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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Gedanken zum Jahreswechsel 2014/2015

Harold Lasswell und klassische-philatelie.ch

      Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, schon einmal von Harold Dwight Lasswell gehört? Ich gestehe, dass mir dieser Name im November bei der Redaktionskonferenz einer Fachzeitschrift zum ersten Mal begegnete. In Kreisen von Kommunikations- und Medien-Profis ist allerdings, wie ich bei dieser Gelegenheit lernte, die Lasswell-Formel ein fester Begriff, wenn es um die Analyse von Kommunikation zwischen Absender und Empfänger geht. Sie lautet

      Ich fand es interessant, diese Überlegung einmal auf meine Website anzuwenden. Kritisches Reflektieren über das, was man da seit Jahren im stillen Kämmerlein für Leser schreibt, die man mehrheitlich nicht kennt, kann ja nicht schaden …

 

Wer sagt was zu wem in welchem Medium mit welchem Ergebnis?

      Das „Wer“ ist kein Geheimnis – Sie finden auf dieser Site einen Link zu einer (beruflichen) Kurzbiographie, und Sie wissen, in welchen philatelistischen Organisationen ich Mitglied bin. Viel mehr brauchen Sie über mich privat auch nicht zu wissen; in so genannten „sozialen Netzwerken“ werden Sie mich nie finden (mit → einer Ausnahme, aber die ist beruflich bedingt), weil der Rest meines Privatlebens auch genau das bleiben soll: privat.
 

Wer sagt was zu wem in welchem Medium mit welchem Ergebnis?

      Die Frage nach dem „Was“ ist eigentlich die am einfachsten zu beantwortende: Der Name der Website ist Programm, dass vor einiger Zeit die Postgeschichte dazu gekommen ist, wird aus dem auf jeder Seite abgebildeten Logo ersichtlich. Trotzdem wird das wohl immer noch nicht auseichend deutlich, wenn ich die monatlichen Statistiken der Begriffe sehe, nach denen gesucht wird: Wie lässt sich Mondlandung irgendwie als „klassisch“ interpretieren? Hier lässt sich die Kommunikation zwischen Sender (mir) und Empfänger (Ihnen) vielleicht noch verbessern; ich versuche es zunächst mit einem neuen Logo (ab heute) auf der Startseite, um deutlicher zu machen, worum es geht.
 

Wer sagt was zu wem in welchem Medium mit welchem Ergebnis?

      Der Leser, das unbekannte Wesen für jeden Autor. Zu wem spreche ich, wen will ich erreichen, wen kann ich überhaupt erreichen? Konstant etwa 5000 Besucher pro Jahr seit knapp zehn Jahren sind in Zeiten eines ständig abflauenden Interesses an der Philatelie nicht schlecht für eine special-interest-Website wie diese, aber die Zahl allein sagt noch nichts darüber, wer diese Besucher sind. Eine „philatelistische Elite“, wie ein Szene-Kenner einmal meinte, ist nicht primär meine Zielgruppe; ich möchte den Reiz der klassischen Philatelie ja gerade einem breiten (philatelistischen) Publikum nahebringen.
      Erfreulicherweise stelle ich aber in persönlichen Gesprächen wie auch in elektronischer Kommunikation fest, dass diese „ganz normalen“ Philatelisten in meinem Leserkreis die Mehrheit stellen. Das ist ebenso erfreulich wie beruhigend – und wahrscheinlich wäre es vermessen, zu glauben, dass eine einzige kleine Site den grossen Durchbruch für die Klassik und Postgeschichte bringen kann. Der Fehlschlag mit der Site altbriefsammler.ch zeigte mir allerdings auch, dass das Bereitstellen eines Angebots im Web nichts nutzt, wenn es nicht wahrgenommen wird. Das führt automatisch zum nächsten Punkt:
 

Wer sagt was zu wem in welchem Medium mit welchem Ergebnis?

      Das Internet, genauer, das World Wide Web (der Unterschied dürfte vielen Benutzern des WWW nicht unbedingt geläufig sein), hat eigene Regeln. Das geniale Konzept des Hyperlinks, des direkten Verweises auf andere Inhalte also („andere“ bedeutet hier sowohl „an anderer Stelle zu finden“ als auch „von anderen Autoren erstellt“), bewirkt, dass – wie im wirklichen Leben – derjenige erfolgreich ist (= Zugriffe auf seine Site generiert), der am besten vernetzt ist. Die Algorithmen aller Suchmaschinen berücksichtigen bei ihren Rankings, wie oft eine Site von anderen Websites aus verlinkt ist. Verlinkst Du mich, verlinke ich Dich ist ein uraltes Prinzip, das letztlich dann in Konstrukten wie den (selbst dazu ernannten) „100 besten Websites zum Thema …“ endet. Ich habe mich mit allen Websites, die ich bisher betrieben habe oder noch betreibe, aus solchen Sammlungen herausgehalten. Warum? Die meisten der in solchen Sammlungen enthaltenen Sites sind entweder direkt kommerziell (Händler), oder sie belästigen ihre Leser mit mehr oder weniger passender Werbung. Bei solchen Modellen zählt natürlich jeder Klick …
      Sollte mir eine Leserin oder ein Leser einen → Webring zeigen, der ausschliesslich aus nicht-kommerziellen und werbefreien Sites besteht, streiche ich den obigen Absatz gerne.
      Ich könnte meine Besucherzahl wahrscheinlich deutlich steigern, wenn ich kommerzielle Inhalte auf meiner Site zulassen und sie aktiv über ein begleitendes Facebook-Account bewerben würde. Beides ist nicht mein Stil – als Fazit bleibt damit für jeden Web-2.0-Enthusiasten die Feststellung, dass ich die Möglichkeiten des Mediums unzureichend nutze. Damit kann ich gut leben.
      Das Medium WWW hat sich, neben der überbordenden Kommerzialisierung, noch in weiterer Hinsicht negativ entwickelt: Immer mehr Inhalte werden in „Häppchenform“, zum schnellen Konsum zwischendurch, angeboten. Artikel, die ein Thema vertieft behandeln, findet man zunehmend seltener – nicht nur in der Philatelie. (Ein klassisches Beispiel aus einem anderen Medium sind die, vorwiegend an Bus- und Tram-Haltestellen und in Bahnhöfen ausliegenden, Gratiszeitungen. (1)) Wer hat heute noch Lust (nein, nicht Zeit – die hätte man, oder besser, man hätte sie, wenn man nicht wertvolle Lebenszeit bei Facebook, Whatsapp und ähnlichem Schwachsinn vergeuden würde), neben der Nachricht auch noch Analysen und Kommentare zu lesen? Ich schreibe, eben nicht der „modernen“ Nutzung des Mediums entsprechend, für Leser, die in der Lage sind, einem Text auch noch zu folgen, wenn er Relativsätze enthält, und die willens sind, sich auf einen Text inhaltlich einzulassen. (Artikel wie → dieser lassen allerdings hoffen, dass die Tendenz zur allgemeinen Verdummung irgendwann wieder kippt.)
      Das gehört nur grenzwertig zum Thema, aber ich musste es irgendwann einmal loswerden; der von mir kritisierte Sachverhalt wirft ausserdem ein interessantes Licht darauf, wie Nutzung von und Umgang mit Informationstechnologie heute gesehen wird: Ich habe Ende der achtziger Jahre auf einer PDP-11 in FORTRAN u. a. ein Programm für stereotaktische Punktionen geschrieben. Als ich mir einen mathematischen Koprozessor für meinen „AT-Kompatiblen“ geleistet hatte, habe ich das Ganze in C umgeschrieben. Das war für die damalige Zeit weder ungewöhnlich noch herausragend, sondern in meinem Umfeld normal. Nicht normal finde ich allerdings, dass ich mich heute dafür von gewissen Kreisen der schreibenden Zunft als digital immigrant bezeichnen lassen muss. Die Angehörigen der Generation dagegen, die gerade noch auf der Glasscheibe ihres Smartphones herumpatschen kann, aber mit der Anwendung der Formel für die Standardabweichung in Excel überfordert ist, sind die digital natives. Liebe Journaille: Was immer Sie rauchen – ich bin sicher, dass das Zeug illegal ist.
 

Wer sagt was zu wem in welchem Medium mit welchem Ergebnis?

      Unter Berücksichtigung des oben Gesagten der vielleicht am schwierigsten zu beantwortende Punkt: Es gibt keine „likes“ oder „Daumen hoch“ (beides übrigens völlig sinnlos, solange ich nicht auch meinem Unmut Ausdruck geben kann), ich führe kein Gästebuch und betreibe kein Forum. Ziehe ich als Bewertung des Ergebnisses die Einschätzung von Profis heran, kann ich natürlich auf die Auszeichnung dieser Site anlässlich der IPhLA 2012 verweisen, aber das, was dort bewertet wurde, ist nicht das Erreichen des primären Ziels, mit dem ich diese Site ins Leben gerufen habe: Schon in der ersten Version der Seite „Über diese Website“, die ich vor fast zehn Jahren ins Netz gestellt habe, hiess es unter der Überschrift Warum entstand diese Website? unter anderem „Diese Site ist jedenfalls der Versuch, das bestehende Defizit in bescheidenem Umfang zu korrigieren. […] Wenn auch nur ein Sammler hier eine Information findet, die ihm vorher nicht bekannt war, hat die Site eigentlich schon ihren Zweck erfüllt. Wenn ich vielleicht bei einem Leser (oder einer Leserin) das Interesse an klassischen Marken überhaupt erst wecken kann, wäre das noch schöner.“ Das war (und ist) mein ganz persönlicher Anspruch; inzwischen haben mich zahlreiche Kommentare davon überzeugt, dass ich ihm gerecht geworden bin.
 

Fazit

      Herr Lasswell wäre wohl nur eingeschränkt mit mir zufrieden: Das Was muss für den potenziellen Leserkreis deutlicher werden, und bei der Nutzung des Mediums verschliesse ich mich „modernen“ (und kommerziellen) Trends. Letzteres geschieht allerdings sehr bewusst und scheint den Kreis von Lesern, auf den es mir ankommt, genauso wenig zu stören wie mich.


Fussnoten:

  1. Nachtrag 31. Januar 2015: Einen interessanten Artikel dazu fand ich als Gast-Blog in der Berner Tageszeitung → Der Bund am 27. Januar. Das in diesem Artikel erwähnte Blatt 20 Minuten ist eine solche, in der Schweiz verbreitete Gratiszeitung.

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Erste Veröffentlichung am 1. Januar 2015, letzte Bearbeitung am 31. Januar 2015.


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