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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Österreich

Ausgabe 1850: Einleitung

Österreich Nr. 1–5
Nachdruck der fünf Wertstufen der ersten Ausgabe
(aus der Faksimile-Mappe zur Ausgabe 1850)

 

Entstehung der ersten Ausgabe

      Ein „Provisorium“ sollte sie sein, diese erste Ausgabe – und blieb dann doch 8½ Jahre in Gebrauch. Die Einführung der Briefmarke in Österreich geschah sehr schnell, vielleicht auch etwas überhastet. Ferchenbauer weist darauf hin, dass man von dem Ziel motiviert war, nicht hinter anderen Ländern zurückzubleiben, und so passierte alles, als man sich endlich entschlossen hatte, das Projekt „Briefmarke“ anzugehen, innerhalb nur eines Jahres:

      Interessant ist der Zeitraum von nur rund viereinhalb Monaten zwischen dem Bericht an den Kaiser und der Genehmigung der vorgelegten Zeichnung. In dieser Zeit muss der Bericht bearbeitet worden sein, die Entscheidung zur Einführung von Briefmarken wurde gefällt, die Postverwaltung musste das Projekt aufgleisen, einen groben Entwurf vorgeben und einen Grafiker beauftragen. Ein beachtliches Programm für diese kurze Zeit!
      Diese gewisse Hektik, mit der die Einführung der Briefmarke vorangetrieben wurde, ist wohl Schuld daran, dass lange Zeit nicht einmal bekannt war, wem wir den Entwurf der ersten Marke überhaupt zu verdanken haben. Bei Müller (1927) heisst es „Nach der von einem unbekannten und wohl auch unbedeutenden Künstler entworfenen Zeichnung …“. De Frank schreibt 1936 „Ein weiterer Beweis, welche geringe Bedeutung man der Zeichnung dieser ‚Provisorien‘ zuwendete, ist die Tatsache, dass die Ausführung des ‚kleinen Wappens von Österreich‘ nicht einem bekannten Künstler übertragen wurde, sondern von einem Zeichner der Staatsdruckerei, dessen Name leider unbekannt ist, stammt.“
      Dieser erste Entwurf stellte dann aber doch noch nicht die endgültige Zeichnung dar: Die Krone sah anders aus, und die Zweige (Eiche und Lorbeer) waren auf der jeweils anderen Seite als in der definitiven Ausgabe. Der Name des Stechers, Tautenhayn, findet sich auch schon bei Müller, den Namen des Entwerfers (Herz) habe ich allerdings nur im Michel Klassik-Katalog gefunden – im ANK und bei Ferchenbauer ist er nicht erwähnt.

Wer war Herr Herz?

      Als ich diese Seite am 12. 6. 2010 erstmals veröffentlichte, schrieb ich hier: Eine Primärquelle für diese Information habe ich bisher noch nicht gefunden; kann mir jemand unter meinen Lesern da weiterhelfen? Merci! Jemand konnte: Nur drei Tage später bekam ich eine E-Mail von Herrn M. Ullrich (vielen Philatelisten, speziell den Baden-Sammlern, sicher bekannt). Er schrieb:
      „Heute habe ich den neuen Österreich-Beitrag gelesen, in dem Sie die Primärquelle zum Entwerfer der ersten Ausgabe suchen. Der früheste Hinweis auf Regierungsrat Dr. Johannes Jakob Herz (geb. 20. März 1809 in Lemberg, gest. am 9. Dezember 1873 in Wien, 1861 in Wien als Edler von Rodenau geadelt) findet sich meines Wissens in dem Band ‚100 Jahre österreichische Briefmarke‘, 1950 herausgegeben vom Bundesministerium für Verkehr und verstaatlichte Betriebe in Wien anlässlich der 100-Jahr-Feier der österreichischen Briefmarken. Dort wird auf S. 16 ein Lebenslauf von ihm abgedruckt. Herz hat sich vor allem durch sein Buch ‚Die Postreform im deutsch-österreichischen Post-Vereine‘, das im September 1850 in Wien erschien, ein Denkmal gesetzt. Er beschreibt in diesem Buch nämlich sehr detailliert die Ergebnisse seiner Studienreisen nach London und Brüssel zu den dortigen Posteinrichtungen und deren Umsetzung bei der Einführung der Marken in Österreich.
      Leider wurde das Buch nur in einer sehr kleinen Auflage privat gedruckt und kam nie in den Handel, so dass das 234 Seiten starke Werk sehr selten und daher nahezu unbekannt ist.“
      Merci, Herr Ullrich!
 
      Nachtrag im November 2012: Bei der von der Firma → Heinrich Köhler anlässlich der → IPHLA 2012 durchgeführten Literatur-Sonderauktion kam ein Exemplar dieses Buches von Herz zur Versteigerung (Ausruf € 140,–, Zuschlag € 900,–).

      Anfangs waren die Wertstufen 1, 2, 3, 6 und 12 Kreuzer und 5, 10, 15, 30 und 60 Centesimi für Lombardei-Venetien geplant. Wegen einer Änderung der Postgebühren wurden allerdings die hohen Werte noch vor der Ausgabe durch die 9 Kreuzer und 45 Centesimi ersetzt. Die bereits gedruckte Auflage von 1 000 000 (12 Kreuzer) bzw. 500 000 Stück (60 Centesimi) wurde vernichtet; einige wenige 12-Kreuzer-Marken mit Wiener „Franco“-Stempel sind erhalten geblieben (€ 100 000,– nach ANK 2009/2010), aber keine Marke der Wertstufe 60 Centesimi.

 

Handpapier, Maschinenpapier, Wasserzeichen und Andreaskreuze

      Typenunterschiede werden bei den einzelnen Marken diskutiert, aber einige Aspekte dieser Ausgabe sind allgemeingültig. Beginnen wir mit dem Papier: Bei allen Werten gibt es die frühen Ausgaben auf so genanntem Handpapier und die späten Ausgaben (ab 1854) auf Maschinenpapier. Letzteres ist glatt, das Handpapier dagegen rau. Nur beim Handpapier gibt es das gerippte Papier mit 0,3 mm hohen, bei schrägem Lichteinfall erkennbaren „Stegen“. Ebenfalls nur beim Handpapier kommt (selten!) auch das gestreifte Papier vor. Details finden Sie in den Spezialkatalogen.

      Ebenfalls nur beim Handpapier gibt es Wasserzeichen, genauer gesagt, das Bogenwasserzeichen Nr. 1. Es zeigt die Buchstaben KKHM (Kaiserlich-Königliches Handels-Ministerium). Das Wasserzeichen läuft vertikal in der Mitte des Druckbogens. In einem Druckbogen mit 240 Marken können nur jeweils 16–20 Marken Teile des Wasserzeichens enthalten.

Österreich Nr. 1–5 Schematische Darstellung eines Druckbogens mit Wasserzeichen und Andreaskreuzen.
 
(Schriftart und -grösse des Wasserzeichens entsprechen nicht genau dem Original; ich musste nehmen, was Microsoft Excel® bietet.)

      Die im Buchdruck hergestellten Marken wurden in Druckbogen zu je vier Schalterbogen in 8x8-Anordnung gedruckt. Ein Schalterbogen enthielt jedoch nicht 64, sondern nur 60 Marken; dies erleichterte die Abrechnung im damaligen Währungssystem (1 Gulden = 60 Kreuzer). Man beliess jedoch nicht einfach vier Leerfelder auf jedem Schalterbogen, sondern verwendete einen Platzhalter, das Andreaskreuz. Die schematische Darstellung oben zeigt eine der möglichen Anordnungen der Andreaskreuze; sie kommen am linken und rechten Rand des Schalterbogens vor, aber immer in der untersten Reihe und damit nie oberhalb einer Marke. Bei der hier betrachteten ersten Ausgabe von 1850 waren die Andreaskreuze farbig auf weissem Grund; Andreaskreuze auf farbigem Grund sind Raritäten. Ebenso sind Marken mit kompletten anhängenden Andreaskreuzen sehr selten; Sammler freuen sich schon über an der Marke anhängende Teile von Andreaskreuzen, und sogar die losen Kreuze sind Sammlerstücke.

 

„Spezialitäten“ bei dieser Ausgabe

      Diese erste Ausgabe bietet vielfältige Möglichkeiten zur Spezialisierung: Sie können Typen, Gravurtypen (3 Kreuzer), Abstandsvarianten (9 Kreuzer), Andreaskreuzansätze, unterlegte Mittelstücke und dazu natürlich Farben und Plattenfehler dokumentieren – und haben dann das fast unendliche Gebiet der Stempel immer noch nicht bearbeitet. Anregungen geben Ihnen die für eine ernsthafte Beschäftigung mit dieser Ausgabe unverzichtbaren Spezialkataloge ANK und Ferchenbauer.


Die Ausgabe 1850 im Detail:
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Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2010, letzte Bearbeitung am 4. November 2012.


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