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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Fälschungen – kann man sich schützen?

„Alles, was Menschen gemacht haben, kann man irgendwie nachmachen.“

Robert Kalina
Designer der Euro-Banknoten

      Dieser Satz von jemandem, dessen Beruf es ist, ein idealerweise „fälschungssicheres“ Produkt herzustellen, illustriert in seiner schlichten Aussage sehr gut das Problem, das Sammler mit Fälschungen haben. Natürlich kann man alles, was irgendwann einmal irgendwer gemacht hat, auch kopieren. Das ist auch der Grund, warum ich diese Seite nicht „wie man sich schützen kann“ betitelt habe – das würde den falschen Eindruck erwecken, ich könne Ihnen eine definitive Antwort auf diese Frage geben.

      Fälschungen von Briefmarken sind fast so alt wie die Briefmarken selbst. Auf einer anderen Seite habe ich die Fälschungen zum Schaden der Post erwähnt, um die es hier aber nicht geht. Seit Briefmarken gesammelt werden, gibt es auch dunkle Elemente, die diese Freude am Sammeln ausnutzen und den Sammlern Fälschungen verkaufen.

      Bevor wir darüber reden, wie man Fälschungen erkennen kann, müssen wir uns zunächst einmal überlegen, was eigentlich eine Fälschung ist. Banal, denken Sie?

      Wie immer, wenn es um Begriffsklärungen geht, schauen wir in die philatelistischen Fachlexika:

      Beide Lexikon-Einträge lassen ahnen, wie komplex das Gebiet der Fälschungen ist: Es geht um Marken, Stempel, Gummierung, Belege …

      Das A und O für Sammler ist Information. Es gibt eine fast nicht mehr überschaubare Menge an Literatur über Fälschungen; die Standardwerke zu Ihren Sammelgebieten sollten Sie in Ihrer Bibliothek haben.

Ausschnitt Huys-Berlingin-Katalog
Ein Ausschnitt der Sektion Forgeries and Reprints aus der 2003
bei Huys-Berlingin durchgeführten Literaturauktion

      Auch das eingehende Studium dieser Literatur ist allerdings kein hundertprozentiger Schutz; Haas schrieb dazu schon 1906:

      „Für verfehlt halten wir die Herausgabe von Büchern über Fälschungen; denn in denselben werden zwar alle dem Verfasser bekannten Nachahmungen genau beschrieben, wenn aber noch weitere, nicht beschriebene, falsche Marken dem unerfahrenen Besitzer eines solchen Werkes in die Hand kommen, ohne die bekannten Merkmale, dann werden sie schliesslich sogar für echt gehalten.
      So gibt es über 30 Fälschungen der 3-Pf.-Marke erster Ausgabe von Sachsen, vier bis fünf werden vielleicht in einem solchen Buch genau beschrieben, aber die anderen nicht einmal andeutungsweise erwähnt; der Nichtkenner wird sicherlich, trotz seinem Fälschungswerk, die weitaus meisten für Originale halten.“


 

      Einen ähnlichen Hinweis findet man in Bruns Faux et Truqués, einem Buch, das auch wegen der Darstellung der von Fälschern benutzten Techniken empfehlenswert ist. Zu Büchern, die im Detail Fälschungsmerkmale beschreiben, meint Brun: „Ils peuvent même être dangereux car d’aucuns, ne trouvant pas de faux semblable à un timbre considéré, le regarderont comme authentique. Or il peut s’agir d’un type de faux inconnu de l’auteur de l’ouvrage, ou apparu postérieurement à son édition.“ (Sie können sogar gefährlich sein, da manche, die keine Fälschung finden, die einer von ihnen betrachteten Marke ähnelt, diese für echt halten werden. Oder es handelt sich um einen Fälschungstyp, der dem Autor des Werkes nicht bekannt war oder der nach dessen Erscheinen aufgetaucht ist.)

      Wie kann der Sammler das vermeiden? Hier kommt jetzt der erste Tipp zur praktischen Umsetzung: Lernen Sie nicht die Kennzeichen der verschiedensten Formen vorkommender Fälschungen, vertiefen Sie sich in die Echtheitsmerkmale Ihrer Marken! Wenn Sie wissen, wonach Sie bei einem Original suchen müssen, und wenn die Ihnen vorliegende Marke diese Kennzeichen nicht hat, dann ist es eine Fälschung. Ob von Fournier, Sperati, Oneglia, Spiro oder anderen, ist dann allenfalls im nächsten Schritt eine Frage für Spezialisten.

      Gute Bücher über Fälschungen, von Stiedl/Billigs in den dreissiger Jahren erschienenem Grossen Handbuch der Fälschungen bis zu den auf dieser Site bei den jeweiligen Gebieten zitierten Büchern von Dieks, Levitsky und Jenkins, führen Echtheitsmerkmale der entsprechenden Marken im Detail auf.
      Die Merkmale, um die es dabei geht, sind natürlich sehr subtil und oft nur bei genauer Betrachtung mit der Lupe zu erkennen; deshalb finden Sie bei dubiosen Internet-Auktionen immer nur kleine und/oder verwaschene Bilder.

Abbildung aus Stiedl/Billig Kirchenstaat
Abbildung aus dem Kirchenstaat-Band von Stiedl/Billig
Oppitz Band I

      Die Bände „Wissen schützt vor Schaden“ von Helmut Oppitz beschreiben im Detail fast ausschliesslich die Echtheitsmerkmale der besprochenen Marken; es werden nur wenige Fälschungen gezeigt.

      Oppitz behandelt in den beiden ersten Bänden das Gebiet Altdeutschland (links Band I, unten ein Beispiel aus Band II: Die Echtheitsmerkmale des „Sachsendreiers“), ein dritter Band (den ich nicht besitze) widmet sich Deutschland vom Deutschen Reich bis Bund.

Zwei Seiten aus Oppitz Band II

      Wirklich „gute“ Fälschungen zeigen allerdings alle bekannten Kennzeichen der Originale; die Literatur über Fälschungen ist natürlich auch den Fälschern zugänglich. (Nach dem Erscheinen der Bücher über die Sperati-Fälschungen 1955 haben Fälscher diese detaillierten Informationen benutzt, um die Erkennungszeichen zu „korrigieren“.)

      Der zweite Tipp kostet zwar Geld, rentiert sich aber langfristig: Legen Sie Marken im Zweifelsfall lieber einem Experten vor! Anerkannte Prüfer müssen, um von ihrem jeweiligen Verband zertifiziert zu werden, unter anderem eine umfangreiche Vergleichssammlung von Fälschungen ihres Gebietes besitzen.
      Das Beiziehen eines Experten schützt Sie auch vor sich selbst: Hat man endlich das lange gesuchte Stück gefunden, möchte man ja, dass es echt ist, und dabei besteht die Gefahr, dass die erforderliche Objektivität von der Sammler- und Sammel-Leidenschaft verdrängt wird. Ein weltweit bekannter Sammler aus einem anderen Gebiet, Guido Mondani (der die wahrscheinlich berühmteste Sammlung von Uhren einer bekannten Schweizer Marke besitzt), hat in einem Interview einmal gesagt „Never trust only yourself, because an expert knows more and is not blinded by passion, as many collectors are.“ (Vertrauen Sie niemals nur sich selbst, denn ein Experte weiss mehr, und er wird nicht, wie viele Sammler, durch die Leidenschaft verblendet.)

      Bei sehr wertvollen Stücken kann es sich lohnen, für eine Expertise nicht mehr nur den Vergleich mit anderen Marken, sondern auch modernste Technik einzusetzen.
      Eine 2005/2006 in der → SBZ erschienene Artikelserie zeigt, was heute technisch z. B. in der detaillierten Farbanalyse möglich ist:

      Der Einsatz spektroskopischer Verfahren zur Marken-Identifizierung wurde schon früher beschrieben; zwei Beispiele von Publikationen einer britischen Gruppe aus einer renommierten Fachzeitschrift:

      Die Anwendung spektroskopischer und mikroskopischer Verfahren ist ausführlich in Pearsons Buch über die Grinnell Missionaries an einem praktischen Beispiel beschrieben; auch, wenn Sie diese Marken nicht sammeln (wer kann das schon …), ist es interessante Lektüre für Philatelisten.

      Kommen wir nach diesem Ausflug in die Welt der Laboratorien wieder zurück zu den etwas „bodenständigeren“ Möglichkeiten, die ein Philatelist hat, um Fälschungen zu begegnen.

      Neben den klassischen Referenzwerken ist bei der Literatur das aktuelle Fakes Forgeries Experts Journal (→ FFE) zu erwähnen, von dem in etwa jährlichen Abständen ein neuer Band erscheint. FFE ist von allgemeinem philatelistischem Interesse, nicht Länder-spezifisch; jeder Band enthält erstklassig recherchierte Artikel zu Fälschungen aller möglichen Gebiete und Epochen.

      Das World Wide Web ist erfreulicherweise nicht nur eine Verbreitungsstätte mehr oder weniger gut gemachter Fälschungen (zunehmend bei Internet-Auktionen); es gibt eine Reihe von Organisationen und Philatelisten, die Websites zum Thema Fälschungsbekämpfung betreiben. Ich liste hier eine kleine Auswahl, rein subjektiv und natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit; die Suchmaschine → Google liefert für Briefmarken Fälschungen annähernd 100 000 Seiten, für stamps forgeries 176 000 Seiten!


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 19. März 2006, letzte Bearbeitung am 13. Juni 2016.


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