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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Die klassischen Ausgaben von Spanien

Postfälschungen

Zur Terminologie: Wieso eigentlich „Postfälschung“?

      Bei unseren Freunden im grossen Kanton im Norden gibt es derzeit eine gewisse Unzufriedenheit mit der classe politique (wie man „die da oben“ bei uns nennt – auf Französisch klingt doch alles gleich viel eleganter), die inzwischen als „Politikverdrossenheit“ sogar Eingang in den Duden gefunden hat. Aus einer solchen Stimmungslage resultieren Sprüche wie dieser:
      Ein Staubsaugervertreter verkauft Staubsauger, ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen, und ein Volksvertreter …

      Übertragen wir diesen Kalauer auf die Philatelie, könnte man sagen „Eine Speratifälschung hat Sperati gefälscht, eine Fournierfälschung hat Fournier gefälscht, und eine Postfälschung …“
      Da die Post eines Landes kaum ihre eigenen Marken fälscht, muss wohl etwas anderes gemeint sein. „Postfälschung“ ist eine ebenso griffige wie eigentlich schlechte Bezeichnung für jene Erzeugnisse, die man korrekt als Fälschungen zum Schaden der Post bezeichnet. Mit diesem Begriff ist auch gleich die Abgrenzung zur anderen philatelistisch wichtigen Kategorie, den Fälschungen zum Schaden der Sammler, klar definiert. In Katalogen werden für diese beiden Kategorien verschiedene Bezeichnungen verwendet – im Michel „falsch“ in Kapitälchen für Fälschungen zum Schaden der Sammler, „PFä“ in Schreibschrift für Fälschungen zum Schaden der Post –, und Sammler hassen zwar Fälscher, die ihnen ihre Machwerke als Originale verkaufen wollen, sind aber bereit, für Postfälschungen teilweise fünfstellige Euro-Beträge zu bezahlen.

      Nachdem wir das nun definitiv geklärt haben, erlaube ich mir, im Folgenden beim kurzen Postfälschung zu bleiben statt den korrekten, aber umständlicheren Begriff zu verwenden, und hoffe, dass Sie mir diese kleine Ungenauigkeit verzeihen.
      Während „Postfälschung“ übrigens im Lexikon von Häger noch unkommentiert als Eintrag auftaucht (der dann sofort erklärt wird als „zum Schaden der Post mehr oder weniger gut gelungene Nachahmung …“), heisst es bei Grallert zu diesem Stichwort, völlig korrekt, nur „mitunter gebräuchliche, aber nicht eindeutige Bezeichnung für → Fälschung zum Schaden der Post“.

 

Postfälschungen: Spanisches Nationalhobby vor 150 Jahren?

      Die vielleicht bekanntesten klassischen Postfälschungen sind die Mailänder und Veroneser Fälschungen der ersten Ausgabe von Lombardei-Venetien. Soweit es die Menge der erzeugten Fälschungen betrifft, ist Spanien allerdings kaum zu übertreffen; im oben schon erwähnten Lexikon-Eintrag zu „Postfälschung“ bei Häger heisst es „Besonders betroffen von Postfälschungen war Spanien von 1854–1899, ein Grund dafür, daß dort mit nur ein- oder zweijährigem Abstand immer wieder neue Dauerserien verausgabt werden mußten, weil schon kurze Zeit nach Erscheinen einer neuen Serie Postfälschungen festgestellt wurden.“

      Was heisst „besonders betroffen“ konkret? Von jeder der frühen Ausgaben gab es über kurz oder lang Postfälschungen; Graus/Soro haben ausgeführt, dass tatsächlich diese Fälschungsflut und nicht, wie gelegentlich behauptet wird, der jährliche Wechsel des Stempelpapiers der Grund für die häufigen Neuausgaben war – die dann ebenfalls kurz nach ihrer Ausgabe gefälscht wurden. Wieso sich gerade die Spanier in diesem dubiosen Gebiet so hervortaten, ist unklar – es war vielleicht auch eine Form von Unzufriedenheit mit der classe politique und das Gefühl, dass „die da oben“ dem kleinen Mann schon genug in die Tasche griffen. Man darf dabei ja nicht vergessen, dass Spanien um die Mitte des 19. Jahrhunderts grosse politische Veränderungen erlebte, so dass das Erschleichen einer staatlichen Dienstleistung vielleicht nicht wirkliches Unrechtsbewusstsein auslöste. Wie auch immer: Wir verdanken diesem eigenartigen Nationalsport viele interessante „Ausgaben“ (besser: Erzeugnisse), die manche Sammler zu einem eigenständigen Gebiet ausgebaut haben.

      Man muss das von den Fälschern bei ihrer kriminellen Tätigkeit bewiesene Talent dabei fast bewundern: Sir Rowland Hill, der mit seiner Denkschrift „Post Office Reform: Its Importance and Practicability“ 1837 den Anstoss zu einem modernen Postwesen mit Briefmarken gegeben hatte, hatte sich auch für die Verwendung eines Portraits als Motiv ausgesprochen, da ein Gesicht schwerer zu fälschen sei. Spanien hatte unter Isabella II. immer ein Königsportrait als Motiv – und die Fälscher schafften es, diese Darstellungen immerhin so weit zu imitieren, dass sie im normalen Postalltag nicht ohne weiteres auffielen.

 

Postfälschungen: Ein Beispiel

      Standard-Literatur für die spanischen Postfälschungen ist das bei der Literatur vorgestellte Buch von Graus/Soro. Ich zeige Ihnen hier die in diesem Werk als Nr. 17F beschriebene Marke mit ihren Kennzeichen:

Postfälschung auf Brief
Oben: Diese Postfälschung ist regulär befördert worden (Wagenradstempel und Datumsstempel von Zaragoza).
 Unten: Links sehen Sie die Postfälschung vergrössert, rechts sind die bei Graus/Soro beschriebenen Kennzeichen markiert: Eine markante Ausbuchtung am „O“ und nur vier Perlen im linken oberen Eckfeld. Die Marke ist ausserdem – was aber wohl im Postbetrieb niemandem auffiel – kleiner als das Original.
Postfälschung im Detail

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 2. Januar 2011, letzte Bearbeitung am 2. Januar 2011.


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