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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Privatpost

Moderne Privatpost in Dienstleistung und Philatelie

      Nein, ich sammle sie nicht, die Ausgaben der modernen Privatpost. Ich besitze keine einzige Marke, keinen Beleg, ich habe – für mich noch ungewöhnlicher – keinen Katalog darüber, und da ich in der Schweiz lebe, bin ich auch nicht Kunde einer deutschen Privatpostanstalt.

      Warum kann ich also wieder einmal meinen Mund nicht halten und meine, mich zu etwas äussern zu müssen, von dem ich ganz offenbar nichts verstehe?

      Der Grund ist meine Abneigung gegen Monopole, der Anlass eine (bisher) zweiteilige Artikelserie in der Philatelie unter dem Titel „Die Gedanken sind frei“.
      Einiges, was dort im zweiten Teil über die moderne deutsche Privatpost und die Zukunft der Briefmarke geschrieben wurde, sehe ich etwas anders. Mir räumt man keinen Raum in der Philatelie ein, um meine Meinung darzustellen, also nutze ich ein verregnetes Wochenende, um wenigstens über meine Website eine andere Sicht der Dinge öffentlich zu machen.

 

Moderne Privatpost – Dienstleistung

      Erinnern Sie sich noch daran, wie das vor gut zwanzig Jahren mit dem Telefon war? Es gab einen Anbieter, dessen nicht besonders fortschrittliche Geräte Sie mieten durften, und über Tarife brauchte man gar nicht zu diskutieren, man musste sie akzeptieren.

      Was geschah? Das Telefon-Monopol ist gefallen, heute suchen Sie sich den billigsten Anbieter aus und kaufen das Gerät, das Sie haben wollen, im Elektronik-Fachmarkt. Interessant dabei: Niemand weint den alten Zeiten eine Träne nach. Interessant ist auch, was nicht passiert ist: Es gab keine „Anarchie“ auf dem Telefon-Markt, und das Telefonieren funktioniert weiterhin zuverlässig.
      1:0 für die Marktwirtschaft!

      Nun wird das Briefmonopol fallen, und wieder hören wir, dass dann alles ganz schlimm werden und nichts mehr vernünftig funktionieren wird.
      Den Managern sowohl der Deutschen Post AG wie denen der aufstrebenden privaten Mitbewerber sei hier eine simple Tatsache ins Stammbuch geschrieben; dafür braucht man keinen MBA von Harvard, dazu reicht gesunder Menschenverstand:

Langfristig wird sich der Anbieter am Markt durchsetzen,
der die beste Dienstleistung anbietet.

      „Beste“ umfasst hier sehr viele Bereiche: Anzahl (und Öffnungszeiten!) der Annahmestellen und Briefkästen, Freundlichkeit und Kompetenz im Kundenkontakt, Preisgestaltung, Schnelligkeit, Zuverlässigkeit.

      Gute Manager – nicht mentale Gralshüter – rufen nicht bei jeder Gelegenheit nach dem Staat, damit irgendwelche Gerichte doch bitte die böse Konkurrenz ausbremsen, sondern gehen diese Probleme vorausschauend an, damit ihr Unternehmen beim Fall des Monopols vorbereitet ist. (Wenn Sie Beispiele suchen, empfehle ich Ihnen, den Kasten mit dem Titel The history book … auf dieser Seite und die darin verlinkten Informationen zu lesen.)

      Fazit: Ein Monopol wird fallen, und das ist grundsätzlich gut – alles andere regelt der Markt.
 


      Nachtrag 20. 7. 2007: Eine kleine Geschichte aus dem Leben, die sich Ende Juni ereignet hat:
      Unseren Sommerurlaub verbrachten wir in diesem Jahr in Deutschland, im Harz. Am Postamt in Wernigerode wollten meine Frau und ich ein paar Marken für Postkarten kaufen; im Hotel hatte man uns die Portostufen genannt: 45 Cent innerhalb Deutschlands, 65 Cent in die Schweiz. Wir fragen also nach 4 Marken zu 45 und 2 Marken zu 65 Cent. Antwort: 65 Cent hat man nicht am Schalter, die gibt es nur am Automaten (wozu dann noch Schalter?), und die 45-Cent-Marke gibt es nur im Heftchen zu 10 Stück. Wir weisen darauf hin, dass wir in der Schweiz leben und nur im Urlaub in Deutschland sind, was sollen wir also mit 10 Marken? Antwort: Dann müssen wir die 45-Cent-Marken eben auch aus dem Automaten ziehen. Langsam steigt der Adrenalinspiegel.
      Am Automaten werden also 4 Marken zu 45 Cent angewählt, macht €1,80, die ich aber nicht passend habe. Gerade noch rechtzeitig vor dem Einwerfen einer 2-Euro-Münze entdecke ich die Meldung im Display des Automaten: Rückgeld wird in Form von Briefmarken ausgegeben. Der Chef der Deutschen Post AG kann sehr froh sein, dass er in diesem Augenblick nicht in meiner Reichweite stand.
      Und nun, liebe Leserinnen und Leser, raten Sie einmal, wie viele Tränen ich vergiessen werde, wenn dieses Unternehmen endlich Konkurrenz bekommt …

 

Moderne Privatpost – Philatelie

      Privatpostanstalten wird gerne pauschal unterstellt, dass ihre Markenausgaben nicht „bedarfsgerecht“ seien und nichts mit Philatelie zu tun haben. Nur: Wie sieht das bei den staatlichen Postbetrieben aus? Wolfgang Maassen stellt im zweiten Teil (s. Literatur) zum Thema „bedarfsgerechte Ausgaben“ die ebenso kritische wie berechtigte Frage „Wären dann nicht 20, 30 oder vielleicht gar noch mehr Prozent der Briefmarken aus den Katalogen zu streichen?“
      (Lesen Sie dazu bitte auch „Quo vadis, Philatelie?“. Was ich dort schon vor eineinhalb Jahren geschrieben habe, geht exakt in die gleiche Richtung.)

      Maassen schreibt weiter:
      „Was die Scheichtümer der 70er Jahre waren, sind heute die etablierten Postdienste, nicht selten noch in staatlicher Hand. Sie produzieren allesamt einen ‚Un-Bedarf‘, den die Welt vielfach noch nie gesehen hat, weshalb dann auch Phantasie- und Schwindelausgaben kaum auffallen, fügen diese sich doch nahtlos ein.
      Privatpostmarken also als briefmarkenähnliche Vignetten zu bezeichnen und damit abzuwerten, weil sie keine posttechnisch relevante Funktion haben, führt also nicht wirklich weiter, denn dies gilt für die Mehrzahl postalischer Postwertzeichenausgaben all der offiziellen oder gar staatlichen Postverwaltungen auch.“

      Bis hierher stimme ich voll zu. Ich kenne mich zwar in der modernen Privatpost philatelistisch kaum aus (was man halt so in der Fachpresse liest), aber ich bin in der klassischen Privatpost einigermassen zu Hause, und von daher kann ich auch zustimmen, wenn Parallelen zwischen den beiden aufgezeigt werden, so weit es um die rein Sammler-orientierte Produktion von Marken geht, die man eigentlich für den Postbetrieb nicht braucht.

      Ich unterschreibe es ebenfalls immer noch, wenn in dem Artikel mehrfach darauf hingewiesen wird, dass das Sammeln solcher Ausgaben finanziell sehr aufwändig werden kann und unter dem Gesichtspunkt einer (philatelistischen) Wertanlage nicht unbedingt zu empfehlen ist.

      Was ich allerdings nicht teile, ist die Betonung der Bedeutung der Inschrift Deutschland auf einer Marke und die Einschätzung der Rolle der Briefmarke insgesamt in der Zukunft.

 

      Was bleibt also als Fazit aus all diesen Überlegungen? Für mich war das schon vor Jahren klar – und deshalb heisst diese Website Klassische Philatelie“ …


Literatur:


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Copyright © 2007 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 28. Mai 2007, letzte Bearbeitung am 20. Juli 2007.


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