Alle Inhalte dieser Site sind urheberrechtlich geschützt; Copyright © C. Ozdoba
Logo der Website „Klassische Philatelie“

 

Klassische Philatelie und Postgeschichte – Privatpost

Bergedorf

      Die Privatpost-Ausgaben von Bergedorf sind ein klassisches Beispiel für die ausschliesslich philatelistisch motivierte Gründung eines privaten Postdienstes.

      Auffallend an diesen Marken ist eine spürbare Freude am schönen Motiv, die man zu dieser Zeit, als die Marken der Reichspost noch sehr nüchtern und zweckmässig gestaltet waren, nur bei den privaten Postdiensten findet. Hier erklärt sich der Aufwand in der Gestaltung natürlich aus der Zielgruppe: Die Marken waren primär für Sammler, nicht für Post-Benutzer bestimmt.

      Ein langes Leben war der „Brief-Beförderungs-Gesellschaft“ in Bergedorf (im Folgenden „BBG“ genannt) nicht beschieden – sie existierte gerade einmal 38 Tage lang, vom 21. 12. 1887 bis zum 28. 1. 1888! Echt gelaufene Belege oder Bedarfs-Stempel gehören damit zu den Privatpost-Raritäten.

      Schaut man sich die Lebensdauer der BBG an, wird man dem Gründer und Betreiber, Herrn A. Salvador jr., kaum besondere Geschäftstüchtigkeit attestieren, jedenfalls nicht, soweit es den Betrieb eines privaten Postdienstes betrifft. Philatelistisch allerdings hatte Herr Salvador durchaus einige gute Ideen, wie wir sehen werden, und ihm war das wichtiger.

      Nach dem missglückten Unternehmen in Bergedorf startete A. Salvador im Februar 1888 sein nächstes Privatpost-Projekt in Lübeck; mehr dazu finden Sie auf einer anderen Seite.

      Die BBG nahm am 21. Dezember 1887 den Betrieb auf; mit diesem Ausgabedatum gibt es eine dreieckige 2-Pfennig-Marke. Man war damit also rechtzeitig zum Weihnachts-Betrieb mit Grusskarten und Briefen „im Geschäft“.

Bergedorf 1. Privatpost-Ausgabe
1. Ausgabe vom 21. 12. 1887, Zähnung 11½
(Die hier gezeigte Abart „teilweise ungezähnt“ ist nicht katalogisiert)

      Bis hierhin kann man das Ganze noch als regulären Postbetrieb ansehen, eher philatelistisch als postalisch wurde es aber schon vier Tage später:
      Am 25. 12. erschien ein Satz mit fünf Werten in den Portostufen 2, 3, 5, 10 und 15 Pfennig. Herr Salvador wollte wohl jedem seiner Kunden das Passende bieten, und so erschien die komplette Ausgabe sowohl gezähnt als auch geschnitten – es ist nicht überliefert, ob die damals gerade einmal gut 8000 Einwohner von Bergedorf das zu würdigen wussten.

Bergedorf 2. Privatpost-Ausgabe
Bergedorf 2. Privatpost-Ausgabe 2. Ausgabe vom 25. 12. 1887
geschnitten

      In bester Bergedorf-Manier – wir erinnern uns an die gut zehn Jahre vorher erschienenen zahlreichen Neudrucke der klassischen Ausgabe aus den 1860ern – gab es übrigens auch farbige Probedrucke auf gekreidetem Karton (Abb. unten) und schwarze Probedrucke auf farbigem Karton; aus einer Ausgabe lässt sich schliesslich viel machen:
      Insgesamt erzeugte Herr Salvador ca. 100 (!) verschiedene Probedrucke für den Satz der Tierbilder – der primär philatelistische Hintergrund dieser Ausgabe steht ausser Frage.

Bergedorf Probedrucke
Probedrucke des 15-Pfennig-Wertes in verschiedenen Farben
(Weitere Ausgaben dieser Probedrucke finden Sie auf der Seite über Privatpost-Probedrucke.)

      Die damaligen Briefmarkensammler haben sich sicher über diesen Satz gefreut, denn optisch war er durchaus gelungen, und noch heute ist er bei Motivsammlern mit Schwerpunkt „Tiere“ als eines der frühesten Beispiele gesucht.


Literatur:


Zurück zur Sektion Deutsche Privatpost / zur Startseite.


Copyright © 2005 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 27. August 2005.


Adresse dieser Seite: http://www.klassische-philatelie.ch/pp_dr/pp_bdorf.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5