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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Niederlande

Klassische Ausgaben: Zweite Ausgabe (1864)

Niederlande, Ausgabe 1864, Haarlemer Druck, NVPH 4IIB und 6B
Ausgabe 1864, Haarlemer Druck, NVPH 4IIB und 6B

„Of course there is no accounting for tastes, but in our personal opinion these are the finest classic Dutch stamps.“
(Natürlich muss man über Vorlieben keine Rechenschaft ablegen, aber nach unserer
persönlichen Meinung sind dies die schönsten klassischen Marken der Niederlande.)

Auktionshaus Van Dieten über die Ausgabe von 1864

      Ähnlich wie bei Brasilien, wo die zweite Ausgabe, die Ziegenaugen, immer ein wenig im Schatten der Erstausgaben, der Ochsenaugen, steht, verhält es sich in den Niederlanden mit der Ausgabe von 1864. Es wäre aber schade, vor lauter Begeisterung über dem Plattieren der 5, 10 und 15 Cent von 1852 diese Ausgabe zu ignorieren: Es waren die ersten gezähnt verausgabten Marken der Niederlande, die zwei unterschiedlichen Drucke machen sie philatelistisch interessant, und schliesslich wurden sie in wesentlich geringerer Stückzahl gedruckt als ihre Vorgänger.

      Die drei Wertstufen dieser Ausgabe ergeben insgesamt acht verschiedene Marken: Der kleinste Wert, die 5-Cent-Marke, wurde von zwei Platten gedruckt, und alle Marken, die beiden 5-Cent-Typen wie die 10- und 15-Cent-Marke, gibt es als Utrechter Druck und Haarlemer Druck.

      Ein offizielles Ausgabedatum und somit einen klar definierten Ersttag gibt es bei dieser Ausgabe nicht; die Marken lösten die erste Ausgabe im Postbetrieb nach und nach ab. Die frühesten bekannten Verwendungsdaten liegen zwischen Mai und November 1864; Platte II des 5-Cent-Wertes wurde ab September 1865 gebraucht.
      Bis 1866 wurden die Marken, wie die erste Ausgabe, in der Reichsmünze (Rijks Munt) in Utrecht gedruckt; wegen Kapazitätsengpässen wurde der Druck dann an die Firma Joh. Enschedé & Zn. in Haarlem übertragen. Mit königlichem Dekret vom 1. September 1866 wurde verfügt, dass zum 1. Oktober 1866 die Druckplatten an diese Firma zu übergeben seien. Dort wurden am 29. Dezember 1866 die ersten Marken gedruckt. Verwendungen des Utrechter Drucks der 15 Cent auf Briefen findet man noch bis Juni 1868, da von dieser Wertstufe in der Reichsmünze sehr viele Marken „auf Vorrat“ gedruckt worden waren.
      Insgesamt war die Haarlemer Auflage deutlich kleiner als die Utrechter (jeweils ca. 30–40% der Anzahl Utrechter Marken; die Katalognotierungen der beiden Drucke unterscheiden sich allerdings nicht siginifikant). Briefe mit Marken im Haarlemer Druck sind entsprechend seltener als solche der Utrechter Ausgabe.

      Nachdem wir die Hintergründe der beiden verschiedenen Ausgaben nun kennen, schliesst sich logisch die Frage an:

Wie kann man Utrechter und Haarlemer Druck unterscheiden?

      Die Antwort ist ebenso einfach wie unbefriedigend: Häufig überhaupt nicht.
      Der Michel Klassik-Katalog schreibt dazu „Beide verwendeten die gleichen Platten und gleiches Papier. Eine Unterscheidung der beiden Auflagen ist z.T. anhand der Farben möglich, jedoch äußerst schwierig und in vielen Fällen unmöglich.“
      Im NVPH-Katalog heisst es „Het verschil tussen beide drukken is aan lose zegels meestal moeilijk, soms onmogelijk vast te stellen. […] De kleurschakeringen kunnen een indicatie zijn.“
      (Der Unterschied zwischen beiden Drucken ist an losen Marken meist schwer, manchmal unmöglich festzustellen. […] Die Farbschattierungen können ein Hinweis sein.)

      Einfach ist die Unterscheidung der Farben allerdings auch nicht, wie diese Abbildung aus dem Artikel von Korteweg (s. Literatur) zeigt:

Niederlande, Ausgabe 1864, Farben des Utrechter und Haarlemer Drucks
Farbtafel aus dem Artikel von Korteweg
(Grosses Bild, 1600x706, 1,3 MB)

      Bei Cleij finden wir folgende Farbaufstellung:

Wertstufe Utrechter Druck Haarlemer Druck
(kursiv) Farbe unter der Quarzlampe
5 Cent blau (grünblau) indigoblau (violettblau)
10 Cent rosa, hellrot (gelbbraun) weinrot (rotbraun)
15 Cent orange (dunkelbraun) gelborange (hellbraun)

      Müsste ich dieses Gebiet jetzt von Grund auf erarbeiten, würde ich anhand von Briefen oder Marken mit klar lesbarem Datumsstempel eindeutige Referenzsammlungen der Utrechter und Haarlemer Drucke anlegen und weitere Stücke damit vergleichen. Im Moment bleibt mir nur die Option, mich auf Marken mit einem Attest eines renommierten Prüfers zu beschränken. Der oben auf dieser Seite gezeigte Brief wie auch das unten abgebildete Stück sind von Dr. Albert Louis attestiert – keine weiteren Fragen …

Niederlande, Ausgabe 1864, Haarlemer Druck, NVPH 6B (Paar)
Ausgabe 1864, Haarlemer Druck, NVPH 6B im waagerechten Paar

Literatur:


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Copyright © 2008 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 7. Juni 2008, letzte Bearbeitung am 7. Juni 2008.


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