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Klassische Philatelie und Postgeschichte – Einleitung

Plattieren – Die Kunst der Bogenrekonstruktion
Von Druckbögen und Bogenfeldern

      Wenn Philatelisten vom Plattieren reden, ist damit nicht das Verlegen eines Parkettfussbodens gemeint – der Begriff bezeichnet die Rekonstruktion eines Druckbogens. Sinnvoll ist so etwas natürlich nur bei Ausgaben, bei denen jede einzelne Marke des Bogens bestimmte Charakteristika aufweist, anhand derer man ihre Position im Bogen eindeutig bestimmen kann.
      Das können bestimmte Retuschen sein, es können feine Unterschiede im Markenbild sein, und es gibt Marken, bei denen eine eindeutige Positionsbezeichnung Bestandteil des Markenbildes ist.

      Wenn eine Marke mehrfach graviert wurde, so dass die Ursteine eine komplette Zeile im Bogen ergeben, von der dann Umdrucke angefertigt wurden, kann man die genaue Bogenposition natürlich nicht identifizieren. In diesem Fall spricht man verschiedenen Typen, die üblicherweise mit römischen Zahlen bezeichnet werden. Bekannte Beispiele sind die Zürich 4 und 6, bei denen fünf Marken auf den Urstein gezeichnet wurden, der dann für den Bogen zwanzig Mal umgedruckt wurde. Daraus resultieren die Typen I bis V.
      In Spanien wurden die 255er-Bögen der ersten Ausgabe aus Umdrucksteinen mit 24 (Platte I) bzw. 40 (Platte II) Marken (=Typen) zusammengesetzt; hier sind Sammler bestrebt, einen solchen Umdruckblock zu rekonstruieren.

      In der modernen Philatelie spielen Bogenrekonstruktionen keine Rolle mehr; individuelle Unterschiede der Marken etwa im 100er-Bogen einer Sondermarke aus dem Jahr 1970 gibt es mit den heutigen Herstellungstechniken nicht. Auch heute gibt es allerdings noch Plattenfehler, und da lesen Sie dann z. B. bei der Beschreibung eines Plattenfehlers in einer Fachzeitschrift, dass er „in einer Teilauflage auf Feld 54“ vorkommt.
      Der Begriff Bogenfeld oder Bogenposition hat also nicht nur für Klassik-Sammler Bedeutung; er ist eigentlich unproblematisch und selbst erklärend. Um bei dem Beispiel zu bleiben: „Position 54“ bezeichnet die vierte Marke in der sechsten Reihe (s. Schema unten).

      Sammler sollten aber wissen, dass es zwei verschiedene Zählweisen gibt, die postalische und die philatelistische: Die Post zählt spaltenweise von oben nach unten, Philatelisten zählen die Bogenpositionen zeilenweise von links nach rechts.

Postalische Zählweise von Bogenpositionen
Postalische Zählweise der Bogenfelder in einem 10x10-Bogen
 
Philatelistische Zählweise von Bogenpositionen
Philatelistische Zählweise der Bogenfelder in einem 10x10-Bogen

      Letzteres scheint irgendwie logischer, da es unserer Art entspricht, Texte zu lesen. Warum wird bei der Post anders gezählt? Es ist ein schlichtes Abrechnungsproblem: Wenn Sie sich die Markierungen auf einem Bogen z. B. der alten Deutschen Bundespost ansehen, sehen Sie, dass dort die Werte spaltenweise aufaddiert wurden.
      Auf allen Seiten dieser Website verwende ich ausschliesslich die philatelistische Zählung von Bogenfeldern, Beispiele finden Sie bei den Neudrucken von Württemberg und denen des Kirchenstaates. Ausnahmsweise kann eine Zählung der Bogenfelder auch anders als oben gezeigt aussehen; s. dazu z. B. die Seite über die Platten der ersten Ausgabe der Niederlande.

      Mehr spezielle Terminologie braucht man nicht, wenn man sich der spannenden Aufgabe des Plattierens einer klassischen Ausgabe widmen will, die übrigens sehr leicht zu einer Lebensaufgabe werden kann. Relativ einfach – auf den ersten Blick – ist das nur bei den frühen Ausgaben Grossbritanniens, die ihre Bogenposition an prominenter Stelle im Markenbild anzeigen:

Kennbuchstaben der Penny Black

      Bei den ersten Ausgaben Grossbritanniens trägt jede Marke eine Kombination aus zwei Buchstaben, die ihre Bogenposition bezeichnet.

Penny Black
Ein Beispiel der „Penny Black“, der ersten Briefmarke der Welt, zeigt die Abbildung: Der erste Buchstabe bezeichnet die Zeile (im 240er-Bogen A bis T), der zweite die Spalte (A bis L).

      Gerade bei der Penny Black kommt jedoch noch ein Punkt dazu, der die Bogenrekonstruktion dann wieder etwas schwieriger macht: Die Marke wurde von 12 verschiedenen Platten gedruckt, so dass wir es mit insgesamt (12x240=) 2880 verschiedenen Marken zu tun haben!

      Drei Punkte sind zu beachten, wenn Sie eine klassische Ausgabe plattieren wollen:

  1. Sie brauchen unbedingt entsprechende Spezial-Literatur, da die Unterschiede im Markenbild, abgesehen von den Kennbuchstaben der britischen Ausgaben, teilweise sehr subtil sind. Solche Bücher sind auf dieser Site erwähnt, etwa das Buch von Jenkins, das für das Plattieren von Kirchenstaat-Neudrucken unerlässlich ist, der Band von Christensen über die 2 Rigsbank-Skilling, die Literatur über die schweizerischen Rayons oder die Plattierungshandbücher zur ersten niederländischen Ausgabe von van Balen Blanken/Buurman.
  2. Es kann schwierig sein, eine bestimmte Marke zu finden. Schweizerische Händler bestimmen beispielsweise ihre Rayons, wenn sie einzeln verkauft werden, meist sehr präzise, aber wenn Sie eine Sammlung kaufen, finden Sie solche Angaben nicht. Da beginnt dann das eigentliche Vergnügen an der Bogenrekonstruktion: Welche Marke habe ich hier?
  3. Eine Bogenrekonstruktion kann sehr teuer werden. Die Rekonstruktion nur einer der beiden Platten der erwähnten dänischen 2-Skilling-Marke erfordert einen sechsstelligen Franken-Betrag.

      Der zweite und dritte Punkt sind der Grund, warum ich von einer „Lebensaufgabe“ gesprochen habe. Trotzdem: Unmöglich ist es nicht; auf grossen Ausstellungen sind auch schon komplette Rekonstruktionen der Penny Black von einer Platte gezeigt worden.


Literatur:


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Erste Veröffentlichung am 22. Januar 2006, letzte Bearbeitung am 20. Mai 2012.


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