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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Sie wollen also eine philatelistische Bibliothek aufbauen …

      Mehrfach finden Sie auf dieser Site den Hinweis, dass es sich lohnt, in philatelistische Literatur zu investieren. Zu Beginn jedes Länderkapitels gibt es eine Seite über grundlegende Literatur zu dem jeweiligen Gebiet, und auf jeder Seite wird die verwendete Literatur zitiert.
      Wenn Sie diese Seite lesen, brauche ich Sie von der Bedeutung einer eigenen kleinen Bibliothek für den engagierten Sammler offenbar nicht mehr zu überzeugen – dass Sie sie wollen, ist klar, so bleibt die Frage, wie Sie dabei am besten vorgehen.

      Heute, im Internet-Zeitalter, ist das wesentlich einfacher als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Ich habe beim Schreiben dieser Seite versucht, zu rekapitulieren, wie das bei mir vor inzwischen knapp dreissig Jahren angefangen hat.
      Der Weg führte, damals ausschliesslich für das Gebiet „Altdeutschland“, vom Michel Deutschland-Katalog erst einmal zum Spezial-Katalog – diese Entwicklung kennt jeder Philatelist. Einen entscheidenden Impuls gab mir damals, wie schon an anderer Stelle erwähnt, ein Buch von Kurt Karl Doberer, in dem ich Hinweise auf den Grobe-Katalog und die Reihe „Altdeutschland unter der Lupe“ von Ewald Müller-Mark fand. Damals wie heute konnte man meist nicht in das nächste Briefmarken-Fachgeschäft gehen und nach diesen Titeln fragen; Literatur ist ein Gebiet, das der Fachhandel leider nur selten über die gängigen Länderkataloge hinaus pflegt.

Preisschild Bartels

      Ich hatte das Glück, dass es damals (wir reden von der Zeit um 1978/1980) in Düsseldorf an der Graf-Adolf-Strasse die Firma Briefmarken Bartels gab, die in Sachen Literatur durchaus gut sortiert war. (Gibt es sie eigentlich noch?)
      Die stets freundliche und zuvorkommende Art, in der man damals dort auch den Studenten mit wenig Geld behandelte, habe ich nie vergessen; auch so etwas trägt dazu bei, junge Leute an das Hobby zu binden! Mein Müller-Mark stammt von Bartels – natürlich wurden die Bände nacheinander einzeln gekauft, einer bis zwei im Monat –, und auch die Helgoland-Monographie von Lemberger habe ich dort gekauft.
      Die 70 Mark rissen damals ein grosses Loch ins Budget, aber es war meine erste „richtige“ spezialisierte Monographie zu einem Gebiet, und ich erinnere mich noch, wie mir beim Lesen dieses Bandes irgendwie klar wurde, dass Philatelie eigentlich, auf hohem Niveau betrieben, eine wirkliche Wissenschaft ist.

Gerade einmal DM 11,90 kostete in den späten 1970ern der Band „Helgoland/Lübeck“ von Müller-Mark – heute zahlt man mehr in Euro!

      Weitere Bücher folgten; Hinweise, was sich zu suchen lohnte, gaben die Stadtbücherei und die Literaturlisten in anderen Büchern, aber die Suche danach, wo sie zu bekommen waren, war mühsam: Im Wesentlichen waren da die Anzeigen von Literatur-Anbietern in der → DBZ, (viel) später kamen dann Auktionskataloge dazu.

      So, liebe Leserinnen und Leser, war das vor rund dreissig Jahren. Die beiden grossen Fragen für den Aufbau einer Bibliothek, was es eigentlich gibt und wo man es bekommt, haben sich nicht geändert, aber die heutigen Philatelisten haben es ungleich leichter, sie zu beantworten.
      Andere Fragen, etwa nach Aufbewahrung und Katalogisierung, sind ebenfalls nicht unwichtig, darauf komme ich später zurück.


Welche Literatur gibt es zu meinem Gebiet?

      Im Zeitalter des World Wide Web ist diese Frage ungleich einfacher zu beantworten als noch vor gut zehn Jahren: Als erstes suchen Sie auf den Websites der Katalog-Verlage nach den allgemeinen und/oder Spezial-Katalogen des jeweiligen Gebiets. Für weiter führende Literatur sollten Sie in den Online-Katalogen von Antiquariaten oder in grossen Antiquariats-Datenbanken nach den entsprechenden Stichwörtern suchen. (Einige Web-Adressen finden Sie auf meiner Seite über die Bedeutung philatelistischer Literatur.)

      Spielen wir das an einem Beispiel schrittweise durch: Sie haben soeben von Ihrem Grossvater ein Album voll mit klassischen Ausgaben von Neusüdwales geerbt, über die Sie absolut nichts wissen. Das Gebiet scheint aber interessant, vielleicht wollen Sie es ja weiter führen.

  1. Neusüdwales, das ist British Commonwealth, also gibt es wohl bei Stanley Gibbons am ehesten einen Katalog dazu. Schauen wir einmal auf die → Website: Unter „Shop / Catalogues / Commonwealth“ finden Sie schon einmal einen Übersichtskatalog. Nein – nicht gleich bestellen, notieren Sie erst einmal die bibliographischen Daten! £ 45,– sind über 100 Franken, dazu kommen die Versandkosten, und Sie wollen sich ja zunächst einen Überblick verschaffen, da muss es nicht die neueste Ausgabe sein.
  2. Im zweiten Schritt schauen wir also, da es um den Commonwealth geht, einmal bei einem britischen Antiquar vorbei: → Pennymead Books hat unter „Philatelic Books / Worldwide by Country“ zwar keine Rubrik „New South Wales“, aber – so viel Geographie haben wir gelernt – vielleicht unter „Australien“? Richtig, wir werden fündig:
    HULL A.F.B. The postage stamps, envelopes, wrappers, post cards and telegraph stamps of New South Wales. Part II. (Only) R.P.S. 1913. 334 large pp + 15 loose plates. 1st ed., fine in orig. worn and slightly torn blue card covers. An important study. Part II covers the issues from 1871. HULLAFB009102 £ 175
    CHEAVIN W.H.S. Philately and the Microscope. VI British Possessions. Australia: New South Wales. Torino. 1928. 14 large pp. 1st ed., occasional tone spotting and some stains, in orig. paper covers. Specialised study of printings and varieties on stamps of N.S.W. CHEAVINW014305 £ 12
    Das Buch von Hull klingt nach genau der Art von Monographie, die wir suchen. Es ist mit umgerechnet über 400 Franken sehr teuer, und wir haben hier nur den zweiten Band. Trotzdem: Pennymead merken wir einmal vor. (Natürlich würden wir, wenn wir hier bestellen, das kleine Bändchen für gerade einmal £ 12,– noch mit bestellen.)
  3. Jetzt befragen wir unseren deutschen Stamm-Antiquar, → Philabooks. Erwartungsgemäss werden wir bei Herrn Schneider fündig: Die Monographie von Hull gibt es hier als gebundene Kopie (beide Bände!) für gerade einmal € 50,–. Das klingt schon besser und wird ganz fest vorgemerkt, zumal es bei Philabooks auch noch alte Stanley Gibbons-Kataloge zu sehr günstigen Preisen gibt.
  4. Zum Schluss starten wir die Generaloffensive auf die Antiquariate dieser Welt: Bei → Abebooks geben wir als Suchbegriffe new south wales stamps ein und bekommen nicht weniger als 813 „Treffer“! An einem verregneten Samstagnachmittag könnten wir die jetzt alle in Ruhe durchlesen, einfacher ist es, die Suchwörter zu editieren und nach new south wales „postage stamps“ zu suchen. Beachten Sie die Anführungszeichen, die dafür sorgen, dass postage stamps als zusammenhängender Begriff gesucht wird. Hier finden wir eine Monographie, die uns als Sammler dieses Gebietes interessiert:
    HISTORY OF THE POST OFFICE. Together with an Historical account of the Issue of Postage Stamps in New South Wales. Compiled chiefly from the records. Facsimile edition. HOUISON, Andrew.
    Diese Ausgabe wird mehrfach angeboten, die Preise liegen zwischen € 22,– und 48,–. Es handelt sich dabei jeweils um die Facsimile Edition. Ganz unten auf der Seite gibt es das Buch noch einmal: Für stolze € 1271,– können wir auch das Original haben! Welche Ausgabe sollen wir wählen? Mehr dazu unten im Kapitel über bibliophile Philatelisten.

      Ich habe hier als Beispiel Neusüdwales gewählt, weil das ein Gebiet ist, an dem ich keinerlei Interesse habe und von dem ich keine einzige Marke besitze. Das, was ich oben beschrieben habe, ist aber genau die Art, wie ich vorgehen würde. Die entsprechenden Web-Suchen wurden alle am 7. 1. 2006 durchgeführt.

      Einen Einstieg in die Literatur unseres Gebietes haben wir damit schon einmal. Das ist natürlich nicht alles: Ein nächster Schritt ist die Suche nach philatelistischen Arbeits- und Forschungsgemeinschaften, die häufig nicht nur umfangreiche Bibliotheken pflegen, sondern auch eigene Bücher oder Berichte herausgeben. Man darf auch nicht erwarten, quasi „in einem Rutsch“ an einem Nachmittag einen umfassenden Überblick über die Literatur zu einem Gebiet zu bekommen. Das leitet dann schon zu unserem nächsten Thema über:


Wo finde ich philatelistische Fachliteratur?

      „Im Web“, werden Sie jetzt wahrscheinlich spontan sagen, „das ist doch oben schon im Detail beschrieben!“ Das ist zwar richtig, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Es gibt noch andere Quellen, um nach Literatur zu suchen, und oft genug begegnet man Titeln, von denen man vorher noch nie gehört hatte.

      Immer, wenn ich in einer fremden Stadt bin, besuche ich nach Möglichkeit Antiquariate und frage gezielt nach philatelistischer Literatur; es sind ja nicht alle Antiquariate bei Abebooks oder dem → ZVAB, dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher, organisiert. Eine solche Frage kann sich lohnen, insbesondere auch nach alten Auflagen von Katalogen.

      Bei grossen philatelistischen Veranstaltungen, also Messen und Börsen, lohnt sich die Suche nach Literatur fast immer. Mein letzter Fund war, anlässlich der NAPOSTA 2005 in Hannover, der Bolaffi-Spezialkatalog über Mischfrankaturen des Risorgimento. Ich wusste vorher nicht, dass es ihn gibt, aber als ich ihn für 10 Euro in einem grossen Stapel fand, war klar, dass ich ihn mitnehmen musste.

      Bei Auktionen (nicht Internet-Auktionen, also eBay, ricardo & Co., sondern „richtige“ Auktionen) gibt es fast immer eine Rubrik Literatur. Da das Abonnieren von Auktionskatalogen auf die Dauer recht teuer wird, lohnt es sich, die Online-Kataloge grosser (und kleiner!) Auktionshäuser regelmässig auf entsprechende Angebote hin durchzusehen.

      Reine Literaturauktionen sind selten, aber es gibt einige Firmen, die sich auf diesen Zweig der Philatelie spezialisiert haben. Huys-Berlingin in Liechtenstein ist eine gute Adresse (1), → HH Sales eine andere, und echte „Schnäppchen“ sind regelmässig bei dem holländischen Auktionator René Hillesum in seinen → Boekenland-Auktionen möglich.


Der bibliophile Philatelist

oder

Der philatelistisch interessierte Bibliophile

      Das Buch an sich hat einen Reiz, dem sich der, den es einmal gepackt hat, nicht entziehen kann. Informationen auf einem Bildschirm abzurufen ist eine Sache, ein schön gebundenes, hundert oder mehr Jahre altes Buch in der Hand zu halten eine ganz andere.

      Ob und inwieweit Sie diesen Aspekt – das haptische Erlebnis, das Bewusstsein, altes Kulturgut (denn das ist ein Buch auf jeden Fall) zu besitzen, vielleicht auch den Wert, den ein seltenes altes Buch darstellt – beim Aufbau Ihrer Bibliothek berücksichtigen wollen, ist Geschmackssache.

      Ich liebe Bücher, das ist nun einmal so. Ich habe schon sehr viel Geld für Bücher ausgegeben, aber ich bin nicht darauf fixiert, ein Buch im Original zu besitzen. Ich habe einige der Monographien von Moens, und ich habe nach jahrelanger Suche ein Exemplar von Napiers Buch gefunden, aber den Klassiker über die schweizerischen Kantonalmarken von Mirabaud/Reuterskiöld hatte ich lange nur als Reprint. Das war, neben der Schwierigkeit, ein Original aufzutreiben, auch eine Preisfrage: Den hervorragenden Nachdruck von Slatkine bekommen Sie z. B. heute noch bei → Honegger für Fr. 300,–; wenn Sie überhaupt ein Original finden, müssen Sie dafür etwa das Zehnfache anlegen.

      Philatelisten können Peter Feuser in Stuttgart dankbar sein, der über qualitativ hervorragende Nachdrucke etliche Werke der klassischen philatelistischen Literatur den heutigen Sammlern wieder zugänglich gemacht hat, nämlich die berühmten Monographien von Ohrt (Handbuch aller bekannten Neudrucke), Krötzsch (Handbuch der Postfreimarkenkunde), Schmidt (Handbuch der Deutschen Privat-Postwertzeichen) und Lindenberg (Die Briefumschläge der Altdeutschen Staaten). Diese Nachdrucke habe ich, die Originale werde ich nun sicher nicht mehr kaufen.

      Das bibliophile Element bricht gelegentlich allerdings auch bei eher Informations-orientierten, rationalen Buchkäufern aus; das ist ein spezielles Phänomen, nämlich

Der Lustkauf

      Zugegeben, es packt nicht Jeden, aber manchmal passiert es: Ein Buch ist an sich, einfach als Buch, so überzeugend, so gut gemacht, so – wie ein Kollege von mir in solchen Fällen, ganz ohne erotische Hintergedanken, sagt – sexy, dass Sie sich seiner Faszination einfach nicht entziehen können und es kaufen.

      Ich würde nicht darüber reden, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte: Sammle ich Dänemark? Nein. (2) Warum also kaufe ich eine hoch spezialisierte Monographie über die zweite Markenausgabe Dänemarks? Richtig, Sie ahnen es: Das Buch ist so sexy!

DAKA DAKA
Ein hervorragend gemachtes Buch, das sogar Rekonstruktionen der beiden Platten dieser Marke enthält.
Bei Preisen um ca. Fr. 1500,– pro Stück bleibt allerdings nur das Betrachten in Büchern …
Bibliographische Angaben: Sten Christensen: Denmark. 2 Rigsbank-Skilling 1851–1852
Trelleborg Philatelic Society, Trelleborg 1980

      Vielleicht muss man für diese spezielle Art, die eigene Bibliothek zu erweitern, ein bisschen verrückt sein, aber ich wollte das wenigstens erwähnen …


Aufbewahrung und Archivierung der Bibliothek

      Dass man Bücher nicht gerade in Pappkartons im Keller aufbewahrt, dürfte klar sein. Eine trockene Umgebung verlangen sie, direktes Sonnenlicht sollte man vermeiden, und sie sollten stabil stehen, damit sie sich nicht verziehen. (Mehr dazu finden Sie bei Maassen, s. u.).

      Wenn Ihre Bibliothek wächst, müssen Sie irgendwann irgendeine Form von Verzeichnis führen, wenn Sie nicht den Überblick verlieren wollen. Ich habe mich für eine Excel-Datei entschieden, die Tabellenblätter für die verschiedenen Sammelgebiete enthält. Der grosse Vorteil dabei: Ich kann die Datei auf jedem PC, Notebook oder Tablet bearbeiten, und ich kann sie auf mein Smartphone kopieren, das ich immer bei mir habe – das vermeidet teure und überflüssige Doppelkäufe auf Börsen und in Antiquariaten, da ich sehr schnell feststellen kann, ob ich den betreffenden Titel schon habe. Meine Bibliothek ist zwar eigentlich noch überschaubar, aber jedes Buch habe ich auch nicht im Kopf, etwa die diversen Auflagen verschiedener Kataloge.


Bücher, die Ihnen beim Aufbau einer Bibliothek helfen

Maassen: Literatur sammeln – Bibliotheken pflegen

      Einer der wenigen Titel, die sich mit dem Aufbau einer Bibliothek beschäftigen, ist dieses Buch von Wolfgang Maassen. Neben allgemeinen Hinweisen finden Sie Informationen über wichtige Bibliotheken, grosse Literatur-Sammler und Adressen von spezialisierten Antiquariaten.
      Ein grosser Teil des Buches widmet sich Literatur-Verwaltungsprogrammen (es liegt sogar ein Gutschein zum Bezug eines solchen Programms bei); dieser Abschnitt ist aber völlig auf das Betriebssystem Windows® fokussiert.
 
      Bibliographische Angaben:
Wolfgang Maassen: Literatur sammeln – Bibliotheken pflegen. Phil*Creativ GmbH, Schwalmtal 2004

(In früheren Versionen dieser Seite gab es hier eine Übersicht über Datenbanken, Karteikastenprogramme und spezielle Programme zur Literaturverwaltung für MacOS. Da ich mich aus der Apple-Welt schon vor Jahren verabschiedet und deshalb diese Informationen sehr lange nicht mehr aktualisiert habe, wurde dieser Teil jetzt ersatzlos gestrichen. Mac-Benutzer werden wissen, wie und wo sie entsprechende Informationen bekommen.)

      Zu der oben behandelten Frage, was es eigentlich an Literatur zu einem bestimmten Thema gibt, hilft Ihnen ein „Buch der Bücher“. (Nein, nicht das, an das Sie jetzt denken – das war eindeutig noch Vormarkenzeit, obwohl es natürlich schon Postbeförderung gab.) Ich meine eine philatelistische Bibliographie; es gibt etliche solcher Werke (siehe dazu z. B. Grohs über Helgoland) (3). Die bisher erschienenen vier Bände Philatelic Literature von Manfred Amrhein gehören zu den umfassendsten Werken dieser Art:

Amrhein: Philatelic Literature Band 3

      Diese Bücher bieten in gleichem Masse Augenweide und Leselust. Die Ausgaben I–IV werden selten komplett angeboten, da der zweite Band in einer Auflage von nur 220 Exemplaren erschienen ist. Auch Band IV gibt es nur in 225 einzeln nummerierten Exemplaren.
 
      Bibliographische Angaben:
Manfred Amrhein: Philatelic Literature. A History and a Select Bibliography from 1861.
Vol. I: Nineteenth Century Publications. Introduction to Philatelic Literature-Collecting (1992).
Vol. II: The Spread of Philatelic Knowledge and Latin America (1997).
Vol. III: (Abbildung links) The Middle East – Africa – The Far East (2001).
Vol. IV: Europe (2006).
Selbstverlag des Autors, San José/Costa Rica
 
Vol. V (Inhalt: Grossbritannien mit Kolonien, Skandinavien, Balkan [Albanien, Bulgarien und Rumänien] und USA) war für 2009 angekündigt (4), aber nachdem dieser Zeitpunkt lange verstrichen ist, kann man nur noch warten …


Und was kostet das alles?

      Zum Schluss kommen wir zur vielleicht schwierigsten Frage beim Aufbau einer Bibliothek: Was dürfen / können / sollten bestimmte Bücher kosten? Gerade bei seltenen Titeln, die man lange antiquarisch suchen muss, ist der Preis dem Sammler dann oft egal, wenn er dafür endlich am Ende der Jagd nach einem Buch angekommen ist. Trotzdem: Jeden Preis wird auch der engagierteste Phila-Bibliophile nicht bezahlen. Gute Antiquare zeichnet aus, dass sie diese feine Grenze kennen und vor allem nicht überschreiten.

Maassen: Handbuch philatelistische Literatur

      Maassen hat diese Problematik in dem oben genannten Buch angesprochen; er weist darauf hin, dass es keinen Katalog für philatelistische Literatur gibt.

      Inzwischen hat er allerdings selbst einen solchen Katalog erstellt, der die im Zeitraum zwischen 1862 und 1914 erschienenen deutschsprachigen Werke erfasst. Das Buch enthält neben Monographien auch Zeitschriften; die Bewertungen sind, wie bei einem solchen Literaturkenner nicht anders zu erwarten, realistisch und reflektieren tatsächliche Marktpreise.
 
Wolfgang Maassen:
Katalog und Handbuch der philatelistischen und postgeschichtlichen Literatur 1862–1914
Chronik der deutschen Philatelie, Phil*Creativ Verlag, Schwalmtal 2012

 

HJMR Priced Guide to Philatelic Literature
A Master List of Philatelic Literature

      Es gab einen solchen Katalog, den Priced Guide to Philatelic Literature der in Miami ansässigen Firma HJMR. Nach der ersten Auflage im Jahre 1968 erschien 1971 eine zweite Auflage, die auf rund 500 Seiten ca. 50 000 philatelistische Titel aufführt. Im Prinzip ist dieser Katalog die Preisliste von HJMR; alle aufgeführten Titel konnten zum angegebenen Preis dort gekauft werden. Diese Preise sind natürlich längst überholt – ich würde gerne Hagemans Denmark and Danish West Indies Issues 1870–1905 für 8 Dollar kaufen …
      Es lohnt sich aber heute trotzdem noch, nach diesem Katalog, insbesondere der 2. Auflage, zu suchen (er ist für ca. US$ 20,– zu bekommen), denn diese 50 000 Titel sind mehrheitlich nicht Bücher, sondern Artikel aus Fachzeitschriften.

      Als Preiskatalog ist der Priced Guide also nicht mehr zu gebrauchen, aber er ist immer noch eine hervorragende philatelistische Bibliographie!

      Bibliographische Angaben:
Irving Hagler, Robert Hagler, Helen Hagler, Larry Resnick (eds.): HJMR Priced Guide to Philatelic Literature. A Master List of Philatelic Literature. HJMR Co., Miami 1968 (1. A.; Spiralbindung) bzw. 1971 (2. A.; Softcover-Ausgabe und gebundene Version)

HJMR Priced Guide to Philatelic Literature 2. Auflage     HJMR Priced Guide to Philatelic Literature 2. Auflage
Gebundene Ausgabe der 2. Auflage (Einband und Titelblatt)

 

      Jeder Sammler ist also selbst gefordert, sich zu informieren, zu vergleichen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche geforderten Preise in Ordnung sind, was ein günstiges Angebot ist und natürlich auch, wann ein Händler ihn „über den Tisch ziehen“ will. Preisunterschiede bei Literatur können enorm sein! Einige Beispiele:

      In der im März 2013 erstmals erschienenen, von Wolfgang Maassen herausgegebenen (ausschliesslich online verfügbaren) Zeitschrift → Phila Historica gibt es regelmässig die Rubrik Markt und Marktpreise, in der aktuell erzielte Preise für antiquarische philatelistische Literatur genannt werden.

      Wenn Sie sich also ernsthaft für den Aufbau einer philatelistischen Fachbibliothek interessieren, sollten Sie solche Medien nutzen und selbst den Markt aufmerksam beobachten. Es lohnt sich!


Fussnoten:

  1. Huys-Berlingin hat zwei inzwischen schon legendäre Literatur-Auktionen veranstaltet, in denen jeweils grosse philatelistische Bibliotheken aufgelöst wurden: 1993 die Garratt-Adams-Library und 2003 die Joseph-Hackmey-Library. Die Kataloge dieser Auktionen sind wertvolles Referenzmaterial.
  2. Als ich diesen Text schrieb, stimmte das noch. Inzwischen hat sich das geändert – s. dazu die Sektion Dänemark dieser Site.
  3. Eine Bibliographie über Bibliographien, The Philatelic Bibliophile’s Companion von Brian J. Birch – immerhin ein Buch von knapp 1300 Seiten Umfang –, können Sie kostenlos (PDF) auf der → Website der „Literature Commission“ der FIP → herunterladen.
  4. Gemäss → Philabooks-Newsletter vom 30.6.2007

Copyright © 2006 – 2013 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 22. Januar 2006, letzte Bearbeitung am 2. September 2013.


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