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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Antichi Stati Italiani/Altitalien

Kirchenstaat – Einleitung und Literatur

      Wer mit dem Sammelgebiet Kirchenstaat (ital. Stato Pontificio, engl. Roman States oder Papal States, frz. Etats de l’Eglise) beginnt, wird zunächst erfreut feststellen, dass die Ausgaben sehr überschaubar sind (mehr dazu unten), dass die meisten Marken – insbesondere die der ersten und dritten Ausgabe – für relativ wenig Geld zu haben sind und dass sogar Briefe, im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Gebieten, noch in das Budget eines „normalen“ Sammlers passen.
      Das waren die guten Nachrichten.

      Die schlechte Nachricht: Wenn der Kirchenstaat-Begeisterte allmählich die Entwicklung vom Sammler zum Philatelisten durchmacht, merkt er erst, worauf er sich eingelassen hat: Viele Fälschungen der frühen und nicht weniger als acht verschiedene Neudrucke (!) der späteren Ausgaben, die ihm natürlich oft als Originale angeboten werden, erfordern eine intensive Beschäftigung mit der Materie. Spezialisierte deutschsprachige Literatur gibt es kaum, Italienisch und Englisch sind gefragt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Schloss (zitiert auf der Seite über Neudrucke) feststellte, dass die Ausgaben des Kirchenstaats den durchschnittlichen Sammler schnell überfordern, was dann dazu führt, dass das Gebiet insgesamt abgelehnt wird.

      Das allerdings wäre schade; Jenkins schreibt: „The stamps of the Pontifical State represent a fascinating and unique chapter in postal history.“ (Die Marken des Kirchenstaates stellen ein faszinierendes und einzigartiges Kapitel in der Postgeschichte dar.)

      Auf dieser und den folgenden Seiten wird es nicht um die regulären Kirchenstaat-Ausgaben, sondern um Fälschungen und vor allem um Neudrucke gehen – Leser dieser Site wissen, dass dies mein Spezial- und Lieblingsgebiet in der Philatelie ist.
      Lassen Sie uns vorher noch einen Blick auf die Markenausgaben des Kirchenstaats werfen, damit wir wissen, wovon wir eigentlich reden, zumal die Ausgaben in der Literatur teilweise nur nach den Erscheinungsjahren bezeichnet werden:

Ausgabe 1852, geschnitten,
Bajocchi / Scudo
Sassone Vaccari Michel
1/2 Baj 1–1A 1–4a, 25–29 1
1 Baj 2–2B 5–7, 30–32 2
2 Baj 3–3A 8–9, 33–38 3
3 Baj 4–4A 10–12a, 39–47 4
4 Baj 5–5A 13–15, 48–51 5
5 Baj 6–6A 16–17a, 52–54 6
6 Baj 7–7A 18–20a, 55–56a 7
7 Baj 8 21–22, 57 8
8 Baj 9 23–24, 58 9
50 Baj 10, 12 59–60 10
1 Sc 11 61 11

Ausgabe 1867, geschnitten,
Centesimi
Sassone Vaccari Michel
2 C 13 62–62a 12
3 C 14–15, 21 63–64 13
5 C 16 65 14
10 C 17 66 15
20 C 18 67 16
40 C 19 68 17
80 C 20 69–69a 18

Ausgabe 1868, gez. L 13¼,
Centesimi
Sassone Vaccari Michel
2 C 22 70 19
3 C 23–24 71–72 20
5 C 25 73–74 21
10 C 26 75–76 22
20 C 27–28 77–85 23
40 C 29 86–88 24
80 C 30–31 89–92 25

(Die nicht verausgabten Marken von 1870 sind hier nicht berücksichtigt.)

      Gut zwei Dutzend verschiedene Wertstufen also; die vielen Nummern in den italienischen Spezialkatalogen Sassone und Vaccari kommen durch Farb- und Druck-Unterschiede zustande. Trotzdem: Das Ganze sieht auf den ersten Blick doch recht überschaubar aus.

      Ich darf an dieser Stelle an Kurt Karl Doberer, den berühmten Altmeister der klassischen Philatelie, und seine griffige Definition des „Philatelisten“ erinnern: Als „über den Katalog hinauswachsenden Sammler“ hat er ihn bezeichnet, und der Sammler in Deutschland, der den Michel benutzt, macht den ersten Schritt darüber hinaus, wenn er sich die Monographie von Jenkins beschafft. „Es gibt vier private Neudrucke der Ausgaben 1867/68“ schreibt Michel, Jenkins dagegen führt, im Detail in ihrer Entstehung beschrieben, acht Neudrucke auf: Usigli, Moens, Gelli & Tani I und II, Cohn I und II, Norditalien A und B. Sieben davon sind aber, streng genommen, Fälschungen. (Nähere Angaben dazu finden Sie auf der Seite über die Kirchenstaat-Neudrucke.)
      Offenbar hat dieses Gebiet doch mehr zu bieten, als sich dem Sammler mit einem Europa-Katalog erschliesst …

      Damit kommen wir zu der Frage, wo der interessierte Philatelist sich über diese Neudrucke und die bei der ersten Ausgabe nicht seltenen Fälschungen kundig machen kann.

      Zunächst gibt es natürlich die teilweise auch schon auf anderen Seiten dieser Site erwähnten Monographien zum Thema „Neudrucke“ von Schloss, Ohrt und Serrane. Obwohl sie teilweise nicht mehr dem aktuellen Stand der philatelistischen Forschung entsprechen, sind diese Bände Standardwerke und sicher im Bücherregal jedes Philatelisten zu finden, der ein spezielles Interesse an Neudrucken hat.

      Die erste mir bekannte spezialisierte Abhandlung über Neudrucke des Gebietes Kirchenstaat ist das 1933 erschienene Bändchen (16 Seiten) von Stiedl und Billig, der erste Band des später unter dem Gesamttitel „Grosses Handbuch der Fälschungen“ bekannt gewordenen Werkes. Rund dreissig Jahre später hat auch Bürgisser in seiner Kirchenstaat-Monographie das Gebiet der Neudrucke angesprochen.

Levitsky: Roman States Forgeries. The Issue of 1852. Levitsky: Roman States Forgeries. The Issue of 1867–1868.
Jenkins: Roman States Essays and Reprints. The Issues of 1867–1870.

      Wiederum dreissig Jahre später kamen mit den drei Bänden (plus Supplement) von Levitsky und Jenkins die besten und umfassendsten Werke heraus, die es zu diesem Thema gibt – man kann diese drei Bände ohne Übertreibung als Pflichtlektüre für Kirchenstaat-Sammler bezeichnen. (Sie sind bei europäischen Buchhändlern meist nicht verfügbar, bei → Philatelic Bibliopole aber eigentlich immer ab Lager lieferbar.)

      Links oben: Levitsky: Roman States Forgeries. The Issue of 1852.
      Rechts oben: Levitsky: Roman States Forgeries. The Issue of 1867–1868.
      Links: Jenkins: Roman States Essays and Reprints. The Issues of 1867–1870.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 27. Dezember 2005, letzte Bearbeitung am 1. Januar 2016.


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