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Klassik erweitert – Grossbritannien ab 1952

Castle series – Einleitung

      Noch im Krönungsjahr von Königin Elisabeth II. erschienen am 5. 12. 1952 die ersten Ausgaben (1½d., 2½d.) der Dauermarkenserie mit ihrem Portrait, der Wildings. Weitere Wertstufen folgten relativ schnell; im Febraur 1954 lag eine komplette Serie von 17 Werten mit Nominalen von ½d. bis 1s.6d. vor.

      Es fehlten allerdings die hohen Werte, die für Luftpost-Einschreiben und High Value Packet (HVP) Mail (Anhänger an Wertpaketen, vielfach für Bargeldversand verwendet (1)) gebraucht wurden. Natürlich hätte man Wildings in entsprechenden Wertstufen herstellen können (sehr viel später gab es dann einmal Machins mit Werten bis zu £5 im ungewöhnlichen Grossformat), aber seit den unter George V 1913 eingeführten Sea Horses war es etablierte Politik des Post Office, für hohe Wertstufen Marken in gegenüber den kleinen Werten geänderter Zeichnung herauszubringen.
      In der frühen Regierungszeit von Elizabeth II musste man daher auf die hohen Werte zurückgreifen, die unter George VI ausgegeben worden waren. Daraus ergeben sich interessante Mischfrankaturen mit Ausgaben von zwei verschiedenen Regenten:

„Mixed-reigns“-Frankatur auf Luftpost-Einschreibebrief von London nach Wellington (Neuseeland) vom 27. April 1954
Einschreibeumschlag George VI (8½p.) mit Zusatzfrankatur George VI 2s.6d. (SG 509) und Elizabeth II Wildings 1d. und 2½d. (SG 516 und 519)

      Am 3. Juni 1953 wurden zunächst mit der Ausgabe zur Krönung die ersten Sondermarken (special issues) unter Elizabeth II ausgegeben, und am 1. September 1955 war es dann so weit: Die ersten Marken der neuen Castles-Serie in den Wertstufen 10s. und £1 erschienen, kurz darauf (23. September) gefolgt von den Marken zu 2s.6d. und 5s.


Die ersten Castles von 1955
2s.6d.: Carrickfergus Castle (Nordirland)   •   5s.: Caernarvon Castle (Wales)
10s.: Edinburgh Castle (Schottland)   •   £1: Windsor Castle (England)

 

      Das ist schnell geschrieben, aber tatsächlich ging der Ausgabe dieser Marken ein sehr aufwändiger und langwieriger Prozess voraus, in dem das Design der Marken festgelegt wurde. 17 Künstler bzw. Druckereien wurden angefragt (die Druckereien De La Rue, Harrison und Waterlow hatten eigene Designer-Teams bzw. externe Künstler unter Vertrag), insgesamt wurden im ersten Durchgang 68 Entwürfe eingereicht. Nachdem man sich in der entsprechenden Kommission auf eine bildliche Darstellung geeinigt hatte (2), wurden in einem zweiten Durchgang nur noch sieben Künstler mit „special aptitude for small landscape drawings“ (Allen) eingeladen. Es war dann noch ein weiter Weg bis zum endgültigen Design; man kann das nachvollziehen, wenn man sieht, dass z. B. an Lamb’s erstem Entwurf bemängelt wurde, dass in dem Entwurf für Schloss Windsor Wolken am Himmel dargestellt waren, bei den anderen Schlössern aber nicht. Dann war da ja auch noch das Portrait der Königin – alles nicht so einfach!

      Das endgültige Design wurde mehrheitlich in der Öffentlichkeit und der (nicht nur philatelistischen) Presse gelobt; Kritik gab es an der fehlenden Bezeichnung der Schlösser auf den Marken (Carrickfergus, das Motiv des 2/6-Wertes, war ausserhalb Nordirlands nur wenig bekannt), manchen Schotten missfiel der ungewohnte Blickwinkel auf Edinburgh Castle, und die ähnlichen Farben von Carrickfergus (2/6) und Windsor Castle (£1) wurden gleichfalls mehrfach bemängelt.
      Soviel in aller Kürze zur Entstehung dieser Marken; eine detaillierte Beschreibung der damaligen Abläufe finden Sie bei Allen.

      Schauen wir uns nun die Ausgaben im Detail an. Ausgaben? Ja, denn die Geschichte der Castles erschöpft sich nicht in den vier Marken vom September 1955. Die Serie war sehr langlebig; im ursprünglichen Design gibt es fünf Ausgaben in £/s/d-Währung, und wenn man die – allerdings völlig neu designten – Marken in Dezimalwährung ab 1988 dazunimmt, umfasst eine komplette Castles-Sammlung diese Marken:

SG Nr. Wertstufe / Ausgabedatum Drucker Wasserzeichen
536 – 539 2s.6d., 5s. / 23. 9. 55
10s., £1 / 1. 9. 55
Waterlow, StTdr. (bis 31. 12. 57) St. Edward’s Crown
536a – 539a 2s.6d. / 17. 7. 58
5s. / 30. 4. 58
10s. / 25. 4. 58
£1 / 28. 4. 58
De La Rue, StTdr. St. Edward’s Crown

595 – 598 2s.6d. / 22. 7. 59
5s. / 15. 6. 59
10s., £1 / 30. 6. 59
De La Rue, StTdr. (bis 31. 12. 62)
auf weissem Papier
Multiple Crowns
595a – 598a 2s.6d. / 1. 7. 63
5s. / 3. 9. 63
10s. / 16. 10. 63
£1 / 14. 11. 63
Bradbury Wilkinson & Co., StTdr.
auf weissem Papier
Multiple Crowns
595k, 598k 2s.6d. / 30. 5. 68
£1 (1963; bei SG ☉
nicht bekannt)
Bradbury Wilkinson & Co., StTdr.
auf gestrichenem Papier
(„chalk-surfaced paper“)
Multiple Crowns

759 – 762 2.6d. / 1. 7. 68
5s., 10s. / 10. 4. 68
£1 / 4. 12. 67
Bradbury Wilkinson & Co., StTdr.
auf weissem Papier
ohne Wz.
1410 – 1413 £1, £1.50, £2, £5 / 18. 10. 88
alle Werte mit gleichen Motiven
in geänderter Zeichnung
Harrison, StTdr.
auf weissem Papier
ohne Wz.

1611 – 1614 £1, £1.50, £2, £5 / 24. 3. 92
wie 1410–1413, Kopf der Königin
in Silhouette, seitlich
elliptische Zähnungslöcher
Harrison, StTdr.
auf weissem Papier
ohne Wz.
1613a £3 / 22. 8. 95
Motiv wie 1611 (Carrickfergus Castle)
Kopf der Königin in Silhouette,
seitlich elliptische Zähnungslöcher
Harrison, StTdr.
auf weissem Papier
ohne Wz.

1993 – 1996 £1.50 (Caernarfon), £2 (Edinburgh),
£3 (Carrickfergus), £5 (Windsor) /
29. 7. 97, elliptische Zähnungslöcher
Enschedé, StTdr. ohne Wz.

MS 2530 Blockausgabe „50th Anniversary of
First Castles Definitives“
im Design der pre-decimal-Ausgaben
50p. (Carrickfergus), 50p. (Windsor),
£1 (Caernarfon), £1 (Edinburgh) / 22. 3. 2005
Enschedé, StTdr. ohne Wz.

 
Und dann gibt es noch einige Castles

      Die Abbildung zeigt exemplarisch eine Castle-Marke, die für das britische Auslandspostamt in Tanger verausgabt wurde. Die Auslandspostämter sind ein Gebiet, das ich ursprünglich beim Einstieg in die moderne Philatelie unter Queen Elizabeth II nicht einschliessen wollte. In einer Spezialsammlung Wildings, die ich im März 2022 erwerben konnte, fand ich allerdings zahlreiche Ausgaben der British Post Offices Abroad; das Gebiet wird in dieser Sektion dieser Website in Zukunft vertieft behandelt.


Fussnoten:

  1. Mehr Informationen zu diesen packet tags finden Sie auf der Site von → Bill Barrell.
  2. Das war eine grössere Entscheidung, als man vielleicht zunächst glaubt, denn es war das erste Mal in der britischen Philatelie, dass nicht nur Königsportaits und allegorische Darstellungen als Markenmotive verwendet wurden.

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 6. Februar 2022, letzte Bearbeitung am 19. März 2022.


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