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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Privatpost

Bochum – Einleitung

      Die Ausgaben des Privatpost-Unternehmens von Christian Menne in Bochum gelten bei vielen Sammlern als unseriös, weil rein philatelistisch motiviert. Man tut Herrn Menne damit wohl Unrecht; er hatte einfach den falschen Partner für Herstellung und Vertrieb seiner Briefmarken.

      Tatsächlich sind echt gebrauchte Marken selten, und komplette Belege gehören zu den ganz grossen Raritäten der deutschen Privatpost – man kennt nicht einmal ein halbes Dutzend! Meier zu Eissen schreibt allerdings als Fazit seiner sehr ausgewogenen Darstellung: „Die Absicht, lediglich Nutznießer der Philatelisten zu sein, hatte Menne trotz allen gegenteiligen Scheins offenbar nicht.“

      Christian Menne war ein Bochumer Unternehmer, der sich sehr stark im Transportwesen engagierte. Der „Express-Packet-Verkehr“ (eröffnet am 16. Mai 1886) war eine logische Erweiterung seiner Aktivitäten; dessen Umwandlung in den „Privat-Brief-Verkehr“ nach gut einem halben Jahr (1. Januar 1887) erscheint ebenfalls sinnvoll.

      Vom unternehmerischen Standpunkt aus war es sicher auch vernünftig, dass Herr Menne sich beim Einstieg in einen neuen Geschäftszweig, eben die private Postbeförderung, die Hilfe und den Rat von Fachleuten sicherte. Die Gebrüder Senf in Leipzig, damals Deutschlands führende Briefmarkenhändler, schienen ihm ein geeigneter Partner.

      Nach Meier zu Eissen gingen etliche Bochumer Ausgaben auf die Initiative der Senfs zurück, die daran sicher nicht schlecht verdienten. Die Marken sollen allerdings teilweise Bochum nie gesehen haben, und die stetig wachsende Markenflut – 51 Hauptnummern nach Michel allein im Jahr 1887 – führte dazu, dass Sammler und Händler die Menne’schen Marken zunehmend ablehnten.
      Wenn Meier zu Eissen schreibt, Bochum sei schlimmer als Auerbach gewesen – Auerbach ist die wohl berüchtigtste Machwerk-Manufaktur unter den Privatpostanstalten mit ca. 160 Marken innerhalb von zwei Jahren für einen Ort mit etwas mehr als 8000 Einwohnern –, scheint mir das allerdings nicht ganz fair.

Bochum MzE Nr. 41

      Schön waren sie ja, die Bochumer Privatpostmarken, und den Erzeugnissen der Reichspost grafisch weit überlegen, wie die hier abgebildete Marke im Mehrfarbendruck zeigt. Der Entwurf stammt übrigens von Mennes Gattin, die einige Markenentwürfe zum familieneigenen Postbetrieb beisteuerte.

      Obwohl Menne sich durchaus um einen seriösen Postbetrieb bemühte, war der „Privat-Brief-Verkehr“ kommerziell kein Erfolg. Bochum, eine Arbeiterstadt mit damals ca. 40 000 Einwohnern, war einfach nicht das richtige Umfeld für eine solche Einrichtung. Dies ist die in der Literatur mehrheitlich geäusserte Meinung, bei Hungerige wird Mennes Unternehmen allerdings als „geschäftlicher Erfolg“ beschrieben.
      Am 1. Oktober 1891 endete die Geschichte des Menne’schen Privatpost-Unternehmens.

      Es gab noch einen weiteren Versuch, eine private Postbeförderung in Bochum aufzuziehen, der allerdings sehr kläglich scheiterte: Gerade einmal 6 Wochen, vom 2. Juli bis zum 12. August 1897, bestand die von Robert Eggeling gegründete „Privat-Stadtbrief- und Packetbeförderungsanstalt Mercur“. Dieses Unternehmen verwendete Marken von Flensburg (MiNr. 1–3 und 6); ein Gebrauch in Bochum lässt sich nur anhand der Stempel nachweisen. (1)

      Bei der Katalogisierung der Menne-Ausgaben gehen die beiden aktuellsten Werke, Meier zu Eissen und Michel, ab der Nr. 5 getrennte Wege:
      Meier zu Eissen fasst die Ausgaben mit der Inschrift „Packet-Verkehr“ am Anfang zusammen und listet anschliessend die „Privat-Brief-Verkehr“-Marken. Im Michel dagegen werden alle Ausgaben chronologisch durchnummeriert; die zweite „Packet-Verkehr“-Ausgabe, im MzE Nr. 5 bis 14, trägt dort die Nummern 62 bis 71.
      Letzteres erscheint logischer, da diese Ausgabe Anfang 1888 erschien, zu einem Zeitpunkt also, als das Unternehmen schon mehr als ein Jahr lang unter „Privat-Brief-Verkehr“ firmierte.

Bochum MzE und Michel Nr. 1 bis 4
Bis hierher ist man sich einig:
Die Ausgabe vom Mai 1886 ist im Michel und bei Meier zu Eissen
mit den Nummern 1 bis 4 katalogisiert.

Fussnoten:

  1. Die angegebenen Daten stammen aus dem Buch von Meier zu Eissen. Laut Michel stellte das Unternehmen sogar schon Anfang August den Betrieb ein, und eine Verwendung der MiNr. 6 ist im Michel nicht erwähnt.

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 18. August 2005, letzte Bearbeitung am 23. Oktober 2005.


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