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Klassik erweitert – Grossbritannien ab 1952

Was die Briten so sammeln …

      In einem schon 2005 erschienenen Artikel zur Marktsituation des Gebietes Grossbritannien schrieb Gerd H. Hövelmann „Alles aber, was sich mit bloßem Auge ohne die Assistenz technischer Hilfsmittel sicher erkennen und als Abart identifizieren lässt, boomt auf dem britischen Markt: Doppeldrucke, Farbfehldrucke, teil- oder ungezähnte Marken, ausgefallene Markenbildteile. Solches Material, bei deutschen Stücken und im deutschen Auktionsumfeld mit Preisen bis 2.000 Euro meist ausreichend bezahlt, erzielen in Großbritannien umgerechnet nicht selten zwischen 5.000 und 10.000 Euro, mitunter gar mehr.“

      Tatsächlich fällt beim Blättern in Stanley-Gibbons-Katalogen auf, wie detailliert solche Varianten aufgelistet sind und welche teilweise enormen Preise für diese Stücke genannt werden. Sind sie realistisch? Dazu gleich mehr.
      Schon sehr früh habe ich auf dieser Website in sehr deutlichen Worten („Druckabfall“) erklärt, dass ich ausgefallene Zähnungen und fehlende Farben nicht unbedingt als philatelistische Raritäten ansehe. Nun, die Zeiten ändern sich, und man entwickelt sich weiter. Ich bin auch in fortgeschrittenem Alter noch bereit, meine Meinung zu ändern, und wenn selbst der renommierteste Katalog zum Gebiet solche Stücke als absolut sammelwürdig einordnet, kann ich das, wenn ich mich diesem Gebiet wirklich ernsthaft zuwende, nicht einfach ignorieren. (Ein ungezähntes Markenpaar hat es ja sogar ins Logo dieser Sektion geschafft.) Dass mir Probedrucke und „Specimen“ trotzdem immer noch lieber sind als ausgefallene Farben, wird sich allerdings nicht ändern.

      Sind nun die bei Stanley Gibbons genannten Preise für solche Varianten, die teilweise im fünfstelligen Pfund-Sterling-Bereich liegen, tatsächlich Marktpreise? Die Antwort wird Sie vielleicht ebenso erstaunen wie mich, als ich dem einmal nachgegangen bin: Ja, das sind sie!
      Hier ein Screenshot von der Website der Firma → Brandon Stamps, die sich auf solche Varianten spezialisiert hat (und von der meine sehr spezielle Variante des einzigen nichtdezimalen Prestige Stamp Books stammt):


(Screenshot vom 11. November 2021)

      Schauen wir uns den Viererstreifen (obere Reihe, zweites Angebot von links) einmal an. In dem Angebot ist ein Tippfehler („Cinnamon omitted“ ist im Stanley-Gibbons-Katalog die Nr. 933b, nicht 933a), aber der Preis stimmt: Die 933b ist als Einzelmarke mit £ 12 500,– aufgeführt. Der Preis von £ 16 500,– für diesen Viererstreifen (eine Marke mit vollständig ausgefallenem zimtfarbenem Druck, eine mit halb ausgefallenem Druck, zwei normale Marken), von dem nur vier Exemplare bekannt sind (!), ist insofern absolut angemessen.

      Wenn Sie sich in den Angeboten umsehen (es gibt ausser Brandon noch zahlreiche andere Firmen, die solche Varianten im Angebot haben, nicht zuletzt Stanley Gibbons selbst), werden Sie feststellen, dass die Katalogpreise tatsächlich im Handel erzielt werden. Man kann in fehlende Zähnungen und ausgefallene Farben ein Vermögen investieren!

 
Stempel: Mit Stanley Gibbons’ „superb“ bin ich nicht einverstanden

      Was, liebe Philatelisten, erwarten Sie von einem CDS (circular date stamp), also einem Kreisstempel mit Datum? Ich nehme an, dass unsere Vorstellungen, wie ein solcher Stempel aussehen sollte, ähnlich sind (Abb. links): Da er ja Datumsstempel heisst, sollte ein guter Stempelabschlag das Datum lesbar zeigen; ist der Ort auch noch lesbar und der Stempel dann noch einigermassen zentriert auf der Marke platziert, nimmt man die Marke gerne in die Sammlung auf.

      Im Stanley Gibbons Concise Catalogue finden Sie bei Ausgaben aus der viktorianischen Zeit häufig den fettgedruckten Vermerk „For well-centred, lightly used +100%“. Aufschläge für perfekte Zentrierung sind nachvollziehbar, aber was ist „lightly used“?

Im SG Concise finden Sie Beispiele für verschiedene Stempelqualitäten. Einen (aus urheberrechtlichen Gründen sehr kleinen) Ausschnitt dieser Klassifizierung anhand einer SG 476b zeige ich Ihnen hier: Dieses Stempelfragment ist nach SG Superb, die beste von fünf Einstufungen. Ein auf der gleichen Marke zentrisch abgeschlagener Stempel mit lesbarem Ort und Datum wird als Average eingestuft, der zweitschlechtesten Klassifizierung.

      Nach diesen Kriterien bleibe ich lieber bei der Durchschnittsware, denn bei einer gestempelten Marke möchte ich nun einmal den Stempel lesen können, es geht mir nicht darum, dass die Marke irgendwo am Rand eher beiläufig vom Stempel getroffen wurde.
      Bei einer Ausstellung in Grossbritannien müsste man wohl für das Zeigen schön zentrisch gestempelter Marken mit Abzügen für die Qualität rechnen, denn, wie es im SG heisst, „Stamp collectors […] prefer postmarks to be lightly applied, clear, and to leave as much as possible of the design visible“.

      Mein persönliches Fazit: Dem kann ich mich nicht anschliessen. Wenn gestempelt, dann richtig, und wenn ich as much as possble of the design visible haben möchte, sammle ich eben ungebrauchte Marken.

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Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 7. Oktober 2021, letzte Bearbeitung am 16. Juni 2022.


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