Alle Inhalte dieser Site sind urheberrechtlich geschützt; Copyright © C. Ozdoba
Logo der Website „Klassische Philatelie“

 

Klassische Philatelie und Postgeschichte – Altdeutschland

Bayern: Die Quadratausgaben – Einführung

„Darum hüte man sich in dieser Zeit auch vor Leuten, die die Briefmarken in gute und böse einteilen und die die Bayern Nummer eins bis dreizehn als die eigentlich einzigen Goldmedaillen-Berechtigungsobjekte halten.“
Kurt Karl Doberer
Philatelie für Kenner
 

      Doberers Ratschlag für angehende Klassik-Sammler ist natürlich ein Seitenhieb gegen die von ihm nie ganz ernst genommenen „Stammtisch-Philatelisten“. (Das Buch, aus dem dieses Zitat stammt, ist auch heute noch oder vielleicht sogar gerade heute äusserst empfehlenswerte Lektüre.) Dieses Zitat verrät uns aber auch noch etwas Anderes: Diese ominösen Bayern Nummer eins bis dreizehn müssen ja schon etwas Besonderes sein, wenn sie in weiten Sammlerkreisen einen solchen Ruf geniessen.
      Im siebzehnten Jahr des Bestehens dieser Website ist es also vielleicht doch endlich einmal an der Zeit, sich diesen Marken etwas intensiver zu widmen. Schauen wir uns also diese 13 Nummern einmal an:

 
Bayern Michel Nr. 1–13 (Quadratausgaben)

(Abb. exemplarisch, ohne Berücksichtigung von Typen, Platten- und Farbvarianten; Originalbilder teilweise beschnitten)

MiNr. 1   •   1. November 1849
1 Kreuzer schwarz
 
Nr. 1I, „Schwarzer Einser“, berühmt als erste deutsche Briefmarke. Druck von 2 Platten (Nr. 1II, 2. Platte Mai 1850), Papier ohne Seidenfaden.
 
Abb: MiNr. 1IIa, Karl Pfankuch & Co., 225. Auktion, 14.–15. April 2021, Los Nr. 116
MiNr. 2   •   1. November 1849
3 Kreuzer blau
 
Nr. 2I Wertiffer im unterbrochenen Kreis, ab dieser Ausgabe Papier mit Seidenfaden. Zwischen September 1850 und 1858 Nr. 2II, gedruckt von vier neuen Platten in gleicher Zeichnung in geänderter Farbe.
Frieauff/Kleinhenz unterscheiden Typen a/b/c bei Platte 2 und beschreiben insgesamt 6 Platten.

 
Abb: MiNr. 2Ia, AAK Phila GmbH, 70. Auktion, 27.–29. Mai 2021, Los Nr. 1210(D)
MiNr. 3   •   1. Oktober 1850
1 Kreuzer rosa
 
Wertiffer im geschlossenen Kreis. Druck von 2 Platten; gebrauchte Exemplare (v. a. auf Brief) von 2. Platte selten, da diese erst kurz vor Erscheinen der 1 Kreuzer gelb gedruckt wurden.
 
Abb: MiNr. 3I, Badische Briefmarken GmbH, 72. Auktion, 11. Mai 2021, Los Nr. 88 D
MiNr. 4   •   1. November 1849
6 Kreuzer braun
 
Diese Nummer umfasst zwei bildlich verschiedene Marken: Nr. 4I (1849) mit Wertziffer im unterbrochenen Kreis, Nr. 4II (1850) mit Wertziffer im geschlossenen Kreis, diese von 3 verschiedenen Platten gedruckt.
 
Abb: MiNr. 4II Pl. 3, Briefmarken Lenz, 106. Auktion, 10.–12. Mai 2021, Los Nr. 3076
MiNr. 5   •   1. Juli 1850
9 Kreuzer blaugrün bis gelbgrün
 
Viele Farbvarianten neben den fünf im Michel und bei Sem katalogisierten hauptsächlichen Tönen. Alle Farben in jeweils 3 Typen vorkommend.
 
Abb: MiNr. 5dIII, Hadersbeck Auktion, 69. Auktion, 13.–16. April 2021, Los Nr. 943
MiNr. 6   •   1. Juli 1858
12 Kreuzer rot
 
Endlich, möchte man sagen, ein unproblematischer Wert: Eine Platte, ein Farbton.
 
Abb: MiNr. 6, Deider Briefmarkenauktionen, 68. Auktion, 21.–22. Mai 2021, Los Nr. 92
MiNr. 7   •   19. Juli 1854
18 Kreuzer gelb/gelborange
 
Wie die Nr. 6 eine Ausgabe, die man ohne spezialisierte Platten-, Typen- und Farbtafeln zuordnen kann.
 

Abb: MiNr. 7, Wohlfeil, 79. Auktion, 14.–15. Mai 2021, Los Nr. 2568
MiNr. 8   •   1. Oktober 1862
1 Kreuzer gelb
 
Geänderte Farben im Rahmen einer Vereinheitlichung im DÖPV (Deutsch-Österreichischer Postverein). Zwei Typen: Nr. 8I basiert auf Platte 2 der MiNr. 3, Nr. 8II auf Platte 1 der MiNr. 3.
 
Abb: MiNr. 8I, Badische Briefmarken GmbH, 72. Auktion, 11. Mai 2021, Los Nr. 101 D
MiNr. 9   •   1. Oktober 1862
3 Kreuzer rot
 
Einziger Wert dieser Ausgabe mit Wertziffer im unterbrochenen Kreis (basiert auf Platte 5 der MiNr. 2II).
Achtung: Fehler im Sem-Katalog (8. Auflage, in 7. noch korrekt), dort steht versehentlich „Wertziffer im geschlossenen Kreis“.

 
Abb: MiNr. 9a, Deider Briefmarkenauktionen, 68. Auktion, 21.–22. Mai 2021, Los Nr. 117
MiNr. 10   •   1. Oktober 1862
6 Kreuzer blau
 
Michel unterscheidet nur zwei Farben, Sem differenziert in Drucke von zwei verschiedenen Platten.
 
Abb: MiNr. 10b, Heinrich Köhler, 376. Auktion, 19.–24. April 2021, Los Nr. 7081
MiNr. 11   •   1. Oktober 1862
9 Kreuzer braun
 
Gedruckt von Platte III der MiNr. 5. Keine signifikanten Varianten.
 
Abb: MiNr. 11, Eisenhammer, 156. Auktion, 30. April 2021, Los Nr. 675
MiNr. 12   •   1. Oktober 1862
12 Kreuzer grün (Töne)
 
Gedruckt von den Druckstöcken der MiNr. 6, keine Varianten.
 
Abb: MiNr. 12, Heinrich Köhler, 376. Auktion, 19.–24. April 2021, Los Nr. 7084
MiNr. 13   •   1. Oktober 1862
18 Kreuzer zinnoberrot bis orangerot
 
Gedruckt von den Druckstöcken der MiNr. 7, zwei markant unterschiedliche Farben, sonst keine Varianten.
 
Abb: MiNr. 13b, Württembergisches Auktionshaus, 138. Versteigerung, 4.–5. Juni 2021, Los Nr. 2346

 
Bemerkungen zu dieser Katalogisierung

      Die Michel-Nummerierung ist in dieser Form seit sehr langer Zeit etabliert; Millionen von Marken sind danach zugeordnet und Tausende von Sammlungen aufgebaut.
      Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einige Aspekte dieser Katalogisierung lenken, die in sich nicht konsistent sind, die dem „Quadrat-Einsteiger“ durchaus Schwierigkeiten machen können und die dazu führen, dass Sie die Nummerierung v. a. der Nummern 1–7, wie damals Vokabeln in der Schule, schlicht auswendig lernen müssen – logisch ist die Nummernfolge erst ab Nr. 8.

      Das beginnt mit der Zuordnung der Hauptnummern: Chronologisch müsste die Nr. 3 nach der Nr. 5 eingeordnet werden, auch nach der Nr. 1 könnte sie (gleiche Wertstufe!) als „1 Kreuzer in geänderter Zeichnung und Farbe“ ihren Platz finden. (Die MiNr. 6 und 7 sind aufsteigend nach Wertstufen, nicht nach Ausgabedatum, sortiert.) Also, einfach merken: 1 – 3 – 1.

      In sehr alter Literatur begegnen Ihnen übrigens andere Katalogisierungen der ersten Ausgaben: Moschkau ordnet 1884 die beiden Werte der 1 Kreuzer hintereinander an (Abbildung), die gleiche Einordnung findet man 1886 in Meyer’s Handbuch für Postmarkensammler (Abbildung). Hier wird die 1 Kreuzer Nr. 1 als eigene Ausgabe mit nur einer Marke gesehen.
      1896 veröffentlichte Hugo Krötzsch im Katalog der Deutschen Postfreimarken eine Katalogisierung, in der die 1, 3 und 6 Kreuzer (heutige Nummern 1, 2 und 4I) als Nummern 1–3 geführt wurden, die 1 Kreuzer rosa als Nr. 4. Die heutige Nr. 4II erhielt eine eigene Hauptnummer, so dass Krötzsch bei den Quadratausgaben auf ingesamt 14 Nummern kommt (Abbildung).

      Etwas unlogisch (und eben innerhalb dieser Ausgabe nicht einheitlich) ist die Nummerierung der 2I und 2II.
      2I ist die von Platte 1 gedruckte Nr. 2. Also ist die Nr. 2II die von Platte 2 gedruckte Nr. 2, richtig? Ja – aber 2II ist auch die von Platte 3, 4 und 5 gedruckte Nr. 2. Warum nicht 2III, 2IV und 2V, sondern „2II Platte 3“? Ich weiss es nicht …
      Bei 4I/4II ist die Änderung des Typs (römische Ziffer) zwischen I und II nachvollziehbar; der Unterschied zwischen unterbrochenem und geschlossenem Kreis um die Wertziffer ist so markant, dass er eine eigene Bezeichnung rechtfertigt. Da bleibt dann für die drei Platten der 4II nur die ergänzende Plattenbezeichnung. Bei Nr. 3 (3I/3II), Nr. 5 (5I – 5III) und Nr. 8 (8I/8II) ist die Struktur der Nummerierung einheitlich: Änderung der römischen Nummer bei Änderung der Platte.

      Falls Sie erst beginnen, sich mit den Quadratausgaben zu beschäftigen, merken Sie sich einfach, dass es fünf Platten der Nr. 2 gibt, von denen vier (die Platten 2–5) als ein Typ geführt werden. 4I unterscheidet sich so deutlich von 4II, dass die Katalogisierung nachvollziehbar ist. Zur Einordnung der Nr. 3 gilt, wie oben gesagt: Einfach lernen …



Zurück zur Sektion Altdeutschland / zur Startseite.


Copyright © 2021 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2021, letzte Bearbeitung am 18. Juni 2021.


Adresse dieser Seite: https://www.klassische-philatelie.ch/ad/altdeutsch_bayern_quadrate_intro.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5