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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Philatelistische Miscellen

Klassische Marken ganz anders sammeln:
„Briefmarken auf Briefmarken“ als thematische Sammlung

Ko-Autor dieser Seite: Karl Heinz Wyes

      Wenn Sie die schlichte Schönheit klassischer Marken fasziniert, wenn Ihnen aber Zeit oder Lust fehlen, sich mit all dem auseinander zu setzen, was der Aufbau einer klassischen Sammlung mit sich bringt – da sind die Literaturbeschaffung, die Fälschungs-Problematik, und nicht zuletzt natürlich die teilweise nicht unerheblichen Investitionen –, dann probieren Sie es doch einmal mit einer thematischen Sammlung (fälschlich vereinfachend auch „Motivsammlung“ genannt) zum Thema „Klassische Briefmarken auf Briefmarken“.

      Die Idee ist ganz sicher nicht neu oder originell, aber es ist trotzdem ein interessanter Ansatz. Sie können eine solche Sammlung unter verschiedenen Gesichtspunkten aufbauen, etwa als Ländersammlung (z. B. „Deutsche Briefmarken auf Briefmarken“), als Sammlung ausschliesslich von Erstausgaben (nur „Nr. 1“ auf Briefmarken), oder als Sammlung von Ausgaben früherer Kolonien, die Marken des Mutterlandes zeigen.

      Das Gebiet Deutschland zum Beispiel gibt einiges an Material für eine solche Sammlung her. Interessanterweise wurde das Jubiläum „50 Jahre deutsche Briefmarken“, das man ab 1899 hätte feiern können, von der Staatspost, der Deutschen Reichspost, völlig ignoriert; auch die Länder Bayern und Württemberg, die ja zu dieser Zeit noch ihre eigenen Marken hatten, liessen die Gelegenheit zu einer Sonderausgabe ungenutzt verstreichen.
      (Das Jubiläum „100 Jahre deutsche Briefmarken“ wurde dann in beiden deutschen Staaten mit entsprechenden Ausgaben begangen, dazu unten mehr.)

Dresden Hansa; „Dresdendreier“

      Nun war die Zeit der Jahrhundertwende noch eher eine Zeit der nüchternen Markenmotive, der grosse – von den heutigen Sammlern schon wieder beklagte – „Boom“ der Gedenkausgaben zu allen möglichen Anlässen hatte noch nicht begonnen. Lediglich bei der deutschen Privatpost finden wir eine Ausgabe, die man in eine solche Sammlung einbeziehen könnte, obwohl das Motiv nicht eine Briefmarke auf einer Briefmarke zeigt, sondern gleich die klassische Marke insgesamt kopiert. Gemeint ist der so genannte Dresdendreier, der das Motiv des klassischen „Sachsendreiers“ aufnimmt (Abb. links).
 
Dresdner Verkehrs-Anstalt Hansa 1899
MiNr. 114

      Diese erste sächsische Marke ist als Motiv sehr beliebt; sie begegnet uns z. B. auch auf einer Privatpostkarte der DDR aus dem Jahr 1952:

Privatpostkarte DDR mit Sachsen Nr. 1 als Motiv
Wertstempel: DDR MiNr. 328

      Beginnen wir unsere Suche nach Marken auf Marken (und Belegen) mit der DDR: Dort erschien am 30. 10. 1949 und damit fast auf den Tag genau 100 Jahre nach dem „Schwarzen Einser“, der ersten deutschen Briefmarke (Bayern 1 Kreuzer schwarz, Ausgabedatum 1. 11. 1849), eine Marke zum „Tag der Briefmarke“, auf der die Nr. 1 von Bayern dargestellt ist.
      Acht Monate später, am 1. Juli 1950, erschien eine ähnlich gestaltete Marke zur Deutschen Briefmarkenausstellung DEBRIA in Leipzig mit der 3 Pfennig Sachsen als Motiv:

DDR MiNr. 245 und 260
Links: Tag der Briefmarke, DDR MiNr. 245
Rechts: Deutsche Briefmarkenaustellung DEBRIA, DDR MiNr. 260

      Zum gleichen Anlass gab es am 26. August 1950 eine Blockausgabe, die beide oben gezeigten Marken geschnitten enthält:

DDR Block 7
Deutsche Briefmarkenaustellung DEBRIA, DDR Michel Block 7 mit MiNr. 271 und 272

      Für Thematik-Sammler interessant: Eine Privatpostkarte zur JUPOSTA 1958; der Zudruck zeigt ein waagerechtes Paar der MiNr. 2 von Sachsen aus dem Jahr 1851:

DDR Karte zur JUPOSTA 1958
JUPOSTA 1958; Frankatur: DDR MiNr. 641; Gefälligkeitsstempelung mit Sonderstempel

      Am 6. 10. 1981 gab es zum „Tag der Philatelisten“ ein nur ziemlich selten vorkommendes Motiv: Die Abbildung ganzer Belege auf Briefmarken. Hier stand aber nicht Philatelie, sondern Ideologie hinter der Motivwahl, denn die beiden Marken zeigen einen 1840 (Vorphilatelie!) geschriebenen Brief von Friedrich Engels und eine 1878 von Karl Marx geschriebene Postkarte aus England:

DDR MiNr. 2646
DDR MiNr. 2647
DDR MiNr. 2646 und 2647

      Im Jahr 1982 erschien dieser schön gestaltete Schmuckumschlag, der Entwürfe zu sächsischen Portomarken zeigt:

DDR Schmuckumschlag 1982
Schmuckumschlag mit sächsischen Markenentwürfen

      Erst am 8. 5. 1990, kurz vor der Postunion mit der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, erschien zum Jubiläum „150 Jahre Briefmarken“ eine Ausgabe mit drei Werten (MiNr. 3329–3331), von denen zwei in unser Sammelgebiet passen: Eine Marke zeigt die britische Nr. 1, die „Penny Black“, eine andere die Sachsen Nr. 1 („Sachsendreier“), die dritte eine frühe Ausgabe der DDR, die MiNr. 242.

      Damit schliessen wir die DDR ab und kommen zum Gebiet Bundesrepublik Deutschland. Schon die zweite Ausgabe der jungen Republik, die am 30. 9. 1949 zum Anlass „100 Jahre deutsche Briefmarken“ erschien, zeigt als Motiv die Bayern MiNr. 1, 2 und 4.

Bundesrepublik MiNr. 113-115
Bundesrepublik MiNr. 113–115
Bundesrepublik MiNr. 141

      Bereits 1951 ging es (Ausgabedatum 14. 9.) mit zwei Werten zur NBA, der Nationalen Briefmarkenausstellung in Wuppertal, weiter. Der Michel 2006/2007 beschreibt das Motiv als „Altdeutsche Marken unter der Lupe“, ein genauer Blick zeigt, dass hier die Nr. 1 von Baden dargestellt ist.
 
Bundesrepublik MiNr. 141
(Mit gleichem Motiv, aber in anderer Farbe, gibt es die MiNr. 142, Wertstufe 20+3 Pf.)

      In zwei Auflagen erschien 1959 (22. 5. und 22. 8.) die Ausgabe „Internationale Postwertzeichen-Ausstellung (INTERPOSTA) Hamburg“ mit Abbildungen der Hamburg MiNr. 2 und Lübeck MiNr. 3F.

Bundesrepublik MiNr. 310a und 311a
Bundesrepublik MiNr. 310a und 311a
Diese Erstauflage unterscheidet sich von der zweiten Auflage („b“-Nummern) in der Farbe der Randbeschriftungen und der Wertziffern.

      Im Jahre 1965 wurde am 28. 8. des Jubiläums „125 Jahre Briefmarken“ gedacht; die Thurn und Taxis MiNr. 5, 7 und 18 bilden die Zahl 125.
      Der „100. Jahrestag der Gründung des Norddeutschen Postbezirks“ wurde am 5. 9. 1968 mit einer Marke gefeiert, die zwei Ausgaben (MiNr. 4 und 10) dieses Postgebiets zeigt (ohne Abbildung). Fast auf den Tag genau ein Jahr später, am 4. 9. 1969, erschien zum Philatelistentag in Garmisch-Partenkirchen eine Marke mit einer Darstellung der Bayern MiNr. 15, dem Original entsprechend in aufwändigem Prägedruck.

Bundesrepublik MiNr. 482
 
Bundesrepublik MiNr. 482
Bundesrepublik MiNr. 601
 
Bundesrepublik MiNr. 601
Bundesrepublik MiNr. 981
 
Bundesrepublik MiNr. 981

      Danach gab es in Sachen Briefmarken auf Briefmarken längere Zeit nichts mehr, erst einer der beiden Werte zum „Tag der Briefmarke“ (MiNr. 980–981, 12. 10. 1978) zeigt mit der Sachsen MiNr. 1 („Sachsendreier“) wieder eine klassische Marke (Abbildung links und unten).
      Die Ausgabe „100 Jahre Briefmarkenspendeaktion für Bethel“ vom 10. 11. 1988 passt nicht in unsere thematische Sammlung, denn sie zeigt nur Briefstücke mit relativ neuen deutschen Ausgaben. Ebenso können wir die am 20. 4. 1989 zur „Weltausstellung für philatelistische Literatur IPHLA ’89“ in Frankfurt ausgegebene Marke nicht gebrauchen, denn die Stücke auf dieser Marke sind nicht klar zu identifizieren. (Die Marke ist auf dieser Seite abgebildet.)

Bundesrepublik MiNr. 980–981 im Zusammendruck auf FDC
 
Bundesrepublik MiNr. 980–981 im Zusammendruck auf FDC

      Nach langer Pause gab es dann am 27. 4. 1999 eine sehr schöne Blockausgabe, die mit Abbildungen der MiNr. 1 von Bayern („Schwarzer Einser“) und Sachsen („Sachsendreier“) gleich zwei Anlässe feierte: „150 Jahre deutsche Briefmarken“ und „Internationale Briefmarkenausstellung IBRA ’99“ in Nürnberg:

Bundesrepublik Block 46 mit MiNr. 2041
 
Bundesrepublik Block 46 mit MiNr. 2041
Der geschlossene Mühlradstempel „243“ ist stilecht gewählt; er gehörte zu Nürnberg.
(Grosses Bild)

      In den anderen deutschen Nachkriegs-Postgebieten (amerikanische und britische Zone, französische Zone, Saarland, West-Berlin) gab es keine zum Thema Briefmarken auf Briefmarken passenden Ausgaben.

      Das, so werden Sie jetzt zu Recht einwenden, ist zwar alles ganz nett, aber diese vielleicht zwei Dutzend Marken, Blocks und Ganzsachen bilden keine Sammlung. Das ist richtig, aber eine thematische Sammlung bietet eben ganz andere Möglichkeiten, ein Gebiet zu bearbeiten, als die klassische Ländersammlung.

      Zunächst einmal könnten wir das Thema grundsätzlich erweitern, etwa von Klassische deutsche Briefmarken auf Briefmarken zu Deutsche Postgeschichte des 19. Jahrhunderts auf Briefmarken. Wir überlassen es Ihnen, jetzt aus dem Michel die Marken mit Abbildungen von Briefträgern, Briefkästen und Posthausschildern heraus zu suchen. Die oben abgebildete MiNr. 980 etwa zeigt ein badisches Posthausschild aus dem Jahr 1844. (Achten Sie auch einmal auf die Bund MiNr. 825 – diese Marke findet auch in einer entsprechenden thematischen Sammlung der Schweiz ihren Platz!)

Sonderstempel mit klassischer Marke von Mecklenburg-Schwerin

      Dann gehören in eine thematische Sammlung natürlich neben Marken und Ganzsachen auch Stempel. Geeignet sind etwa Sonderkarten zu den oben genannten Ausstellungen, die neben der Marke auch noch ein Bild der entsprechenden klassischen Ausgabe tragen.
      Zum Thema Stempel nur ein Beispiel: Vom 30. 6. bis 2. 7. 2006 gab es in Schwerin den Mecklenburg-Salon, eine Ausstellung zum 150-jährigen Jubiläum der Marken von Mecklenburg-Schwerin. Einer der dabei verwendeten Sonderstempel (Abb. links) passt hervorragend in unsere Sammlung.

      Schliesslich dürfen wir den wichtigsten Unterschied zur Ländersammlung nicht vergessen: Unsere thematische Sammlung ist ja ihrer Natur nach nicht auf deutsche Marken beschränkt; wir können alle Marken mit aufnehmen, die ein entsprechendes Motiv zeigen:

Ausgabe der Marshall-Inseln mit deutscher Kolonialmarke als Motiv
Ausgabe von Togo mit deutschen Kolonialmarken als Motiv Deutsche Marken als Motiv auf
Ausgaben ausländischer Postverwaltungen
 
Oben: Ersttagsbeleg der Marshall-Inseln (2. 5. 1984, MiNr. 1)
Links: Sondermarke von Togo zum 65-Jahre-Jubiläum der togoischen Postdienste (12. 1. 1963, MiNr. 356)
Unten: Kleinbogen aus Bulgarien zur Briefmarkenmesse in Essen (6. 4. 1990, MiNr. 3831)
Kleinbogen Bulgarien MiNr. 3831 mit Bayern MiNr. 1
 

      Die thematischen Sammler („Motivsammler“) sind eine ideale Zielgruppe für Komplettausgaben von „Weltkatalogen“, oder sie nutzen den Michel Online-Katalog – wie soll man sonst erfahren, was es eigentlich gibt? Nur, wenn Sie die Markenausgaben aller Länder sorgfältig studieren, können Sie feststellen, dass es eben auch in Deutschland eine Marke mit einer Abbildung der „Penny Black“ gibt (s. o.).
      Ungarn beispielsweise hat etliche Marken herausgegeben, die als Motiv klassische Ausgaben anderer Länder zeigen:

      Während wegen der üblen, auf das „Abzocken“ von Sammlern (Entschuldigung, aber man kann es nicht anders nennen) ausgerichteten Ausgabepolitik kaum jemand für eine Ländersammlung Ungarn zu begeistern ist – erst 1992 wurde der dumme Brauch der Parallel-Ausgabe geschnittener und gezähnter Marken aufgegeben –, freut sich der thematische Sammler. „Gute“ und „böse“ Länder können ihm egal sein; eine Markenpolitik, die selbst kleinste Anlässe als Grund für eine eigene Briefmarkenausgabe ansieht, sorgt dafür, dass er mehr Material findet, das zum Thema passt.

      Einige Beispiele für Ausgaben mit dem Motiv „Klassische Marken auf Marken“ aus anderen als deutschen Sammelgebieten:

Dänemark Block 1 Dänemark Block 2
Dänemark: Block 1 (MiNr. 580–583), 27. 2. 1975 (links) und Block 2 (MiNr. 807–810), 20. 11. 1975 (rechts).
Block 1 zeigt, eher ungewöhnlich, keine verausgabten Marken, sondern Essais.
(Siehe dazu auch die Seite Essais und Essai-Neudrucke in der Sektion Dänemark.)
Brasilien Block 55
Brasilien: Block 55 (MiNr. 1983–1985), 29. 7. 1983.
Rumänien MiNr. 5339
Rumänien: MiNr. 5339 (Zusammendruck aus Markenheftchen), 17. 9. 1998.

      Falls Sie also aus den eingangs genannten (oder anderen) Gründen nicht Originale klassischer Marken sammeln wollen, ist eine thematische Sammlung vielleicht eine echte Alternative? Das, was wir hier am Beispiel deutscher Ausgaben gezeigt haben, lässt sich für viele andere Gebiete umsetzen – und letztlich sind diese Marken, die als Motiv ihre eigenen „Vorfahren“ zeigen, die vielleicht schönste Reverenz, die man den Klassikern erweisen kann.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 30. Juli 2006, letzte Bearbeitung am 1. Mai 2011.


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