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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Privatpost

Lübeck

„Local-Verkehr“ (1888–1889)

      Nach dem kurzlebigen Unternehmen in Bergedorf dauerte es nicht einmal einen Monat, bis der äusserst rührige Herr Salvador fand, dass jetzt Lübeck einen privaten, von ihm betriebenen Postdienst brauchte. Um es vorweg zu nehmen: Hier überstand das Unternehmen, der „Local-Verkehr“, fast ein ganzes Jahr (22. 2. 1888 bis 15. 1. 1889). Obwohl der Michel-Katalog, wie bei Bergedorf, in der „gebraucht“-Spalte Gefälligkeits-Abstempelungen aufführt, gibt es hier auch bedarfsgerechte Abstempelungen; echt gelaufene Belege sind allerdings sehr selten.

      Die erste, im Februar 1888 erschienene Ausgabe war gleich ein Satz von „Motivmarken“. Die schön gestalteten Marken in den Portostufen 2, 3, 10 und 15 Pfennig erschienen zunächst geschnitten, später folgte eine gezähnte Ausgabe.

Lübeck 1. Ausgabe Salvador gezähnt
1. Ausgabe Salvador, gezähnt 12, Stempel vom 23. 3. 1888
2 Pf: Postreiter   •   3 Pf: Segelschiff
10 Pf: Dampfer   •   15 Pf: Eisenbahn
Lübeck 1. Ausgabe Nachdruck 1976

      Nur vier Monate später, im August 1888, kam eine neue Serie (2, 3, 5, 10 und 15 Pfennig) heraus, das Thema war „Kaiser und Staatsmänner“. Ehe man diese Ausgabe als philatelistisch motivierte Beutelschneiderei bezeichnet, sollte man sich vergegenwärtigen, dass die damaligen politischen Ereignisse im Deutschen Reich schon aussergewöhnlich waren und dass eine solche Ausgabe durchaus aktuelles Zeitgeschehen reflektierte – man konnte daraus mehr zu politischen Veränderungen entnehmen als aus den damaligen Ausgaben der Reichspost, die keinerlei Hinweis auf einen Wechsel des Regenten gaben.
      1888 war das „→ Drei-Kaiser-Jahr“: Auf Wilhelm I. folgte Friedrich III., der „99-Tage-Kaiser“, der im Alter von nur 56 Jahren verstarb, und dann Wilhelm II. – das alles passierte in eben diesem einen Jahr 1888. Heisst es nicht immer, dass Philatelie Geschichte lehrt? In diesem Sinn war diese Ausgabe absolut angemessen.

Lübeck 2. Ausgabe Salvador gezähnt
2. Ausgabe Salvador, gezähnt 11½
2 Pf: Kaiser Wilhelm I.   •   3 Pf: Kaiser Friedrich III.
5 Pf: Kaiser Wilhelm II.
10 Pf: Bismarck   •   15 Pf: Moltke

      Dass auch dieser Satz sowohl geschnitten wie gezähnt erschien, war allerdings wieder einmal überflüssig; Herr Salvador übertrieb es damit ein bisschen.
      Trotzdem: Salvador war ein Unternehmer mit Ideen und Visionen; Meier zu Eissen schreibt „Er war einer der wenigen Unternehmer, die mit ihren Markenschöpfungen der Zeit voraus waren; seine Kreationen entsprachen den Sammlerwünschen […]“.
 

„Hansa“ (1897–1900)

      Nach der Einstellung des „Local-Verkehrs“ gab es zunächst keine private Postanstalt mehr in Lübeck. Es dauerte acht Jahre, bis die immerhin knapp 70 000 Einwohner der Hansestadt wieder eine Möglichkeit zur preiswerten Beförderung von Lokalpost bekamen.
      Der Unternehmer Julius Jakoby hatte zunächst geplant, in der preussischen Stadt Bromberg ein Privatpost-Unternehmen zu gründen. Herr Jakoby erlebte jedoch eine unangenehme Überraschung: Die Konkurrenz war schneller! Am 12. 10. 1896 gründeten die Herren Schwarz und Winkler in Bromberg die „Stadtpost Hansa“.

      Bromberg mit seinen 46 000 Einwohnern war nicht eine Metropole wie Berlin oder Hamburg, die konkurrierende Postunternehmen vertragen konnte – der Platz war damit besetzt. Offenbar hatte aber Herr Jakoby einen guten „business plan“ und wollte nun einmal ein Postunternehmen betreiben, und so wurde am 19. 1. 1897 die „Hansa“ in Lübeck eröffnet. Das Unternehmen wurde mit Gewinn bis zur Übernahme des Lokalverkehrs durch die Reichspost am 1. 4. 1900 betrieben, Herr Jakoby erhielt eine entsprechende Abfindung.

      Diese Geschichte zeigt wieder einmal sehr schön, dass wirkliche Philatelie hinter den Katalog-Abbildungen beginnt. Kennt man diese Hintergründe nämlich nicht, wird man die ersten Marken der Hansa in Lübeck kaum richtig einordnen können: Sie zeigen – ohne Ortsnamen – das Wappen von Bromberg! Herr Jakoby hatte bereits die Marken für seine geplante Privatpost drucken lassen, und zum Wegwerfen waren sie zu teuer.
      Die Lübecker frankierten also ihre Privatpost mit dem Bromberger Wappen, allerdings nur neun Monate lang, denn im September 1897 erschien eine neue Ausgabe, die das Holstentor in Lübeck zeigte. Der 2-Pfennig-Wert dieses Satzes erschien kurz vor der zwangsweisen Schliessung der „Hansa“ noch, wegen Mangels an 3-Pfennig-Marken, mit einem Handstempel-Überdruck „3“.

Privatpost Lübeck aus dem „Sprechenden Behrens-Album“
Einige Werte der „Hansa“ aus dem „Sprechenden Behrens-Album
(MiNr. 3, 5, 7 und 8)
 
Lübeck „Hansa“ Nachdruck 1978
Die Lübecker scheinen ihre Privatpost wirklich geliebt zu haben:
Auch diese Serie, einschliesslich des Handstempel-Überdrucks, wurde als Motiv für einen Souvenirblock verwendet.
Lübeck Gedenkmarke 100. Geburtstag Kaiser Wilhelm I.

      Neben diesen zwei „Dauermarken“-Serien gab es am 22. März 1897 noch eine Gedenkmarke zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. – wieder einmal ein Beispiel für die flexible Gestaltung von Markenausgaben bei den privaten Postbetreibern; die Reichspost ignorierte dieses Datum.
      Die Abbildung zeigt den von Jacoby selbst hergestellten Nachdruck dieser Ausgabe (MiNr. N 4). Neben kleinen Änderungen im Markenbild ist er am einfachsten durch den Punkt hinter „1797“ vom Urdruck zu unterscheiden.

 

      Die Hansa gab insgesamt acht verschiedene Postkarten heraus, zwei davon zeige ich Ihnen hier:

Lübeck Karte MzE Nr. 3
MzE Nr. 3, Karte vom Dezember 1897
 
Lübeck Karte MzE Nr. 8
MzE Nr. 8, „Abschiedskarte“ 1900

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 12. November 2005.


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