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Klassische Philatelie und Postgeschichte

Postgeschichte – Einführung in das Gebiet

      Lesen Sie dazu bitte auch die Seiten „Postgeschichte/Altbriefkunde – Das Feld für forschende Sammler“ und „Jetzt hat es mich gepackt – Der Weg zur Postgeschichte“.

 

Vom Reiz der alten Briefe

Anton Kumpf-Mikuli:
Neue Briefe über alte
Verlag „Die Postmarke“ GmbH, Wien 1933

Mailänder Stempel Mailänder Stempel
Cursores Mediolanum
auf Brief vom 17. Oktober 1459
 
Geprägtes Siegel durch Bleistiftschraffur sichtbar gemacht.
(ex → Sammlung LeBow)

      „An important early postal history showpiece“ hiess es in der Losbeschreibung bei → Gärtner zu dem oben gezeigten Brief, den ich in der Tat als besonderes Schmuckstück meiner kleinen postgeschichtlichen Sammlung schätze. Der Prägestempel mit dem Wappen der Sforzas und der umlaufenden Inschrift Cursores Mediolanum (Mailänder Kuriere) gilt als der erste Poststempel der Geschichte; er wurde in Mailand unter dem Herzog Francesco Sforza für dessen Botenpost nach Venedig verwendet.

      Ein solcher Brief erklärt die eingangs zitierten enthusiastischen Bemerkungen von Herrn Kumpf-Mikuli, und schon dieses eine Stück lässt den besonderen Reiz der Postgeschichte, auch Vormarkenzeit (bitte nicht „Vorphilatelie“) oder Altbriefkunde erahnen.
      Postgeschichte hört natürlich nicht mit der Ausgabe von Briefmarken auf, weshalb ich für das, worum es hier geht, Altbriefkunde bevorzuge. (Ein interessantes Kapitel der Postgeschichte in der Markenzeit finden Sie bei Frankreich.)

Bishop-Stempel Bishop-Stempel
auf Brief vom 9. Dezember 1780

      Innerhalb der Altbriefära gibt es noch eine Zäsur: Die Einführung des Stempels statt eines handschriftlichen Vermerks über Aufgabeort und -datum durch den britischen Postmaster General Henry Bishop. (Mehr über den Bishop-Stempel finden Sie in der Sektion Grossbritannien.)

 

Der Brief in der Markenzeit

Dr. Franz Kalckhoff (1860–1955) (1)

      Schon vor mehr als acht Jahren schrieb ich zum Thema „Wie soll man klassische Marken sammeln?“ auf einer der ersten Seiten dieser Website „das Sammeln von Briefen ist die schönste und philatelistisch anspruchsvollste, gerade in der Klassik aber leider auch die mit weitem Abstand kostspieligste Form des Sammelns.“
      Daran hat sich seit der Zeit von Herrn Kalckhoff nichts geändert; der ganze Brief zeigt nicht nur die postalische Verwendung (und damit den bestimmungsgemässen Gebrauch) einer Marke, er hat auch eine Schönheit, eine Ausstrahlung, die eine lose Marke so nicht vermitteln kann.

Brief GB
Grossbritannien SG Nr.19
auf Einschreiben vom 13. Mai 1854 nach Preussen

 

Postgeschichtliche Sammlungen

      Schon in meinem ganz oben auf dieser Seite verlinkten Beitrag „Postgeschichte/Altbriefkunde“ habe ich darauf hingewiesen, dass die Altbriefkunde einen wesentlich kleineren Kreis von Sammlern anspricht als die „klassische“ Philatelie. Sehr enttäuschend fand ich als (zunehmend begeisterter) Postgeschichte-Sammler den Verlauf der 2. Online-Auktion der Firma Pumpenmeier (2014 vom Auktionshaus Christoph Gärtner GmbH & Co KG übernommen) im August 2013. Diese Auktion hatte einen Schwerpunkt bei Postgeschichte; Marken waren gegenüber den Briefen eindeutig in der Unterzahl. Natürlich freute es mich, dass ich alle bebotenen Lose zum Ausrufpreis bekommen habe, aber das Gesamtergebnis kann ein Auktionshaus nicht zufriedenstellen; das kann dazu führen, dass man die Durchführung einer solchen Spezialauktion in Zukunft nicht mehr riskiert:

Pumpenmeier-Auktion 5. August 2013
Von insgesamt 10 333 Losen in den Gebieten Deutschland und Europa (oben) wurden gerade einmal 222 verkauft (unten). Von dieser Quote von 2,1 % kann ein Auktionshaus nicht leben! (War der Termin in den Sommerferien die Ursache?)
(Auktion am 5. August, Screenshots vom 9. August 2013)
Pumpenmeier-Auktion 5. August 2013

      Eine sehr interessantes Plädoyer für eine klarere Trennung von Postgeschichte und klassischer Philatelie findet man auf Reinhard Stutz’ Website → Post und Geschichte. Stutz beklagt die Flut von Briefen (um die Juroren zu beeindrucken?) in Exponaten zur traditionellen Philatelie. Unter anderem schreibt er
      „Leider ist die Entwicklung der traditionellen (Ausstellungs)-Sammlungen aus dem Ruder gelaufen. Traditionelle Sammlungen, die auf 7 Rahmen (à 12 Blatt) noch knapp 2 Rahmen (à 12 Blatt) Briefmarken enthalten, haben einfach nichts mehr mit traditioneller Philatelie zu tun – Trend zum Brief hin oder her. […]
      Die Juroren lassen sich von den eingefügten Briefen (teils schwergewichtigen Renommierstücken) verunsichern. Die traditionellen Sammlungen sollten wieder dahin geführt werden, dass die Briefmarke im Mittelpunkt steht. Eine Beschränkung der Briefdarstellungen sollte auf 50 % der ausgestellten Fläche beschränkt werden, besser wären sogar 40 %. Die Juroren haben den Briefmarken wieder mehr Gewicht zu geben […]“

      Ich kann die Beobachtung von Herrn Stutz grundsätzlich bestätigen; Exponate zur traditionellen Philatelie werden in der Tat zunehmend Brief-lastig, während die von Stutz im selben Artikel als Salz in den traditionellen Sammlungen bezeichneten Entwürfe und Proben, Fehldrucke, Abarten, Plattenfehler, Farb- und Papiernuancen meist keine sehr grosse Rolle spielen. Natürlich ist ein Brief wie der oben gezeigte mit zwei Paaren und einem Dreierstreifen ein „Eyecatcher“, aber ein Probedruck derselben Marke wäre ihm im Sinne der traditionellen Philatelie mindestens ebenbürtig.

      Als jemand, der von der traditionellen Philatelie ebenso wie von kompletten Belegen begeistert ist, tue ich mich mit einem Fazit schwer – und vielleicht gar eine Empfehlung zu geben, wäre vermessen. Der gelegentliche Brief als Auflockerung ist sicher eine optisch wie philatelistisch wertvolle Ergänzung einer Sammlung (s. dazu die Sektionen Belgien und Niederlande auf dieser Site), aber Postgeschichte ist nun einmal etwas Anderes als eine „Briefmarkensammlung“.

 

Postgeschichte auf dieser Website

      Dass diese Website meine persönlichen Sammelinteressen reflektiert, ist eigentlich klar – ich kann nicht über ein Gebiet schreiben, zu dem ich weder die entsprechenden Stücke in meiner Sammlung noch die relevante Literatur in meiner Bibliothek habe. Begonnen hat das Interesse an der Postgeschichte, speziell der Altbriefkunde (Vormarkenzeit), bei mir mit den Gebieten Spanien und Frankreich; inzwischen ist Grossbritannien dazugekommen, und Belege aus den postgeschichtlich interessanten heutigen Gebieten Niederlande und Belgien haben sich inzwischen bei mir in so grosser Zahl eingefunden, dass man auch hier schon von einem Sammelgebiet sprechen kann. (Ja, ich weiss – ich habe noch vor drei Jahren geschrieben, dass zwei Gebiete schon genug seien. Aber dann kommt der Brief von Lille nach Antwerpen, dann noch der von Bordeaux nach Rotterdam, und schon ist man mitten drin!).

      Grössere Kapitel zur Postgeschichte finden Sie derzeit (Herbst 2013) erst bei Frankreich und Grossbritannien; bei den anderen genannten Ländern werden sie folgen, das Material ist da. Die Altbriefkunde ist allerdings wesentlich zeitaufwändiger als das reine Briefmarkensammeln; während Sie an einem Abend problemlos mehrere Dutzend Marken aus einer bei einer Auktion erstandenen Sammlung sortieren und katalogisieren können, kann Sie ein einziger Altbrief viel Zeit kosten: Die Bestimmung von Portostufe, Leitweg und Taxvermerken setzt nicht nur den Besitz der entsprechenden Literatur voraus, sondern auch eine intensive Beschäftigung mit diesen Büchern.

 

Fazit

      Postgeschichte, speziell die Vormarkenzeit, ist faszinierend. Alles, was man über die Philatelie bezüglich des Erwerbs von Kenntnissen in Geographie, Geschichte, Münz- und Wappenkunde sagt, gilt hier noch einmal in verstärktem Masse – es fehlt die leicht zu identifizierende Marke, die ich im Katalog schnell bestimmen kann und damit schon einmal Währung, Betrag und Ausgabejahr zugeordnet habe.
      Sollten Sie sich entschliessen, Ihre klassische Sammlung, zunächst einmal ganz behutsam mit einzelnen Stücken, zeitlich nach vorne zu erweitern, werden Sie dies mit Sicherheit nicht bereuen!


Fussnoten:

  1. Zitiert nach Dr. Walther Heering: Philatelie – Spiel und Ernst. Heering-Verlag, Seebruck am Chiemsee 1963

Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 2. September 2013, letzte Bearbeitung am 19. April 2015.


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