der EU hat keinen legalen Grund, das Abziehen der MWSt. seines Landes vom Kaufpreis zu verweigern. Will er sie trotzdem von mir kassieren, hat er einen Kunden verloren.

      Ich habe schon interessante Reaktionen von Verkäufern erlebt, etwa den Zubehör-Händler, der mir zwar die bestellten Artikel abzüglich der deutschen MWSt. lieferte, aber mir mit der Sendung mitteilte, dass ihm dieser Verwaltungsaufwand zu hoch sei und er deswegen in Zukunft nicht mehr in die Schweiz liefern werde. Zugegeben, das ist einige Jahre her, und ob sich bei der heutigen Wirtschaftslage noch ein Händler eine 500-Euro-Bestellung entgehen lassen würde, weil er die unglaublich komplexe Rechenoperation Kaufpreis/1,19 durchführen muss, weiss ich nicht.
      Meist trifft man allerdings auf Händler, die nicht nur seriöse und ehrliche Kaufleute sind, sondern die auch verstanden haben, warum die Amerikaner das Wort Customer gelegentlich auch Cu$tomer schreiben.

      Absolut vorbildlich handhabt das die Firma → Amazon: Die deutsche Mehrwertsteuer wird automatisch abgezogen, Sendungen ab € 20,– sind versandkostenfrei, und bis zu einem Warenwert von ca. € 160,– fällt bei Buchsendungen in die Schweiz keine Zollgebühr an. Ich muss zugeben, dass wir hier in der Schweiz damit den deutschen Kunden gegenüber sogar → im Vorteil sind. (Einen Nachteil gibt es allerdings auch: Foto- und Elektronikartikel werden meist nicht in die Schweiz versandt; es ist hilfreich, jemanden in Deutschland zu haben, der die Sendungen entgegennehmen kann.) Ein Beispiel: Meine letzte philatelistische Bestellung bei Amazon, der Michel Karibik-Katalog, kostet in Deutschland € 79,–. Hier in der Schweiz bekomme ich ihn für € 73,83 ins Haus geliefert.

 

Versand – Kosten und Service

      Die schweizerische Zollverwaltung hat bei der Berechnung von Zoll und Mehrwertsteuer (s. o.) eine kleine Eigenart: Die Versandkosten werden zum reinen Warenwert addiert und damit ebenfalls mit Zoll und Steuer belastet. (Ja, ich weiss – logisch ist das nicht.)
      Ein teurer Versand wird durch diese Berechnung also bei der Einfuhr auch noch einmal teuer. Hier geht es zwar nur um relativ kleine Beträge, aber es sind unter Umständen vermeidbare Mehrkosten.

      Generell bevorzuge ich den Versand mit der ganz „normalen“ Post – wenn mir der Verkäufer die Wahl lässt. Im Moment diskutiere ich mit einem meiner bevorzugten Auktionshäuser, das die eigenartige Angewohnheit hat, alle Sendungen (einschliesslich der Kataloge!) mit DHL zu versenden. Das würde ich gerne zugunsten eines schlichten Postversands, gegebenenfalls als Einschreiben, ändern; die Gründe habe ich der betreffenden Firma schriftlich dargelegt und fasse sie hier noch einmal zusammen:

      Vielleicht ist es unfair, dass ich hier immer „DHL“ schreibe; es ist möglicherweise bei FedEx oder UPS auch nicht anders und schon gar nicht besser. DHL begegnet mir aber eben bei besagtem Auktionshaus immer wieder, und nur damit habe ich Erfahrungen. Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich die gute alte Post manchmal eben doch bevorzuge.

 

Fazit

      Als Philatelist in der Schweiz mit Interesse an vielen europäischen und aussereuropäischen Gebieten ist man praktisch darauf angewiesen, im Ausland einzukaufen. In der Mehrzahl der Fälle ist das völlig unproblematisch, aber es empfiehlt sich, auf einige kleine Dinge am Rande zu achten.


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Copyright © 2012 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 26. Dezember 2012, letzte Bearbeitung am 26. Dezember 2012.


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