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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Künstler oder Fälscher?
Die Grauzone zwischen „Faksimile“ und Fälschung

Basler Taube: Facsimile von François Fournier Sachsendreier: Kopie von Jean de Sperati
„Basler Taube“ von Fournier „Sachsendreier“ von de Sperati

      Natürlich habe ich, wie alle Philatelisten, keine Sympathien für Fälscher. Es sind keine „intelligenten Verbrecher“ und keine „Gentleman-Ganoven“ – es sind üble Elemente, die ehrliche Sammler nicht nur um ihr Geld, sondern auch um das Vergnügen an ihrem Hobby bringen, und sie verdienen nichts anderes als unsere Verachtung.

      Es gibt zwei berühmte Herren, die immer wieder als „Meisterfälscher“ apostrophiert werden: François Fournier und Jean de Sperati. Gerade diese beiden sollte man aber vielleicht nicht in dieselbe Kategorie wie so zweifelhafte Grössen dieses Schattengewerbes wie Melville, Fouré, Taylor, Oneglia oder de Thuin einordnen.

      Die Kernfrage, um die es geht, wenn man das Wirken von Fournier und de Sperati betrachtet, lautet Wo beginnt die Fälschung?
      Die Antworten darauf sind sehr verschieden:

      Fournier und de Sperati haben beide erstklassige Reproduktionen wertvoller Marken hergestellt. Beide haben ihre Produkte nie selbst als Originale verkauft – sie boten qualitativ sehr gute Faksimiles an, damit jene Sammler, denen ein Original zu teuer war, die Lücken in ihrer Sammlung mit eben diesen hochwertigen Reproduktionen füllen konnten.
      Sowohl Fourniers wie auch de Speratis Werke wurden schliesslich, im Fall Fournier erst posthum, von philatelistischen Organisationen aufgekauft und damit endgültig vom Markt genommen. So dachte man jedenfalls – man kann nur darüber spekulieren, wie viele Sammler noch aus dem üppigen Nachlass Fourniers bedient wurden …
      Das, was sie in den Augen vieler Philatelisten zu Fälschern macht und was man ihnen immer wieder vorwirft, haben sie ebenfalls gemeinsam: Beide haben ihre Erzeugnisse nie eindeutig als „Faksimile“, „Reproduktion“ oder ähnlich gekennzeichnet. Fournier brachte eine Markierung mit Wasserfarbe an, de Sperati signierte mit Bleistift.

      Damit sind wir bei der oben genannten Frage: Wo beginnt die Fälschung? Beim Hersteller/Verkäufer? Der hat aber die Marken nicht als Originale verkauft! Das Problem beginnt dann, wenn jemand die Signatur entfernt (was eben bei beiden leider leicht möglich war) und die Marke dann als Original anbietet. Kann man das dem Hersteller der Reproduktion vorwerfen? Das ist die Frage, an der sich die Geister scheiden …

      Neben diesen Gemeinsamkeiten in gewissen Aspekten des Geschäftsgebarens gibt es auch Unterschiede zwischen den beiden Meister-Kopisten: Fourniers Werk umfasst fast 3700 verschiedene Marken, de Sperati beschränkte sich auf ca. 250. Fournier hatte eine von Anfang an sehr „offensive“ Politik, was den Vertrieb seiner facsimiles anging, er zeigte sie auf Briefmarkenausstellungen und bekam sogar Preise dafür. De Sperati arbeitete deutlich stärker im Verborgenen, und er kokettierte in gewisser Weise mit seinen Produkten, z. B. durch Anlegen eines Albums, des berühmten Livre d’Or, in dem er diejenigen seiner Erzeugnisse sammelte, die von Experten für echt erklärt worden waren.

      Kopisten oder Fälscher? Reproduktion oder Fälschung? Informationen dazu haben Sie nun (und Sie finden noch mehr auf den Seiten über Fournier und de Sperati) – entscheiden müssen Sie selbst.


Literatur:


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Copyright © 2005 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 12. Juni 2005, letzte Bearbeitung am 12. Juni 2005.


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