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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Bleisulfidschäden an klassischen Marken, Belegen und Stempeln

Das Problem

      Ich bemühe mich darum, Ihnen, meinen Leserinnen und Lesern, Informationen zu vermitteln, die für Sie im Sammler-Alltag brauchbar sind, und ganz sicher will ich hier nichts verbreiten, was möglicherweise zu einer Beschädigung oder Wertminderung Ihrer Marken führt.

      Schon vor dreissig Jahren konnten Sie in Hägers Kleinem Lexikon der Philatelie zum Stichwort „Klarsichthüllen“ diesen Eintrag lesen:

      „Bei der Verwendung der üblichen Klarsichthüllen ist jedoch Vorsicht geboten! Dem Kunststoff sind sog. Weichmacher beigemischt, wodurch die gewünschte Flexibilität erreicht wird. Die Weichmacher (org. Chemikalien versch. Zusammensetzung) haben aber die Eigenschaft, nach und nach zu entweichen, was zur allmählichen Versprödung des Materials, aber auch u.U. zur Verfärbung der darin untergebrachten Marken bzw. des Papiers führen kann.
      Da niemand zu sagen vermag, ob für die Herstellung der Hüllen irgendeines Fabrikates Weichmacher verwendet werden, die auf die Dauer gesehen schädigende Einflüsse auf Marken u. a. nehmen können, sollte auf die Verwendung der in Büroartikelgeschäften erhältlichen Klarsichthüllen verzichtet und die von Albenverlagen herausgebrachten benutzt werden. Bei letzteren ist zu erwarten, daß vorher entsprechende Versuche angestellt worden sind; das Ergebnis von über mehrere Jahre gehenden Langzeittests dürfte allerdings noch ausstehen.
      In diesem Zusammenhang wird oft auf PVC-Folien verwiesen, zu deren Herstellung keine Weichmacher verwendet werden, doch wurde andrerseits schon auf die Gefahr der evtl. Abspaltung anderer Chemikalien bei diesen aufmerksam gemacht. Mit absoluter Sicherheit kann heute wohl noch kein Klarsichthüllenmaterial empfohlen werden.

      (Hervorhebung von mir.)

      Eine Ende 2007/Anfang 2008 sehr intensiv geführte Diskussion zu diesem durchaus nicht neuen Thema (eine → Warnung von Peter Feuser gab es schon 2003) kann ich daher nicht ignorieren: Es geht um die mögliche (!) Verfärbung (vorwiegend klassischer) Marken und Stempel bei der Aufbewahrung unter Folien.
      Das Thema ist durch einen Artikel des bekannten Auktionators und philatelistischen Verlegers Peter Feuser wieder in die Diskussion gekommen, der im Dezember-Heft 2007 der Philatelie, der Zeitschrift des → BDPh (Bund Deutscher Philatelisten), veröffentlicht wurde.

      Herrn Feuser wie auch dem Chefredakteur der Philatelie, Wolfgang Maassen, spreche ich zunächst meinen Dank für diesen Hinweis und meinen Respekt vor dem Mut aus, den sie bewiesen haben, indem sie diesen Artikel gegen offenbar erhebliche Widerstände der betroffenen Industrie veröffentlicht haben.

      Die dadurch ausgelöste Diskussion verlief anfangs sehr heftig; seit etwa Mitte 2008 ist es um dieses Thema wieder ruhiger geworden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sammler sich jetzt beruhigt zurücklehnen und diese Problematik ignorieren können! Im Internet-Forum des BDPh gab es z. B. diese Themen („Threads“) dazu:

 

Welche Marken können betroffen sein?

      Eine Übersicht über die gefährdeten Marken mit einer Klassifizierung möglicher Schäden finden Sie ebenfalls → im BDPh-Forum. Auch ein sehr engagierter Händler hat sich dieses Problems angenommen; auf Torsten Hornungs → Website finden Sie eine Liste der besonders gefährdeten Marken. (Suchen Sie im „Archiv“ die Beiträge ab Januar 2008.)
      Achtung: Diese Aufstellungen sind nicht vollständig; dass eine Marke nicht aufgeführt ist, bedeutet nicht, dass bei einer Aufbewahrung unter Hart-PVC-Folien kein Risiko besteht!

 

Stellungnahmen

      Auch, wenn ein wissenschaftlicher (und gerichtsrelevanter) Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Aufbewahrung unter bestimmten Foliensorten und einer Verfärbung bisher nicht eindeutig erbracht werden konnte, ist das Problem doch so wichtig, dass man es diskutieren muss und nicht einfach ignorieren kann.

      Der erste Albenhersteller, von dem es eine seriöse Stellungnahme gab, ist die Firma Leuchtturm; auf der Firmen-Website finden Sie eine → Produkt-Information [aktuell nicht mehr verfügbar], in der explizit auf die Möglichkeit von Bleisulfidschäden hingewiesen wird und die für sämtliche Produktreihen die verwendeten Materialien nennt. Danke, Leuchtturm!

      Die nächste Firma, die vernünftig reagierte, ist Schaubek. In einer → Stellungnahme [aktuell nicht mehr verfügbar] auf der Firmen-Website heisst es ausdrücklich „Ein mögliches Risiko können aber auch wir nicht zu 100% ausschliessen.“
      Eine Link-Sammlung, die auch die Stellungnahmen aller Albenhersteller enthält, finden Sie ebenfalls → im BDPh-Forum.

      Ende Februar 2008 gab es eine offizielle Stellungnahme des → BDB (Bundesverband Deutscher Briefmarkenversteigerer e.V.). Sie finden den Text → beim BDPh oder auf der BDB-Website unter „News“; eine kurze Zusammenfassung ist in der SBZ (Heft 1–2/2009, S. 20) abgedruckt.

 

Meine persönliche Situation in Sachen Folienproblematik

      Auf einer anderen Seite habe ich Ihnen mein Aufbewahrungssystem vorgestellt; wie ging ich für mich mit diesem Problem um?
      Ich hatte teilweise ganze Blätter (meine Ausstellungssammlung und lose Blätter von auf Auktionen gekauften Restsammlungen) in Folien-Hüllen aufbewahrt. Diese Blätter habe ich sofort aus den Hüllen genommen.
      Wie Sie einer Abbildung auf der genannten Seite entnehmen können, bewahre ich Marken auf Leuchtturm-LB-Blättern in individuellen Hawid-Klemmtaschen auf. Dank der oben erwähnten Information auf der Leuchtturm-Website wusste ich, dass ich mein System nicht grundsätzlich umstellen musste; lediglich die alten LB-Blätter (vor 2004) habe ich gegen neue ausgetauscht.

      Damit ist das Thema für mich erledigt – gut, wenn man mit einem System sammelt, das von einer ehrlichen Firma stammt, denn dann weiss man, wo man steht.
      Wie Peter Feuser im BDPh-Forum schon schrieb (Beitrag wurde inzwischen entfernt, s. o.): Das wird Leuchtturm auch nicht leicht gefallen sein, aber die Verunsicherung der Benutzer dieses Systems hat ein Ende, und das ist wichtig.
      Das soll keine Werbung für eine bestimmte Firma sein; Sammler sind erwachsene, denkende Menschen, und sie werden wissen, wie sie mit den sehr verschiedenen Reaktionen verschiedener Hersteller umgehen sollen …

 

Weitere Entwicklung

      Diese Seite wird auch nach einem Jahr noch weiter aktualisiert werden, wenn sich grundsätzlich neue Erkenntnisse oder Entwicklungen ergeben. Ich empfehle allen Sammlern, auf jeden Fall die Entwicklung in dieser Angelegenheit selbst weiter zu beobachten und die entsprechenden Konsequenzen für ihre eigene Sammlung zu ziehen. Die beste Empfehlung, die ich Ihnen geben kann, ist, die oben aufgeführten Diskussionen im BDPh-Forum aufmerksam zu verfolgen.

 

Nachtrag im Sommer 2011

      Ich bin enttäuscht. Zweieinhalb Jahre sind seit meinem letzten Eintrag auf dieser Seite vergangen, und das Thema, das über Monate die Diskussion in der Fachpresse und den Foren dominiert hatte, ist inzwischen einfach kein Thema mehr. Es ist um die „Folienproblematik“ so ruhig geworden, dass man sich schon fragt „War da mal etwas?“

      Die 2008 oben verlinkten Stellungnahmen von Leuchtturm und Schaubek gibt es nicht mehr (weshalb ich die Links entfernt habe); sucht man auf der Leuchtturm-Site nach dem Begriff Bleisulfid, erscheint die lapidare Meldung „Ihre Suchanfrage ergab keine Treffer“. Warum? Gerade Leuchtturm hat sich in der ganzen Diskussion vorbildlich verhalten; wieso also stellt man den Kunden Informationen, die es schon einmal gab, nicht mehr zur Verfügung? „Am Baum des Schweigens hängt der Friede“ sagt ein arabisches Sprichwort, aber Probleme löst man so nicht. Ich warte weiter ab!

 

Nachtrag am 8. Januar 2013

      Nach langer Zeit ist mir heute wieder einmal eine Erwähnung der „Folienproblematik“ begegnet: Die Post brachte den Katalog zur 147. Auktion von → Rauhut & Kruschel am 1./2. Februar 2013. Unter Los-Nr. 7070 gibt es dort einen Sammlernachlass Preussen, in dessen Beschreibung es heisst „Erhaltung, mit wenigen Ausfällen, gut, einige ‚Folienschäden‘ sicher behebbar […]“. Schade um einige schöne klassische Stücke – und wie das „behebbar“ sein soll, wüsste ich gerne …

 

Nachtrag am 19. Dezember 2015

      Das Thema ist – zum Glück – im Bewusstsein der Philatelisten noch lebendig, auch, wenn es nicht mehr zu Schlagzeilen in der Fachpresse reicht. Lesen Sie beispielsweise → diesen Thread bei stampsx (Bilder, die einen Philatelisten traurig stimmen) oder schauen Sie im → Forum des BDPh vorbei. Geklärt ist noch nichts, und vor allem kann noch lange keine Entwarnung gegeben werden!


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 25. Januar 2008, letzte Bearbeitung am 19. Dezember 2015.


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