Alle Inhalte dieser Site sind urheberrechtlich geschützt; Copyright © C. Ozdoba
Logo der Website „Klassische Philatelie“

 

Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Abarten und Druckzufälligkeiten

      Wenn ein Sammler eine Marke findet, die nicht so aussieht, wie sie laut Katalog eigentlich aussehen sollte, wird es interessant: Was haben wir hier? Eine echte Abart, also einen Fehldruck oder einen Plattenfehler, oder nur einen Druckmangel, also ein unerkannt in den Vertrieb gelangtes Stück Makulatur, das eigentlich schon in der Druckerei in den Reisswolf gehört hätte?

      Sammler sind oft enttäuscht, wenn sie eine solche Marke einem Spezialisten vorlegen und dann erfahren, dass die vermeintliche Rarität lediglich als Druckzufälligkeit einzuordnen ist und keinen besonderen Wert besitzt.

      Ich kann hier nicht alle vorkommenden Formen von „echten“ Abarten und die zahlreichen Varianten von Druckmängeln auflisten, aber doch wenigstens einige Hinweise geben. Abarten und Fehldrucke sind ausserdem in den Katalogen aufgeführt; wenn Sie die Variante, die Sie vor sich haben, nicht im Katalog finden, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Druckzufälligkeit.


Abarten

      In diese Rubrik gehören zunächst einmal die Fehldrucke, dies sind Marken, die in „falscher“ Farbe, auf anderem Papier oder mit anderem Wasserzeichen gedruckt wurden, als für diese Ausgabe eigentlich vorgesehen war.

Tre Skilling Banco Farbfehldruck

      Einige der ganz grossen philatelistischen Weltraritäten sind Farbfehldrucke, etwa die schwedische Tre Skilling in gelborange statt grün (Abb. links), von der nur ein einziges Exemplar bekannt ist (zuletzt 1996 für 2,5 Millionen Schweizer Franken verkauft), oder der Baden-Fehldruck von 1851, auf Brief die teuerste deutsche Briefmarke (1985 für 2,3 Millionen D-Mark verkauft). Weitere bekannte Fehldrucke dieser Kategorie sind die Farbfehldrucke der woodblocks vom Kap der Guten Hoffnung.

      Einen anderen typischen Fehldruck findet man bei Marken, die in mehreren Druckgängen hergestellt wurden, wobei der zentrale Teil des Bildes separat gedruckt wurde: Das kopfstehende Mittelstück. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Marken von Helgoland mit diesem Fehldruck etwa gibt es nur bei den Neudrucken, und diese sind philatelistisch motivierte Machwerke.
      Eine unter Philatelisten bekannte echte Abart dieser Kategorie ist die Inverted Jenny, die amerikanische 24c-Luftpostmarke aus dem Jahr 1918, bei der das Flugzeug in der Mitte auf dem Rücken fliegt. (Eine ausführliche Beschreibung dieses Fehldrucks finden Sie in der englischen → Wikipedia.) Ein Viererblock dieser Marke brachte bei einer Auktion in den USA im Oktober 2005 die Rekordsumme von 2,7 Millionen Dollar!
      Analog zum kopfstehenden Mittelstück gibt es auch den kopfstehenden Rahmen; das früheste Beispiel dafür ist die Scott Nr. 3a von Westaustralien, im Englischen als → Inverted Swan bekannt.

Tre Skilling Banco Farbfehldruck Ein Beispiel für kopfstehenden Druck einer Farbe: Oben sehen Sie die „normalen“ Marken, unten die Fehldrucke, bei denen der farbige Mittelteil und die gleichfalls farbigen Wertziffern in den Kreisen an den vier Ecken verkehrt herum gedruckt wurden.
(Essen, Privat-Stadt-Post, MiNr. 27N und 28N)

      Die wohl häufigsten Abarten sind Plattenfehler oder Retuschen. Diese sind umfassend katalogisiert (dafür benötigen Sie natürlich einen Spezialkatalog). Neuentdeckungen sind eigentlich nur noch bei aktuellen Ausgaben möglich, Gerd H. Hövelmanns viele Jahre lang erschienene Rubrik „Für Schatzsucher“ in der → DBZ zeigte aber, dass aufmerksame Philatelisten manchmal auch bei 50 und mehr Jahre alten Ausgaben noch bisher unbekannte Plattenfehler finden. (Diese Rubrik wird auch nach redaktionellen Umstellungen bei der DBZ ab 2008, jetzt unter der Leitung von Michael Burzan, weiter geführt.)


Druckzufälligkeiten

      In diese Rubrik der Druckmängel gehören Veränderungen, die zufällig während der Markenherstellung entstehen; streng genommen sind es Fehler beim Druck (nicht „Druckfehler“ (1)), die eigentlich zum Aussortieren der entsprechenden Bögen bzw. Marken als Makulatur führen sollten.
      Eines sollten Sie dabei beachten: Häger schreibt „Marken mit Druckmängeln, die bestenfalls in sehr ausführlichen Spezialkatalogen Aufnahme finden, werden von den Sammlern wertmäßig meist weit überschätzt“. Also: Wegwerfen sollten Sie die Marken nicht, sie sind eine nette Ergänzung einer Sammlung, aber es sind keineswegs wertvolle Raritäten!

Papierfalten
Papierfalten (Quetschfalten) sind typische Druckmängel
(Essen, Privat-Stadt-Post, MiNr. 13)
Fehlerhafte Zähnung Fehlerhafte Zähnungen ergeben sehr spektakuläre Ergebnisse, sind aber auch nur als Druckmängel einzustufen.
(Essen, Privat-Stadt-Post, MiNr. 2)

      In der „Einführung in den Michel-Deutschland-Spezial-Katalog“ finden Sie eine kurze Übersicht über Zufälligkeiten. Dort wird Ihnen – kommentarlos – der Begriff Passerverschiebung begegnen. Zur Klärung dieses Begriffs darf ich Sie auf eine → Diskussion im Forum Basler Taube verweisen.


Fussnoten:

  1. Druckfehler sind Fehler im Markenbild, die bereits beim Gravieren des Urstempels und nicht erst beim Druck entstanden sind, beispielsweise orthographische Fehler im Text der Marke.

Literatur:


Zurück zur Einleitung / zur Startseite.


Copyright © 2005 – 2013 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 30. Oktober 2005, letzte Bearbeitung am 15. September 2013.


Adresse dieser Seite: http://www.klassische-philatelie.ch/intro/intro_abart.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5