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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Schweden

Die Stockholmer Stadtpostmarke und ihr Staatspost-Nachfolger (1856–1862)


Stadtpostmarke Stockholm
(1 Skilling banco, Facit Nr. 6 a2, 1. 7. 1856)
 

      Diese unscheinbare Marke (Nr. 6 in Facit und Michel), die nicht einmal eine Wertangabe trägt, ist philatelistisch wie posthistorisch äusserst interessant.

      Beginnen wir mit ihrer postgeschichtlichen Karriere: Es gab eine Stockholmer Stadtpost bereits von 1838 bis 1855, die mit zwei Boten arbeitete, die festgelegte Routen abliefen. Mit der Postreform und dem recht hohen Porto von vier Skilling auch für einen Ortsbrief (die neuen Tarife waren ja unabhängig von der Entfernung) wurde ab dem 1. Juli 1856 eine neue Ortspost eingerichtet, deren Gebühr nur zwei Skilling betrug. Dieser Postdienst gehörte nicht zur Staatspost; es war daher nicht möglich, etwa einen Inlandsbrief der ersten Gewichtsstufe mit einer Tre Skilling banco plus einer solchen Ortspost-Marke zu frankieren. Üblicherweise wurde im Ortsverkehr eine Marke, die einen Skilling kostete, aufgeklebt und ein weiterer Skilling vom Empfänger eingezogen; es war allerdings auch möglich, den Gesamtbetrag durch Aufkleben von zwei Marken zu begleichen.
      Mit der Währungsreform am 1. Juli 1858 wurde diese Marke für, leicht abgerundet, einen Öre verkauft (rechnerisch entspricht ein Skilling banco 3 ⅛ Öre). Eine Änderung des Markenbildes war nicht erforderlich, da die Marke keine Wertbezeichnung trug.

      Die Lokalpost wurde am 1. Januar 1862 in die Staatspost integriert; die Zustellgebühr für den Empfänger entfiel. Da eine 3-Öre-Marke erst am 1. Dezember 1862 erschien, wurde, gewissermassen als Provisorium, die bisherige Ortspostmarke neu aufgelegt, allerdings statt im ursprünglichen Schwarz in Olivbraun. Diese Marke war eine reguläre postalische Ausgabe und konnte damit auch in Mischfrankaturen verwendet werden. Sie trägt eine eigene Katalognummer (13 in Facit und Michel), ist aber im Facit-Katalog sinnvollerweise direkt hinter der Nr. 6 eingeordnet.

      Soviel zur Postgeschichte. Philatelistisch interessant ist die Tatsache, dass sich die Exemplare der Nr. 6 aus der Skilling-banco- und der Öre-Ära so deutlich unterscheiden lassen, dass man von zwei unterschiedlichen Typen sprechen kann. Diese Unterscheidung finden Sie nur im Facit, nicht im Michel! (Dies ist ein typisches Beispiel für meine Empfehlung, länderspezifische Spezialkataloge zu nutzen.) Im Facit finden Sie die Nr. 6 Skilling banco als a1 und a2 (die zwei verschiedenen Papierstärken entsprechen) und die Öre-Ausgabe als a3. Was unterscheidet diese Ausgaben?

      Eine ausführliche Darstellung finden wir bei Wise: Die erste Version der Marke wurde von 100 Einzelkischees gedruckt, für die zweite kamen vier 25-er Gruppen zum Einsatz, die gründlich überarbeitet wurden und die typischen „Flecken“ des ersten Drucks nicht mehr zeigen. Mit diesen Platten wurde dann auch die braune Version der Marke gedruckt, die also der Öre-Version der schwarzen Ortspostmarke entspricht.

Stadtpostmarke, erster Druck
Stadtpostmarke Nr. 6, erster Druck (Skilling banco)
Rot markiert sind die typischen Flecken in den Ornamenten links und unter dem „B“ oberhalb der unteren Randlinie.

Stadtpostmarke, zweiter Druck
Stadtpostmarke Nr. 6, zweiter Druck (Öre)
Auch an diesem, mit dem typischen Stockholmer Sternstempel entwerteten Stück ist erkennbar, dass die Klischees überarbeitet und gesäubert wurden.

Stadtpostmarke, braun
Stadtpostmarke Nr. 13 (Staatspost)
Typische Entwertung mit „TUR“-Stempel; die vorangestellte Nummer bezeichnet die Zustellung des Tages (hier 3).

      Von allen drei Typen (schwarz I und II und braun) gibt es – frankaturgültige – Neudrucke, teilweise in abweichender Zähnung 13 statt der 14 der Urdrucke.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 5. Januar 2014, letzte Bearbeitung am 5. Januar 2014.


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