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Klassik erweitert – Grossbritannien ab 1952

Ersttagsbriefe (FDC)

      Ersttagsbriefe gehören zu den grossen Seltenheiten der klassischen Philatelie. In der Februar-Auktion 2022 bei Jean-Paul Bach wurde eine Sammlung von Ersttagsbriefen der Brustschild-Ausgaben für Fr. 200 000,– angeboten, und bei Stanley Gibbons gibt es aktuell (Februar 2022) einen Brief mit einem Sechserblock der Penny Black für £120 000.00 – nicht einmal vom Ersttag, sondern als seltene „Frühverwendung“ (9. Mai 1840). Bei dieser Bach-Auktion konnte ich einen (für einen Normalsammler bezahlbaren) britischen Ersttagsbrief für meine Sammlung erwerben; nicht Queen Elizabeth II, sondern King George VI, aber die hohen Werte waren als Vorläufer der Castles auch noch unter Elizabeth II in Gebrauch:

Luftpost-Einschreibebrief von Brighton nach Vevey vom 3. Mai 1951 (Ersttagsstempel für alle Marken).
Einschreibeumschlag 6½d. mit Zusatzfrankatur:
Oben: Festival of Britain, SG 513–514
Mitte: Hohe Werte der Dauermarken, SG 509–512
Unten: Farbänderungen der niedrigen Dauermarken-Werte, SG 503–507

      Natürlich ist dieser Brief „philatelistisch beeinflusst“ und weit überfrankiert; das kennen wir auch von den sogenannten Satzbriefen. Ich fand ihn trotzdem reizvoll, da er auf einem Beleg hohe und niedrige Dauermarken und eine Sonderausgabe kombiniert.
      Für mich als klassisch orientierten Sammler ist ein echt gelaufener Brief ausserdem die schönste Form, eine Markenausgabe zu dokumentieren, und als FDC ist er den einzelnen Marken mit Ersttagsstempel schon rein von der optischen Wirkung weit überlegen. Hier hat ganz offenbar ein Sammler liebevoll und überlegt diese Zusammenstellung komponiert. Kurz gesagt: Ich habe Freude an diesem Stück.

      Auch die frühen Ausgaben unter Elizabeth II finden wir noch auf „richtigen“ Ersttagsbriefen: Echt gelaufen, mit normalen Poststempeln entwertet (sogar mit Wellenstempeln auf den Marken), und ohne einen ausdrücklichen Hinweis auf dem Umschlag nur als FDC zu identifizieren, wenn man die Ausgabedaten im Kopf hat oder einen Katalog zu Hilfe nimmt:

Centenary of Post Office Savings Bank
28. August 1961, SG 623–625
Seventh Commonwealth Parliamentary Conference
25. September 1961, SG 629–630

      Kurz nach den oben gezeigten Ausgaben, zur Ausgabe National Nature Week (16. Mai 1963, SG 637/638), erschien erstmals ein spezieller Ersttagsstempel (Special First Day of Issue Postmark). Damit waren die Zeiten des unbeschwerten Erstellens von Ersttagsbelegen vorbei; ein „normaler“ Brief mit einem beliebigen Poststempel, auch, wenn dieser vom Ersttag stammt, gilt seither nichts mehr bei Sammlern.
      Im SG Concise heisst es dazu „The Philatelic Bureau and other special ‚First Day of Issue‘ postmarks provided by the Post Office since 1963 are listed under each issue. Prices quoted are for these postmarks used on illustrated covers (from 1964 those produced by the Post Office), franked with complete sets.“ (Hervorhebung von mir)
      Schauen wir uns einen 1971 ausgegebenen Ersttagsbrief an (Sie finden ihn auch bei der Einleitung zu den Machins):

Ersttagsbrief der ersten niedrigen dezimalen Machin-Werte vom 15. Februar 1971
(SG X841, X844, X848/9, X851, X855, X858, X861, X866, X870, X877, X882)

      Hier ist nichts mehr von einer philatelistischen Frankatur eines Bedarfsbriefs übrig. Es handelt sich um ein kommerzielles Produkt der Post, nicht um einen eigentlichen Brief, bei dem zu dem entsprechend bedruckten Umschlag („produced by the Post Office“) natürlich auch der speziell für diesen Anlass geschaffene Sonderstempel zum Einsatz kam. Es gibt Leute, denen man das verkaufen kann – Sie können diese Erzeugnisse sogar bei der Royal Mail abonnieren. (Was macht dieser Umschlag in meiner Sammlung? Sie ahnen es sicher schon: Es war ein typischer „Beifang“, aber als Erstausgabe der Machins und als Dokument zum Poststreik ist er noch von gewissem Interesse.)

      Nun gibt es Firmen, denen das noch nicht reicht. Aus arglosen Sammlern muss doch noch mehr herauszuholen sein? Zwei in diesem Markt sehr engagierte Firmen sind → Buckingham Covers und → Benham Philatelic. Ich empfehle, die Texte auf diesen Websites einmal ebenso sorgfältig wie kritisch zu lesen. Wenn es bei Benham heisst „We sponsor our own special Royal Mail postmarks to add even greater appeal“, zeigt das, dass die Royal Mail bei der Produktion solcher Stücke sehr bereitwillig mitspielt. (Diese nicht offiziellen Stempel finden allerdings in den SG-Katalogen keine Erwähnung.) Was das mit Philatelie oder auch nur mit Briefmarkensammeln zu tun hat, erschliesst sich mir allerdings nicht.

      Als bekennender Anglophiler möchte ich nicht in den Verdacht geraten, hier einseitiges Royal-Mail-Bashing zu betreiben. Kommerzielle FDC sind auch in Deutschland eine der schnellsten Möglichkeiten für Sammler, Geld zu verbrennen. (Das haben sie mit ihren Verwandten, den Ersttagsblättern, gemeinsam, und diese wiederum mit ihren britischen Cousins, den PHQ cards.) Hier ein Ergebnis der Gert-Müller-Auktion vom 24.–26. 2. 2022: „Enormer Katalogwert“ verträgt sich nicht ganz mit dem Zuschlag von gerade einmal € 80,–. Allein die Briefalben waren teurer!

Screenshot von → Philasearch vom 27. 02. 2022

      Falls jemand glaubt, das für solche FDC ausgegebene Geld als Investition betrachten und irgendwann einmal einen schönen Gewinn damit erzielen zu können, empfehle ich eine Suche nach entsprechenden Auktionslosen. Hier ein Beispiel des britischen Auktionshauses Cavendish:

      wenn wir nur £8.00 pro Umschlag als Kaufpreis ansetzen (was sicher zu niedrig gerechnet ist), hat jemand hier – ohne die luxury type binders – mehr als zweitausend Pfund ausgegeben. „170,00 GBP“ ist kein guter Return on Investment …

 
Mein persönliches Fazit

      Ersttagsbriefe, die noch Briefe waren (also bis 1963), nehme ich manchmal mit. Alles danach interessiert mich nicht mehr.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 27. Februar 2022, letzte Bearbeitung am 7. März 2022.


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