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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Schweiz

Kantonalmarken: Basel (Basler Taube)

      Ein Hinweis für meine Leser in Deutschland: Einen Zürcher sollte man nicht als Züricher bezeichnen, und die Basler Taube sollte man bitte nicht Baseler Taube nennen. Merci!

      Für viele Philatelisten ist die Basler Taube, im Lande auch Basler Dybli genannt, die klassische schweizerische Briefmarke schlechthin. Der Bekanntheitsgrad dieser Marke ist auch ausserhalb der Schweiz enorm gross; Doberer leitet seine „Philatelie für Kenner“ mit einem Auktionsangebot einer „Taube“ ein, schweizerische Philatelisten treffen sich im Web im → Forum Basler Taube, und ich habe als → Favicon dieser Site (das ist das kleine Bild, das Sie gerade in der Adressleiste Ihres Webbrowsers sehen) das zentrale Motiv der Basler Taube, nämlich die im Prägedruck ausgeführte Taube, gewählt.

      Die Popularität des „Dybli“ hängt wahrscheinlich mit der aufwändigen Gestaltung zusammen: Dreifarbigen Druck gab es vorher noch nie, dazu kommt noch der zentrale Prägedruck – das Ergebnis ist eine Marke, die einfach schön ist:

Basler Taube (Fournier-Faksimile)
Faksimile der Basler Taube
aus einer Fournier-Ländersammlung Schweiz

      Dienstag, der 1. Juli 1845, war ein Tag mit bemerkenswerten Neuerungen im Postdienst der Stadt Basel: Das Ortsporto wurde von 5 auf 2½ Rappen gesenkt; diese Senkung wurde damit begründet, dass die am gleichen Tag eingeführte Vorausbezahlung mittels „Frankozettelchen“ eine erhebliche Vereinfachung im Betrieb bedeutete. Gleichfalls neu waren „Brief-Einlagen zur Benutzung des Publikums“.
      Sie ahnen es schon: Die Frankozettelchen waren unsere Basler Tauben, die Brief-Einlagen ganz schlicht – Briefkästen.

      In ihrer im Jubiläumsjahr der Taube, 1995, erschienenen Monographie weisen Bach/Winterstein darauf hin, dass die Einführung von Briefkästen und Marken in Basel besonders eng zusammen hing: Briefkistlein gab es schon seit 1839 an verschiedenen Punkten im Stadtgebiet. Sehr populär waren sie jedoch nicht, und so wurde 1843 eine Kommission beauftragt, sich der Briefkastenfrage anzunehmen. Im Bericht dieser Kommission hiess es dann unter anderem „Die Benützung dieser Kästchen […] betreffend, so finden wir, dass sich dieses am füglichsten nach dem englischen Modus, durch Vorausverkauf von passenden Franco-Zettelchen bewerkstelligen lasse“.
      In Basel waren also die – bereits vorhandenen – Briefkästen der Anlass zur Ausgabe von Briefmarken!

      Bis dann wirklich Marken ausgegeben wurden, verging aber noch einige Zeit. Zunächst wurde natürlich eine neue Kommission gegründet (Bürokratien haben sich in 170 Jahren nicht geändert), die sich mit der Gestaltung der Briefkästen (wie wir sie jetzt der Einfachheit halber nennen wollen) beschäftigte. Der Architekt Melchior Berri wurde mit dem Entwurf beauftragt – das Ergebnis sehen Sie unten.

Briefkasten im Stil Melchior Berris in Basel Schild am Briefkasten im Stil Melchior Berris in Basel
 
Heute gibt es im Stadtgebiet von Basel noch
sechs Briefkästen im damaligen Stil.
Basler Briefkasten auf deutscher Marke Einen Basler Briefkasten aus der Ära der „Tauben“ findet man auch auf einer deutschen Briefmarke: Die am 29. 10. 1974 erschienene Marke 100 Jahre Weltpostverein (MiNr. 825) zeigt einen Basler neben einem deutschen Briefkasten.

      Als die in München hergestellten Briefkästen abgeliefert waren, kümmerte sich Berri um die Marken: Am 29. Januar 1845 sandte er einen detaillierten Auftrag an den Frankfurter Drucker Benjamin Krebs. Dass die Marke mehrfarbig sein sollte, war festgelegt, aber ob „blau od grün od roth“ (zitiert bei Bach/Winterstein), hatte Berri in seinem Auftrag an den Drucker offen gelassen.

      Die erste Lieferung von Krebs enthielt die berühmten grünen Tauben, die bis heute unter der Nummer 8.I. im Zumstein-Katalog als Probedruck katalogisiert sind. Auf Grund ihrer sehr detaillierten Recherche schlagen Bach/Winterstein vor, besser von einer nicht verausgabten oder provisorischen Auflage zu sprechen.

Vorstufen zu Faksimiles der Basler Taube von Fournier
Noch einmal Material aus der Fournier-Ländersammlung:
Fournier hatte diese Rahmen für die grünen und blauen Tauben bereits vorbereitet; hier fehlen noch der rote Mittelteil und der Prägedruck. Die These, dass es sich bei den grünen Tauben um Essais handelte, wird heute nicht mehr aufrecht erhalten.

      Nachdem die grünen Tauben in Basel nicht gefielen, wurde die Farbe in Blau geändert; diese endgültige Version wurde am 18. 6. 1845 in Basel angeliefert.
      Insgesamt gibt es von den Tauben drei Farbvarianten, denn neben der erwähnten Auflage in grün existiert auch die „endgültige“ Version in zwei Farben: Schwarz/blau/karmin, Zumstein Nr. 8, und schwarz/lebhaftblau/karmin, Zumstein Nr. 8a. Interessanterweise trägt die zweite Auflage die Hauptnummer, 8a ist die erste Auflage. Diese zwei verschiedenen Blautöne sind übrigens bei Mirabeau/Reuterskiöld noch nicht erwähnt.

Vorstufen zu Faksimiles der Basler Taube von Fournier

      Als fünfte Briefmarkenausgabe der Welt ist die Basler Taube immer wieder selbst auf Briefmarken abgebildet worden und ein häufiges Sujet in thematischen Sammlungen „Briefmarken auf Briefmarken“.
      Der hier gezeigte Block erschien 1995 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Basler Taube bzw. der zu diesem Anlass durchgeführten Nationalen Briefmarkenausstellung.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 3. Oktober 2005, letzte Bearbeitung am 1. Januar 2016.


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