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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Gedanken zum Jahreswechsel 2022/2023

Zerstören Sie bitte nicht Ihre Sammlerstücke!

 
Anhängenden Bogenrand entfernen?

      Ganz pauschal: Nein. Etwas differenzierter: In der Mehrzahl der Fälle nicht. Klar ist, dass Bogenränder, die zur Zuordnung einer Marke hilfreich sind, unbedingt belassen werden sollten; ihre Entfernung würde sogar eine wertmindernde Massnahme darstellen.
      Sammler zahlen teilweise deutlich höhere Preise für Marken mit speziellen anhängenden Bogenrändern. In Deutschland kennen wir diverse Bogenranddrucke von Altdeutschland, die Unterscheidung von Walzen- und Plattendruck der Inflationsausgaben anhand der Bogen-Oberränder oder die Hausauftragsnummern (HAN). Grossbritannien-Sammler interessieren sich für Cylinder blocks, Marken mit Plattennummern, Kontrollnummern und Traffic lights am Bogenrand, und die diversen Settings der Jubilee lines sind katalogmässig erfasst. Interessante Bogenränder gibt es noch in vielen anderen Gebieten, Beispiele sind die Druckdaten in Frankreich, die „Tabs“ bei den Marken von Israel oder die Andreaskreuze bei den frühen Ausgaben Österreichs.
      Selbst unbedruckte Bogenränder können noch wertvolle Information liefern, wenn wir etwa an die Unterscheidung der verschiedenen Drucke der britischen Seahorses denken. Ein anderes Beispiel: Schon ein kleiner anhängender Seitenrand macht im Zweifel klar, dass wir eine Bogen- und keine Rollenmarke vor uns haben.

      In all diesen Fällen käme wohl niemand auf die Idee, den Bogenrand zu entfernen. Was aber ist mit modernen Marken wie den in Massenauflagen hergestellten Sondermarken der meisten Postverwaltungen? Wenn der Bogenrand keine philatelistisch relevante Information enthält, kann man darauf verzichten. Man kann, man muss ihn aber nicht entfernen. Ich belasse jeden Rand an jeder Marke; sie wirkt dadurch – bitte beachten Sie, dass das rein subjektiv ist – für mich irgendwie vollständiger.
      Nicht akzeptabel ist für mich das „Argument“, man müsse Bogenränder entfernen, da Marken sonst mehr Platz im Album belegen oder in den (von mir bekanntlich nicht sehr geschätzten) Vordruckalben nicht in die Taschen passen. Wer so argumentiert, würde wahrscheinlich auch die Mona Lisa beschneiden, damit sie in einen 40 x 60 cm grossen Bilderrahmen passt.

 
Paare und Viererblocks aufteilen?


 

      Wer war das? Chleudert den Purchen zu Poden!

      Auch wenn das Monty-Python-Zitat (1) eine gewisse Leichtigkeit suggeriert, kann ich nicht verhehlen, dass mich solche Angaben in einer Losbeschreibung ärgern.
      Was sind das für „Philatelisten“ (Sammler oder Händler), die einen solchen Rand-Viererblock zerteilen, weil sie vielleicht beim Verkauf von vier Einzelstücken ein paar Euro mehr verdienen als an dem ganzen Stück?

      Warten Sie doch einfach, bis Sie einen Kunden haben, der sich das komplette Stück leisten kann, statt eine schöne Einheit unwiederbringlich zu zerstören. Es gibt noch genug solvente Philatelisten, die so etwas nicht nur würdigen, sondern auch bezahlen können.

      Eine eigene Sammlerfahrung dazu: Ich hatte bei einem Händler aus einem Festpreisangebot eine ungebrauchte klassische Marke bestellt. Er teilte mir mit, dass das Stück leider bereits verkauft sei; er habe aber noch einen Viererblock. Das Angebot habe ich wegen des logischerweise deutlich höheren Preises zunächst dankend abgelehnt. Der Händler bot darauf an, mir eine Marke aus diesem Viererblock zu verkaufen. Auf meine Antwort, so etwas sei für einen Philatelisten als criminal offence zu betrachten, kam eine E-Mail mit einem Smiley und einem Angebot für den Viererblock zu reduziertem Preis. Natürlich habe ich das dann akzeptiert, und so wurde ein schönes Stück erhalten, ein Sammler war zufrieden, und ein Händler ebenso. Win-win-win!

      Diese barbarische Unsitte des Zerteilens von Viererblocks oder Paaren findet man vor allem bei mittlerer Ware. Absolute Spitzenstücke, bei denen grössere Einheiten Raritäten darstellen, die für ein Vielfaches der Summe der Einzelwerte gehandelt werden, bleiben davon glücklicherweise (meist) verschont. Trotzdem bleibt für mich die Regel: So etwas tut man einfach nicht!


Fussnoten:

  1. Das Leben des Brian bei Wikiquote.

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Erste Veröffentlichung am 31. Dezember 2022, letzte Bearbeitung am 31. Dezember 2022.


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