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Klassik erweitert – Anhang: Die Zeit der „Four Kings“

George VI

Zur Person

Biographische Daten
Geboren: 14. Dezember 1895 –  Gestorben: 6. Februar 1952
Regentschaft
Beginn: 11. Dezember 1936 (Krönung: 12. Mai 1937) –  Ende (Tod): 6. Februar 1952
Vorgänger
King Edward VIII (Bruder)
Nachfolgerin
Queen Elizabeth II (Tochter)
Bemerkung
Letzter Emperor of India; 1936 war das dritte → Year of the Three Kings in der englischen Geschichte

      Zu George VI hat wahrscheinlich kaum jemand unter meinen Lesern noch irgendeine Beziehung – wer heute siebzig Jahre alt und jünger ist, kennt nur Elizabeth II auf dem britischen Thron. Man hat vielleicht noch den mit vier Oscars ausgezeichneten Film The King’s Speech aus dem Jahr 2010 in Erinnerung, aber George VI auf seine Sprachbehinderung zu reduzieren, wird ihm sicher nicht gerecht.
      George (mit vollem Namen Albert Frederick Arthur George, familienintern „Bertie“ genannt) war nicht der „geplante“ Thronfolger; er kam erst durch die Abdankung seines Bruders Edward VIII auf den britischen Thron, aber im Nachhinein hätte den Briten kaum etwas Besseres passieren können.

      Er absolvierte die bei den Windsor-Prinzen (bis heute) übliche Ausbildung in der Navy und der (am 1. April 1918 gegründeten (1)) Air Force – er war das erste Mitglied der königlichen Familie, das einen Pilotenschein erwarb. Nach einem Studium in Oxford wurde er von seinem Vater zunehmend mit offiziellen Aufgaben betraut. Wegen seiner zahlreichen Besuche bei Industriebetrieben wurde er auch als „Industrial Prince“ bezeichnet.

Wirken als König

      Als König nahm Albert den Namen („regnal name“) George VI an, um eine Kontinuität zu George V zu schaffen und dadurch das nach der Abdankung von Edward VIII stark erschütterte Vertrauen der Bevölkerung in die Monarchie wiederherzustellen.
      Nach seiner durch diese Abdankung etwas überstürzten Thronbesteigung (George VI wurde an dem Tag gekrönt, der ursprünglich für Edwards Krönung geplant war) war der König zunächst damit beschäftigt, hinter seinem Vorgänger „aufzuräumen“: Namens- und Titelrechte sowie die Besitzverhältnisse verschiedener royaler Wohnsitze mussten geklärt werden.

      Als konstitutioneller Monarch musste er die „appeasement policy“ von Premierminister Chamberlain gegenüber Hitler offiziell unterstützen, scheint diese aber auch mitgetragen zu haben: Nach der Unterzeichnung des → Münchener Abkommens wurde Chamberlain eingeladen, mit der königlichen Familie zusammen auf dem Balkon von Buckingham Palace zu erscheinen. Solche Gesten wurden (und werden) aufmerksam registriert; Auftritte dort sind eigentlich Mitgliedern des Königshauses vorbehalten. Es gab im Unterhaus deutliche Kritik an dieser Verbindung des Königs mit einem Politiker.

      Im Frühsommer 1939 besuchte George VI mit seiner Frau Kanada und die USA. Dies war nicht nur der erste Besuch eines regierenden britischen Monarchen in Nordamerika, sondern vor allem ein aussenpolitischer Meilenstein. George VI entwickelte eine freundschaftliche Beziehung zum damaligen Präsidenten der USA, Franklin D. Roosevelt, die in den folgenden Kriegsjahren bedeutsam wurde.

      Nach Kriegsbeginn blieb George VI mit seiner Frau im Buckingham Palace. Diese offensichtliche Verbundenheit mit der Londoner Bevölkerung ebenso wie die Tatsache, dass auch die königliche Familie von Lebensmittel-Rationierungen und anderen Einschränkungen durch den Krieg betroffen war (2), trug viel zur Popularität dieses Königs bei. (Persönliche Bemerkung: Das war gelebtes Noblesse oblige und ein sehr anderes Verhalten als das „Wasser predigen und Wein trinken“, das man leider allzu häufig bei der heutigen Politiker-Generation erlebt.) Die Töchter, Princess Elizabeth und Princess Margaret Rose, wurden „aufs Land“, in diesem Fall nach Windsor Castle, gebracht. Mit Erreichen des 18. Lebensjahrs trat Elizabeth in den Auxiliary Territorial Service, die weibliche Division der British Army, ein. George VI legte Wert darauf, dass seine Tochter keinen speziellen Dienstgrad bekam und einen „normalen“ Dienst absolvierte. Vielen Briten ist wahrscheinlich nicht bewusst, dass ihre Königin eine ausgebildete Lastwagen-Mechanikerin ist.

      Im Jahr 1940 folgte Winston Churchill als Premierminister auf Neville Chamberlain. Obwohl Churchill nicht der Wunschkandidat des Königs gewesen war, arbeiteten die beiden während des Krieges eng zusammen. Wiederholung der Geschichte: Bei den Feiern zum „Victory in Europe Day“, dem 8. Mai 1945, wurde Churchill auf den königlichen Balkon im Buckingham Palace eingeladen.

      Die Nachkriegszeit brachte grosse Umwälzungen in der Geschichte Grossbritanniens: Das British Empire, dessen Übergang in den British Commonwealth of Nations bereits unter George V begonnen hatte, verlor Indien, das sich zur Republik deklarierte, und der König damit den Titel eines Emperor of India. Indien blieb im Commonwealth of Nations (der das „British“ verlor). (In den 1960ern erklärten zunehmend weitere Staaten ihre Unabhängigkeit; als → endgültiges Ende des Empire kann man die Rückgabe der Kronkolonie Hongkong an China im Jahr 1997 ansehen.)

Philatelie der Epoche George VI

      Erstmals erschien unter George VI eine Ausgabe zur Krönung. Sie zeigt den König und seine Gattin, Queen Elizabeth (später bekannt als „Queen Mum“). Insgesamt gab es unter George VI eine signifikant höhere Zahl an Sondermarken als unter den Vorgängern: 1940 erschien ein aus 5 Werten bestehender Satz zum 100-Jahre-Jubiläum der Penny Black, 1946 eine Ausgabe zum Kriegsende, 1948 gab es mit der Silberhochzeit des Königspaars und den Olympischen Spielen in London gleich zwei Anlässe, 1949 wurden 75 Jahre UPU gefeiert und 1951 erschienen zwei Werte zum „Festival of Britain“.
      Die hohen Wertstufen der Dauermarken wurden bis zum Erscheinen der ersten „Castles“ 1955 noch bis weit in die Regierungszeit von Elizabeth II verwendet und ermöglichen interessante Mischfrankaturen mit den „Wildings“.

      George VI war aktiver Freimaurer und erklärte, dass das Freimaurertum einen der stärksten Einflüsse auf sein Leben ausgeübt habe. Auf seinen direkten Einfluss geht die Gestaltung der mit Freimaurersymbolen besetzten 3d-Marke der Friedensausgabe von 1946 (SG Nr. 492) zurück.


Fussnoten:

  1. Die → Royal Air Force ging aus dem zur Armee gehörigen Royal Flying Corps und dem in der Marine angesiedelten Royal Naval Air Service hervor. Grossbritannien war mit der Gründung der RAF weltweit das erste Land, in dem die Luftwaffe als dritte Teilstreitkraft neben Heer und Marine etabliert wurde.
  2. Eleanor Roosevelt, die Gattin des amerikanischen Präsidenten, die dies anlässlich eines Besuchs in Grossbritannien erlebte, → berichtete darüber.

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 11. Januar 2022, letzte Bearbeitung am 11. Januar 2022.


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