Alle Inhalte dieser Site sind urheberrechtlich geschützt; Copyright © C. Ozdoba
Logo der Sektion „Grossbritannien ab 1952“ auf der Website „Klassische Philatelie“

 

Klassik erweitert – Anhang: Die Zeit der „Four Kings“

George V – Seahorses

Einleitung

      Zu den → iconic stamps zählt Stanley Gibbons diese Ausgabe, die 2010 von der Royal Mail zum „London Festival of Stamps“ mit einer → Blockausgabe und einem Prestige Stamp Book gewürdigt wurde und einen eigenen → Wikipedia-Eintrag hat.

      Seit Queen Victoria waren die hohen Werte der Dauermarken (Sondermarken und Gedenkausgaben gab es damals noch nicht) in der Gestaltung etwas Besonderes. Anfänglich waren sie nur grösser als die niedrigen Werte, mit den aus Telegrafenmarken abgeleiteten £1- und £5-Marken ab 1882/1884 wurden sie dann sehr viel grösser; der £1-Wert erschien in einem ungewöhnlichen Langformat.
      Unter Edward VII wurden diese Formate beibehalten – grosse Marken als Hochrechteck für die 2s.6d./5s./10s.-Werte, langformatige £1-Marke. Die Gestaltung blieb grundsätzlich gleich mit einem Königsporträt als einzigem Motiv.

      Am Tag der Krönung von George V erschienen die ersten Dauermarken mit seinem Bild, die Downey-Head-Ausgaben mit einem damals neuartigen Bild im Dreiviertel-Profil. Aus technischen Gründen kehrte man allerdings nach diesen ersten Ausgaben (½d. und 1d.) für die weiteren Wertstufen zu einem konventionellen Profilbild zurück. Daneben gab es noch ein weiteres starkes Argument gegen diese Ausgabe: Der König fand, diese Marken „made him look like a stuffed monkey“ (zitiert bei Kearsley).


Seahorse half crown (2/6) der letzten Ausgabe (16. 10. 1934; SG 450)

      Die hohen Werte der Dauermarken (high value definitives) sollten dafür etwas Besonderes werden. Erstmals wurde ein allegorisches Motiv statt des – natürlich ebenfalls auf den Marken vorhandenen – Königsporträts zum dominierenden Element der Gestaltung. (Bezüglich der Geschichte dieses Markenentwurfs, insbesondere, wie es zur Berufung des australischen Bildhauers Bertram Mackennal kam, verweise ich auf das Buch von Kearsley.) Für den Druck kehrte man nach Jahrzehnten des einfachen Buchdrucks für diese „Renommierstücke“ der britischen Post wieder zum Stichtiefdruck zurück.
      Das Markenbild war eine Umsetzung der Idee Britannia rules the Waves – Britannia mit Dreizack und Schild in einem von drei Pferden in stürmischer See gezogenen Streitwagen. Dieses Motiv war durchaus politisch zu sehen; es sollte Grossbritanniens Anspruch auf Seeherschaft in Zeiten eines massiven Ausbaus der Flotte im deutschen Kaiserreich unterstreichen.

      Woher kommt die Bezeichnung Seahorses für diese Marken? Ein „seahorse“ im Englischen ist im Deutschen ein „Seepferdchen“, also dieser etwas eigenartige senkrecht schwimmende Fisch (Hippocampus erectus heisst eine der Arten) mit dem aufgerollten Schwanz und dem pferdeähnlichen Kopf. „Horses at Sea“ wäre vielleicht passender, aber Seahorses hat sich nun einmal eingebürgert.

      Es gab vier Wertstufen: 2s.6d., 5s., 10s. und £1, wobei der 1-Pfund-Wert nur im Jahr 1913 verausgabt wurde. Die übrigen Wertstufen wurden in verschiedenen Auflagen bis 1939 gedruckt und blieben – da es unter Edward VIII keine hohen Dauermarken-Werte gab – bis zum Erscheinen der entsprechenden Ausgabe unter George VI gültig. Sie stellen damit die am längsten in Umlauf gewesene Serie hoher Werte britischer Dauermarken dar.
      Interessant ist die Bezeichnung half crown auf der 2s.6d.-Marke. Sie wurde vor den Seahorses und danach nie wieder bei einer Marke dieser Wertstufe verwendet, es wurde auch nie eine 5s.-Marke mit crown bezeichnet. Warum man sich bei dieser Ausgabe für diese Währungsbezeichnung entschied, kann ich nach der mir vorliegenden Literatur nicht beantworten; bei Kearsley gibt es dazu nur einen kurzen Vermerk, dass diese Bezeichnung am 23. Dezember 1911 genehmigt wurde.

      Die folgende kurze Aufstellung gibt eine Übersicht über die verschiedenen Drucke der Seahorses. Sie ist nur zur Orientierung gedacht; im Buch von Kearsley umfassen die Checklisten drei Seiten (wobei Kearsley allerdings die Auslandspostämter sowie sehr detailliert die bearbeiteten Platten, die Wasserzeichen-Varianten und jeweils alle Farben mit einschliesst). Man kann aus den Seahorses ein eigenes Sammelgebiet machen; schön zu sehen am Beispiel der „Redcentre-Collection“ (ab Seite 151 im → Katalog der Stanley-Gibbons-Auktion) und der Leonard-Licht-Collection.
 

SG Nr.  Wertstufe: Ausgabedatum  Wz./Zähnung Charakteristika
399 – 404 2s.6d., 5s.: 30. 6. 1913
10s., £1: 1. 8. 1913
Cypher (Krone mit
Monogramm); K 11:12,
grosse Zähnungslöcher
Unterrand des Bogens gezähnt,
Oberrand nicht,
Markenbild 22,1 mm hoch,
Gummierung gleichmässig,
klar bis leicht gelblich
405 – 413 2s.6d., 5s., 10s.:
09–12/1915
Wz. und Zähnung wie vor,
kleine Zähnungslöcher
Oberrand des Bogens gezähnt,
Unterrand nicht,
Markenbild 22,1 mm hoch,
Gummierung fleckig, gelb
413a – 417 2s.6d., 5s., 10s.:
12/1918–01/1919
Wz. und Zähnung wie vor,
Zähnung wie Waterlow
Markenbild 22,6–23,1 mm hoch
450 – 452 2s.6d., 5s., 10s.:
16.  10. 1934
Wz. und Zähnung wie vor Grundsätzlich gleiches Design,
aber Änderung im Markenbild

 
Das Wasserzeichen

      Das Wasserzeichen der Seahorses blieb über alle vier Drucke unverändert (links: Presentation sample card). Das Wz „single cypher“ (SG W 110) erschien einmal auf jeder Marke.
      In den Bogenrändern (s. Oberrandstück auf der Seite über die Bradbury-Wilkinson-Drucke) gab es an allen vier Seiten das Wz. postage. Bei den De-La-Rue-Drucken gab es einige Bogen mit kopfstehendem und/oder invertiertem Wasserzeichen.

Die Zähnungen
      Alle Seahorses hatten eine 11:12 Kammzähnung. Die Unterschiede zwischen den ersten und zweiten Drucken (Oberrand bzw. Unterrand gezähnt) ergaben sich durch das unterschiedliche Einführen der Bogen in die Zähnungsmaschine: Bei den Waterlow/Layton-Drucken wurden die Marken von oben nach unten gezähnt (top fed); dabei blieb der obere Bogenrand ungezähnt. Bei De La Rue wurden die Bogen von unten nach oben gezähnt (bottom fed), wodurch der Unterrand ungezähnt blieb.
      Die „grossen“ Zähnungslöcher von Waterlow/Layton haben einen Durchmesser von 0,9–1,0 mm, die „kleinen“ von De La Rue nur 0,75–0,8 mm (Werte aus Kearsley).
      Weitere kleinere, aber zur Einordnung hilfreiche Zähnungsunterschiede sind bei den einzelnen Drucken aufgeführt. (Ich habe nicht das Ziel, eine komplette Sammlung der Seahorses zusammenzutragen; die vierte und letzte Auflage konnte ich günstig komplett erwerben, bei den anderen Drucken beschränke ich mich exemplarisch auf die „Half Crowns“, aber – wegen der Zähnungsvarianten – gerne als Eckrandstücke.)

Weiter zur Seite Drucke von Waterlow Bros. & Layton und De La Rue & Co.


Literatur:


Links zu dieser Seite:


Zurück zur Sektion Grossbritannien ab 1952 / zu den Four Kings / zur Startseite.


Copyright © 2022 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 28. Juni 2022, letzte Bearbeitung am 27. Juli 2022.


Adresse dieser Seite: https://www.klassische-philatelie.ch/gb_qeII/gb_4k_kgV_seahorses_intro.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5