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Klassik erweitert – Grossbritannien ab 1952

Castle series – Die Ausgabe 1959 – 1963 (SG 595–598)

SG 595 – 598 Druck von De La Rue, Juni/Juli 1959
SG 595a – 598a Druck von Bradbury Wilkinson & Co., Juli/November 1963
Wasserzeichen beider Ausgaben:  

Multiple Crowns
(Abb: → Public Domain)
 
(Bitte beachten Sie, dass die Abbildung das Wasserzeichen beim Blick auf die Vorderseite der Marke zeigt.)

 
      Diese Ausgabe mit geändertem Wasserzeichen finden Sie auch als 2nd De La Rue printing. Der Vertrag mit De La Rue endete allerdings am 31. 12. 1962, so dass am 1. Januar 1963 mit Bradbury Wilkinson & Co. (kurz B.W.) der dritte Drucker die Produktion der Castles übernahm. Das neue Wasserzeichen erlaubt eine einfache Unterscheidung dieser Marken von der Ausgabe 1955–1958, aber wie bei dieser steht der Sammler auch hier vor dem Problem, die zwei Drucke einer Ausgabe zu unterscheiden.
      Einfach ist es wiederum, wenn ganze Bögen vorliegen, denn die B.W.-Drucke tragen am Bogenrand Plattennummern. An postfrischen Marken kann man noch einen Unterschied feststellen: Ebenso wie schon die Waterlow-Drucke zeigen die Marken von De La Rue bei behutsamer Erwärmung (mit der Bildseite nach unten in die Handfläche legen) gemäss den Spezialkatalogen von Stanley Gibbons und Michel eine Krümmung von oben nach unten, B.W.-Drucke dagegen von links nach rechts.
      In einem Briefmarkenforum fand ich einen weiteren → Hinweis: Die Gummierung sei bei den DLR-Drucken dicker und diese Marken würden daher, wenn man sie fallen lässt, mit der gummierten Seite nach unten liegenbleiben, während die B.W.-Drucke mit dem Gummi nach oben liegenblieben. Der Verfasser dieses Beitrags hat allerdings erklärt, dass er das nie ausprobiert hat; ich fand das auch bisher nirgendwo sonst beschrieben und erwähne das nur der Vollständigkeit halber.

      Was bleibt also neben der Papierkrümmung als Unterscheidungsmerkmal? Stanley Gibbons nennt bei den Bradbury-Drucken eine leichte Fluoreszenz unter der UV-Lampe, und sowohl Stanley Gibbons wie Michel beschreiben die Bradbury-Drucke im Vergleich zu De La Rue als tiefer graviert mit kräftigeren Linien im Gesicht und mehr Details im Diadem.
      Bei den mittleren Werten werden Farbunterschiede beschrieben:
Beim 5s.-Wert ging es bei der ersten Ausgabe von rose-carmine (Waterlow) zu scarlet-vermilion bei De La Rue. De La Rue behielt den Farbton bei der zweiten Ausgabe bei, bei Bradbury gibt SG dann red und in einer Teilauflage brownish red an.
Der 10s.-Wert begann bei der ersten Ausgabe bei Waterlow mit ultramarine und wurde beim De-La-Rue-Druck dieser Ausgabe zu dull ultramarine. Die DLR-Drucke der zweiten Ausgabe begannen blue, das bei Bradbury zu bright ultramarine wurde.

 
A Whiter Shade of Pale – der feine Unterschied zwischen light cream und white

      Das Papier, sagen die Spezialkataloge, sei ein hilfreiches Merkmal zur Unterscheidung zwischen den verschiedenen Drucken sowohl der Ausgabe 1955–1958 (Waterlow / De La Rue) wie auch der hier diskutierten aus der Zeit von 1959 bis 1963 (De La Rue / Bradbury). Es wäre schön, wenn ein Katalogherausgeber dann wenigstens im Spezial- und im Generalkatalog konsistente Bezeichnungen verwenden würde.
      In Stanley Gibbons’ Concise Catalogue (2021) heisst es zur Ausgabe 1955/58 „The paper of D.L.R. is uniformly white, identical with that of Waterlow printings from February 1957 onwards, but earlier Waterlow printings are on paper which is creamy by comparison.“ Zum Papier der Ausgabe 1959/63 gibt es keine Angaben.
      Im Specialised Vol. 3 (2019) wird das Papier der späten Waterlow-Drucke und der DLR-Drucke aber nicht als white, sondern als light cream beschrieben, das der späten DLR- und der Bradbury-Drucke der Ausgabe 1959/63 als whiter (also eine Art very light cream?), und white findet man nur einmal, nämlich erst bei der letzten Castles-Ausgabe ohne Wz. von 1967/68, die ebenfalls von Bradbury gedruckt wurde.
      Man sollte also das „white“ im Concise Catalogue mit Vorsicht betrachten – erwarten Sie nicht unbedingt ein reines Weiss, sondern eine leicht cremefarbene Schattierung!

      Falls Sie das jetzt alles etwas unübersichtlich finden, hilft vielleicht diese tabellarische Übersicht:

Papierfarben der Pre-Decimal Castles nach Stanley Gibbons
Ausgabe / Wz. Drucker / Auflage SG Nr. SG Spec. Vol. 3 SG Concise
1955–1958
St. Edward’s Crown
Waterlow (früh) 536 – 539 Creamy Creamy
Waterlow (spät, ab Februar 1957) Light cream White
De La Rue 536a – 539a Light cream White
 
1959–1963
Multiple Crowns
De La Rue (früh) 595 – 598 Light cream k. A.
De La Rue (spät, ab 1962) Whiter k. A.
Bradbury Wilkinson 595a – 598a Whiter k. A.
 
1967–1968
ohne Wz.
Bradbury Wilkinson 759 – 762 White k. A.

 
Die „k“-Marken

      Zwei Werte dieser Ausgabe kommen in Varianten vor, die Stanley Gibbons mit dem Buchstaben k bezeichnet: Die 2s.6d.- und £1-Werte gibt es auf Kreidepapier (chalk-surfaced paper), im Katalog als 595k und 598k geführt.
      Die 598k spielt im Sammleralltag keine Rolle; es wurden zwar (gemäss SG) 10 000 Bögen gedruckt, aber nie ausgegeben. Ca. 30 Exemplare existieren noch in Privatbesitz. Bei SG findet man einen Preis von gut fünftausend Pfund für diese Marke – sie taucht allerdings nie am Markt auf. (Ganz ehrlich: Wenn Sie eine davon hätten, würden Sie sie verkaufen?)
      Das sieht bei der 595k ganz anders aus: Selbst in meiner bescheidenen Sammlung befindet sich ein kompletter Bogen dieser Marke (wie auch aller übrigen Werte der Bradbury-Drucke). Sie ist mit Katalognotierungen von 50 Cent (Michel) bzw. 50 Pence (SG) sicher keine Rarität, aber sie konfrontiert die Sammler, wenn sie den Druck richtig zugeordnet haben, mit einer neuen kleinen Castles-Aufgabe: Wie erkenne ich Kreidepapier?

      Das Thema wird wahrscheinlich in Sammlerkreisen diskutiert, seit es solche Marken gibt, also seit rund 120 Jahren. Es gibt eine grosse Zahl von Tipps dazu und Diskussionen in Internet-Foren; eine kleine Auswahl finden Sie unten auf der Seite bei den Links. Zusammengefasst kann man sagen, dass man wirklich nur wenige Dinge beachten muss, um zu einer ziemlich verlässlichen Zuordnung zu kommen; hier sind diese Punkte, neudeutsch „Dos and Don’ts“, als Kondensat aus den unten verlinkten Beiträgen aufgelistet:

Was Sie nicht tun sollten
•  Marken mit Kreidepapier nicht waschen! Der zu intensive Kontakt mit Wasser kann das Markenbild beschädigen.
•  Verzichten Sie auf den viel zitierten Strich mit Silberdraht oder Silbermünze. Es ist beschrieben, dass dieser Test auf demselben Bogen auf einem Bogenrand positiv und auf dem anderen negativ ausfallen kann, und ob man den im positiven Fall entstehenden schwarzen Strich wirklich rückstandsfrei beseitigen kann, weiss man vorher auch nie sicher.
 
Wie Sie zu einer Zuordnung ohne Risiko für die Marke kommen
•  Halten Sie die Marke schräg ins Licht. Kreidepapier zeigt eine glänzende, normales Papier eine deutlich mattere Oberfläche.
•  Streichen Sie vorsichtig über die Marke. Das glatte Kreidepapier lässt sich erfühlen.
•  Schauen Sie die Marke unter hoher Vergrösserung (20–30 x) an. Unbehandeltes Papier zeigt leichte Unschärfen an den Druckkanten.

 
Sammeln Sie Presentation Packs?

      Im SG Concise Catalogue wie auch im Specialised finden Sie bei der Sonderausgabe zum Shakespeare-Festival (Ausgabedatum 23. April 1964, SG 646–650) den Hinweis, dass mit dieser Ausgabe die – heute standardmässig bei allen Neuausgaben etablierten – Presentation Packs eingeführt wurden. Das ist richtig, aber es ist nicht die ganze Geschichte: Das General Post Office (GPO) hatte bereits 1960 die ersten dieser Zusammenstellungen herausgegeben; diese frühen Ausgaben sind heute als Forerunners bekannt.

      Ein solches frühes Presentation Pack gab es mit den ersten DLR-Drucken der hier diskutierten Castle-Ausgabe (Papier light cream); es erschien, wie die übrigen „Forerunners“, 1960 zur International Stamp Exhibition in London. Dieses Set ist das m. W. teuerste aller Presentation Packs. Es gab eine Ausgabe mit dem Aufdruck „£1.18s“, die nur auf dem Festivalgelände verkauft wurde (SG £1400.00), eine Variante für den US-Markt mit dem Aufdruck „$6.50“, für die im SG ein Preis von £2000.00 notiert wird und eine weitere, sehr seltene Ausgabe ohne Preisaufdruck für den britischen Markt (bei SG ohne Preis, bei Andrew £5000.00).


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 20. Februar 2022, letzte Bearbeitung am 12. März 2022.


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